Frau­en wie wir

An­ke, 69, ge­winnt ei­ne Mil­li­on Eu­ro

Meins - - Inhalt - VON JA­NA PE­TRY

Et­was fern­ab des Haupt­stadt­t­ru­bels ist An­ke mit Mann Bern­hard und den zwei Stu­ben­ti­gern zu Hau­se. Seit fast 50 Jah­ren ist dort ihr „Kiez“. Freun­de, Sport­club, einst die Ar­beit – das tau­sche man nicht ein­fach ein, wel­che Über­ra­schun­gen das Le­ben auch be­reit­hal­ten mag, meint sie.

Ob die Neu-Mil­lio­nä­rin ab­ge­ho­ben ist? Der neue Reich­tum sie un­nah­bar ge­macht hat? Von we­gen! Die Ber­li­ne­rin mit dem freund­li­chen Lä­cheln be­grüßt mich mit müt­ter­li­cher Herz­lich­keit. „Mein Mann hat Bröt­chen ge­holt. Sie sind si­cher hung­rig nach Ih­rer lan­gen Rei­se.“So sit­ze ich am ge­räu­mi­gen Ess­tisch, der an die of­fe­ne Kü­che mit Koch­in­sel an­grenzt, wäh­rend An­ke Cap­puc­ci­no zau­bert und zu plau­dern be­ginnt. Sie schwärmt von ih­rem Mann: „Er ver­wöhnt mich mit sei­nen Koch­küns­ten. Ich bin ein Nu­del-Fan, da­mit be­kommt er mich im­mer.“Beich­tet mir ih­re Sam­mel­lei­den­schaft: „Fro­schFi­gu­ren.“Und er­zählt von ih­rer Lie­be zu Leucht­tür­men, de­nen sie so­gar ei­ne Home­page (www.leucht­turm-an­ke.de) wid­met. Ne­ben­bei schweift mein Blick durch den ge­müt­li­chen Wohn­be­reich des 130-Qua­drat­me­ter-Hau­ses. „Aber am al­ler­liebs­ten sit­ze ich mit Strick­zeug auf dem So­fa und schaue in den Gar­ten“, ver­rät die 69-Jäh­ri­ge.

Dass die Ber­li­ne­rin mit der kes­sen Schnau­ze vor ei­nem Jahr bei SKL auf Mallor­ca 1 Mil­li­on Eu­ro ge­wann, merkt man ihr nicht an. Bo­den­stän­dig ist sie ge­blie­ben, ihr Haus hat sie nur mi­ni­mal ver­än­dert. Ih­re Au­gen leuch­ten, als sie an das Wo­che­n­en­de zu­rück­denkt, das aus­ge­rech­net auf ih­ren 40. Hoch­zeits­tag fiel. „Die Che­mie un­se­rer Grup­pe stimm­te, ob­wohl die Jüngs­te 42 und der Äl­tes­te 87 war. Ei­ner war Pfar­rer“, er­zählt sie. „Er schlug vor, den Ge­winn zu tei­len, 10 000 Eu­ro soll­te der Sie­ger pro Per­son ab­ge­ben. Ei­ne tol­le Ges­te! Fast al­le mach­ten mit.“

Am Sams­tag ging es dann un­ter der spa­ni­schen Son­ne um die Mil­li­on. Das Glück der 20 Kan­di­da­ten lag in den Hän­den der pro­mi­nen­ten Glück­s­pa­ten Francis Fulton-Smith und Lil­ly Be­cker.

Das Bes­te? En­kel ver­wöh­nen – und dass wir mehr rei­sen kön­nen!

Run­de für Run­de schied in den Spie­len wer aus. „Die Stim­mung trüb­te das nicht, kei­ner war nei­disch. Die an­de­ren fie­ber­ten so­gar mit. Das lag wohl auch dar­an, dass kei­ner leer aus­ging“, schwärmt die Ber­li­ne­rin. Je­der be­kam 2000 Eu­ro, die Plät­ze fünf bis drei so­gar 10 000 Eu­ro.

„Plötz­lich wa­ren nur der An­dré und ich über. Mir woll­te es ab­so­lut nicht in den Sinn, dass ich ge­win­nen könn­te“, er­in­nert sich An­ke. Und selbst nach ei­nem Jahr liegt noch im­mer ein Stau­nen in ih­rer Stim­me. Beim Fi­na­le ging es um die un­ge­ra­den und ge­ra­den Zah­len. Klar war: Egal, wel­che Zif­fer ge­zo­gen wer­den wür­de, ei­ner wür­de ge­win­nen. „Auf ein­mal schrien al­le mei­nen Na­men. Ich war so ge­schockt! Und der An­dré tat mir leid. Da wa­ren wir bei­de so weit ge­kom­men.“Ge­dan­ken­ver­lo­ren spielt An­ke an dem Her­zan­hän­ger an ih­rem Hals. In sei­ner Mit­te: drei Aus­ru­fe­zei­chen. Sie lacht: „In all der Auf­re­gung ha­be ich mei­nem Mann das nur kurz ge­simst. Er hat mir die Ket­te nach­träg­lich zum Hoch­zeits­tag ge­schenkt.“

„ei­ne Mil­li­on ist viel Geld“,

wer­fe ich ein. Die Rent­ne­rin winkt ab. „Al­les kann man sich da­von nicht kau­fen. Au­ßer­dem ha­be ich mei­nen Ge­winn als Al­ler­ers­tes ge­teilt! Die gan­ze Mil­li­on ist al­so längst nicht mehr da.“Bei der „Rie­sen­sum­me“wur­de der be­schei­de­nen La­dy ganz an­ders: „So viel will man nicht auf sei­nem Kon­to ha­ben!“Das Geld ist an­ge­legt, mo­nat­lich lebt sie wei­ter­hin von ih­rer Ren­te. Die Ber­li­ne­rin ist sich treu ge­blie­ben, im­mer noch die net­te An­ke von ne­ben­an – mit dem Un­ter­schied, dass sie sich nun ab und an mal et­was gön­nen kann. „Ein schlech­tes Ge­wis­sen be­kom­me ich trotz­dem. Es fühlt sich ein­fach ko­misch an.“Viel­leicht liegt es auch dar­an, dass sie mit ei­nem Spar­fuchs ver­hei­ra­tet ist. „Da­mals ha­be ich zu mei­nem Mann ge­sagt, dass er jetzt nicht mehr im Bau­markt die Prei­se ver­glei­chen muss, son­dern gleich rich­tig gu­tes Holz kau­fen kann“, sagt sie schmun­zelnd. Streit um Geld ha­be es nie ge­ge­ben, die bei­den hät­ten im­mer ge­trenn­te Kon­ten ge­habt. Aber schweißt Geld nicht zu­sam­men? „Ach, wie­so denn? Das soll­te nichts an der Be­zie­hung än­dern!“, be­tont An­ke. Wenn’s nach der Päd­ago­gin geht, zählt nicht das Ver­mö­gen, son­dern das, was man da­mit tut. Gu­tes zum Bei­spiel. Seit vie­len Jah­ren en­ga­giert sich das Paar für Plan In­ter­na­tio­nal, UNICEF und den BUND. „Da ma­chen wir jetzt dop­pelt so viel! Ich un­ter­stüt­ze Kin­der, mein Mann Wild­kat­zen. Das sind Her­zens­pro­jek­te, die uns glück­lich ma­chen.“

na gut, zu­ge­ge­ben: Ab und an ist der Ge­winn schon ei­ne gro­ße er­leich­te­rung.

„Un­ser größ­ter Wunsch geht in Er­fül­lung, wir wer­den Groß­el­tern von Zwil­lin­gen! Und na­tür­lich möch­te man sei­ne En­kel ver­wöh­nen. Das kön­nen wir jetzt!“

Sie selbst ver­wöhnt sich und ih­ren Bern­hard mit Rei­sen. „Wir ver­rei­sen für un­ser Le­ben gern, das ha­ben wir schon im­mer ge­macht. Es ist ein Lu­xus, nun un­ab­hän­gi­ger zu sein. Frü­her sind wir mit dem Mo­tor­rad quer durch Ame­ri­ka ge­braust. Heu­te lie­ben wir Kreuz­fahr­ten, aber wir sind nicht der Typ für Abend­kleid und Smo­king. An Bord darf es nicht spie­ßig sein.“So an­ge­nehm das Geld aber ist, das Re­zept ei­ner gu­ten Part­ner­schaft ist ein an­de­res: „Ei­ne Ehe braucht viel Pfle­ge. Ge­mein­sa­me Zeit ist wert­voll, wir ver­nach­läs­si­gen das selbst auch zu oft. Zeit ist ein Ge­schenk, die soll­te man sich ver­su­chen zu neh­men!“

Bei so schö­nen Wor­ten hat die Ber­li­ne­rin doch si­cher auch wel­che für künf­ti­ge Ge­win­ner üb­rig? „Ge­nießt es! Seid groß­zü­gig und dank­bar für das, was euch ge­ge­ben wird!“Denn: „Geld soll­te nicht be­ein­flus­sen, wer wir sind oder wo wir hin­ge­hö­ren!“•

Geld soll­te nicht be­ein­flus­sen, wer wir sind. Und wo wir hin­ge­hö­ren

von den So­cken Dass sie die Mil­li­on wirk­lich ge­win­nen könn­te, da­mit hat An­ke nicht ge­rech­net

Grü­ner dAu­Men?

Lei­der nein! Aber An­ke liebt ih­ren Gar­ten und konn­te sich dank des Ge­winns ei­nen Gärt­ner zu Hil­fe ho­len. Die Ket­te (u.) er­in­nert sie an das SKL-Event

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