Ma­mas al­lein zu Haus

Wenn die Kin­der aus­zie­hen, än­dert sich so ei­ni­ges. Jetzt heißt’s: stark sein und erst mal tiiiiief durch­at­men!

Meins - - Kinder Aus Dem Haus -

Klar wuss­ten wir, dass der Tag kom­men wird. Doch wenn’s dann tat­säch­lich so weit ist, wir im lee­ren Kin­der­zim­mer ste­hen und uns be­wusst wird, dass nun nichts mehr so sein wird wie bis­her, füh­len wir uns mit ei­nem Mal ganz hilf­los. So ging es auch der Ham­bur­ger Jour­na­lis­tin und Au­to­rin Sil­ke Bur­mes­ter, 51. Über das, was sie in der Zeit durch­ge­macht hat, hat sie das Buch „Mut­terblues“ge­schrie­ben – und: uns an ih­ren Ge­füh­len teil­ha­ben las­sen. „Vor ei­nem Jahr ist mein Sohn Ben, 19, aus­ge­zo­gen. In ei­ne WG, zehn Mi­nu­ten Fuß­weg von un­se­rer Woh­nung ent­fernt. Nicht weit weg, aber trotz­dem: Als das En­de un­se­rer ge­mein­sa­men Zeit in Sicht war, ging es mir so rich­tig schlecht. Statt mich zu freu­en und stolz zu sein auf die­sen hüb­schen jun­gen Mann, war ich tief­trau­rig.

Ich ha­be ge­lit­ten und ge­heult.

Und konn­te den Schmerz kaum aus­hal­ten. Nie hät­te ich ge­dacht, dass mich die­ses Ge­fühl so um­haut. Das war wie Lie­bes­kum­mer. Und letzt­lich ist es das auch. Die Auf­lö­sung ei­ner Lie­bes­be­zie­hung, in der je­mand zu­rück­bleibt, der das ei­gent­lich gar nicht will. Der Ab­schied hat mich so mü­de ge­macht, dass ich ge­fühlt drei Ta­ge durch­ge­schla­fen ha­be. Im­mer an mei­ner Sei­te: mei­ne Le­bens­ge­fähr­tin. Sie war für mich da. Mit dem Aus­zug kam al­ler­dings noch ein wei­te­res Ge­fühl in mir hoch: Er­leich­te­rung. Ei­ne Last fiel plötz­lich von mir ab, und ein lei­ses Ge­fühl der Leich­tig­keit mach­te sich breit.

Es war gut, dass es vor­bei war.

Ich woll­te nicht län­ger trau­rig sein. Al­so ha­be ich mich mit Freun­din­nen ver­ab­re­det, mich in die Ar­beit ge­stürzt und aus dem Kin­der­zim­mer ein Ar­beits­zim­mer ge­macht.

Mitt­ler­wei­le ha­be ich mich dar­an ge­wöhnt. Wir se­hen uns al­le drei Wo­chen, und das ist okay. Ich sa­ge mir im­mer: Wenn er Hil­fe braucht, wird er sich schon mel­den. So wie letz­tens, als er vom Su­per­markt aus an­rief und frag­te, wel­ches Wasch­pul­ver er kau­fen soll.“

VON JARA TIEDEMANN

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