Was uns be­wegt

Wolf­gang Ra­de­mann: Ein gro­ßer Mann mit ei­nem gro­ßen Her­zen

Meins - - Inhalt - VON K. BEHR

Was ist ei­gent­lich ein gu­ter Mensch? Ist es je­mand, der brav in die Kir­che geht, für an­de­re be­tet, sich so­zi­al en­ga­giert und öf­fent­lich laut für die Schwä­che­ren kämpft und gern viel dar­über spricht? Oder ist es der, der im Stil­len Gu­tes tut, ein­fach da ist, wenn es an­de­ren schlecht geht, ob­wohl man es viel­leicht ge­ra­de von dem­je­ni­gen gar nicht er­war­tet?

Ja, es ist si­cher­lich bei­des, und al­les zu­sam­men sind es die klei­nen wich- ti­gen Mo­sa­ik-St­ein­chen, die ei­nen gu­ten Men­schen aus­ma­chen. Und doch ist es auch noch so viel mehr.

Es ge­hört doch ei­ne gro­ße Por­ti­on Em­pa­thie da­zu und die Ga­be, sich in das Leid, die Sor­gen und Nö­te an­de­rer hin­ein­ver­set­zen und mit­füh­len zu kön­nen und da­bei die ei­ge­nen Be­lan­ge hint­an­zu­stel­len. „Die kost­bars­te Bil­dung ist die Her­zens­bil­dung“, sag­ten un­se­re Müt­ter frü­her. Aber der Be­griff Her­zens­bil­dung ist lei­der heu­te ver­lo­ren ge­gan­gen. Wer sie aber tat­säch­lich in sich trug, die­se Her­zen­bil­dung, das war der ver­stor­be­ne „Traum­schiff“-Er­fin­der Wolf­gang Ra­de­mann († 81).

Er war be­rühmt für sei­ne Ber­li­ner Kod­der­schnau­ze. Doch hin­ter die­ser rau­en, schnod­de­ri­gen Art ver­steck­te er ein gro­ßes, gu­tes und rüh­ri­ges Herz. Die Kir­che, der Glau­be an Gott und ein Le­ben nach dem Tod war so gar nicht sei­ne Sa­che. Sei­ne An­sicht war, nach dem Tod, da kä­me „nischt“mehr. „Ich glau­be an nichts. Die Ku­bi (Ruth Ma­ria Ku­bit­schek, sei­ne Le­bens­ge­fähr­tin, Anm. der Red.) hat da ei­ne an­de­re Mei­nung. Sie denkt, es geht da oben wei­ter. Soll se. Da­mit ha­be ich nischt am Hut.“

Aber das Wohl­er­ge­hen der an­de­ren lag ihm am Her­zen. Zeit­le­bens hat er sich um an­de­re Men­schen ge­küm­mert. Wem es schlecht ging, wer kei­ne Rol­len­an­ge­bo­te mehr be­kam, wer fi­nan­zi­ell in der Klem­me saß, dem hat er ge­hol­fen – mit Rol­len auf dem „Traum­schiff“oder aus sei­ner

Für ihn war Lu­xus un­wich­tig. Für an­de­re gibt er al­les

pri­va­ten Scha­tul­le. Und so hat er es auch über sei­nen Tod hin­aus ver­fügt. Vor über ei­nem Jahr starb Wolf­gang Ra­de­mann. Und er hin­ter­lässt nicht nur vie­le un­ver­gess­li­che TV-Er­eig­nis­se, son­dern auch ein zwei­stel­li­ges Mil­lio­nen­ver­mö­gen in Form von Im­mo­bi­li­en, Ak­ti­en und Geld auf ver­schie­de­nen Kon­ten. Klas­si­sche Er­ben wie Kin­der und ei­ne Ehe­frau hat er kei­ne. Sei­ne Frei­heit war ihm im­mer wich­ti­ger.

Sei­ne Fa­mi­lie wa­ren sei­ne Freun­de, Kol­le­gen und sei­ne

Weg­ge­fähr­ten. Und sehr vie­le von ih­nen hat Wolf­gang Ra­de­mann in sei­nem Tes­ta­ment be­dacht. Zu den en­gen Freun­den, die von sei­nem Ver­mö­gen pro­fi­tie­ren, ge­hört auch die Schau­spie­le­rin Grit Boett­cher, 78. Für sie war Wolf­gang Ra­de­mann ei­ner der wich­tigs­ten Men­schen, ein An­ker, wenn das Le­ben mal wie­der ho­he Wel­len ge­schla­gen hat­te. 56 Jah­re wa­ren sie be­freun­det. „Wir ha­ben uns im­mer ver­traut. Ich konn­te mich im­mer 100-pro­zen­tig auf ihn ver­las­sen. Er sag­te zu mir: ,Sü­ße, wenn es bei dir ir­gend­wo brennt, dann bin ich dei­ne Feu­er­wehr.“‘ Kurz vor sei­nem Tod sprach er noch zwei lie­be­vol­le Nach­rich­ten auf ih­ren An­ruf­be­ant­wor­ter: „Die hü­te ich wie ei­nen Schatz!“

Auch ih­re Toch­ter Ni­co­le Belst­ler-Boett­cher, 54, hat der Pro­du­zent mit ei­ner groß­zü­gi­gen Geld­sum­me be­dacht, so­dass die Schau­spie­le­rin jetzt die In­ter­nats­kos­ten ih­rer Toch­ter wei­ter be­zah­len kann. Zu den wei­te­ren pro­mi­nen­ten Er­ben ge­hört auch Ben­ja­min Wus­sow, 23, der jüngs­te Sohn sei­nes ver­stor­be­nen Freun­des und TVS­tars Klaus­jür­gen Wus­sow († 78). Der Jun­ge ist Voll­wai­se, und sei­ne Zu­kunft ist jetzt ge­si­chert.

Ja, Wolf­gang Ra­de­mann hat al­le Men­schen, die ihm im Le­ben et­was be­deu­tet ha­ben, auch nach sei­nem Tod ver­sorgt. Nur hin­sicht­lich sei­ner lang­jäh­ri­gen Le­bens­ge­fähr­tin Ruth Ma­ria Ku­bit­schek, 85, zeig­te er sich be­schei­den. Al­les an­de­re als bö­ser Wil­le, son­dern von Wolfang Ra­de­mann und sei­ner Ku­bi wohl durch­dacht: „Wolf­gang woll­te mir sein Haus lan­ge vor sei­nem Tod über­schrei­ben. Ich ha­be das ab­ge­lehnt. Ein Haus wä­re für mich Bal­last, ich bin kei­ne not­lei­den­de Schau­spie­le­rin. Der Wolf­gang hat sein ge­sam­tes Le­ben lang im­mer an­de­ren ge­hol­fen, aber nie dar­über ge­re­det.“

Ja, Wolf­gang Ra­de­mann ist ein ganz be­son­de­rer Mensch ge­we­sen. Für ihn war Lu­xus un­wich­tig, für sich selbst war er so­gar eher knau­se­rig, aber da­für gab er sein letz­tes Hemd für an­de­re: „Ich ver­lei­he kein Geld, ich ver­schen­ke es. Ich bin ein treu­er, wert­kon­ser­va­ti­ver Mensch und un­ter­stüt­ze Weg­ge­fähr­ten, die fi­nan­zi­el­le Pro­ble­me ha­ben.“Mit der Kir­che hat­te er zwar nichts am Hut, aber ge­han­delt hat er wie ein wah­rer Chris­ten­mensch. Was für ein gro­ßes Vor­bild für uns al­le. •

Ich veR­lei­he kein Geld, ich veR­schen­ke es! Wolf­gang Ra­de­mann

„Traum­schiff“-Er­fin­dEr

„Die Se­rie ha­be ich nur er­fun­den, weil ich kei­nen Win­ter­man­tel hat­te, so war ich im Win­ter weg“, sag­te er im­mer Engs­TE fREun­dE Grit Boett­cher und „Ra­die“wa­ren 56 Jah­re be­freun­det

ZiEhSohn Auch Ben­ja­min Wus­sow wird groß­zü­gig be­dacht

FaST WiE Ei­nE Fa­mi­liE Grit und ih­re Toch­ter Ni­co­le mit ih­rem „Ret­ter“

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