Ko­lum­ne

„Wenn die Kin­der ko­misch wer­den“

Meins - - Inhalt -

Ges­tern fühl­te ich mich jung. Rich­tig jung, so fünf­zehn oder sech­zehn Jah­re viel­leicht. Nicht beim Blick in den Spie­gel, son­dern beim Ab­hö­ren un­se­res An­ruf­be­ant­wor­ters. Un­se­re Toch­ter war auf dem Band, mehr­fach so­gar, und sie klang ziem­lich sau­er. Sie sag­te Sät­ze wie „Wo steckst du denn?“, „Ich mach’ mir echt Sor­gen!“und „Ruf mich an, so­bald du das ab­hörst. Ach, und lad end­lich mal dei­nen blö­den Ak­ku auf!“Ko­misch, ir­gend­wo hat­te ich sol­che Sprü­che schon mal ge­hört. Ach ja, es muss zu der Zeit ge­we­sen sein, als un­se­re Kin­der mit­ten in der Pu­ber­tät steck­ten. Die Sät­ze ka­men da­mals aus mei­nem ei­ge­nen Mund. Ich er­in­ne­re mich an ver­ab­re­de­te, aber nicht ein­ge­hal­te­ne Nach-Hau­se­komm-Uhr­zei­ten, an Über­nach­tun­gen bei Freun­den, de­ren El­tern dach­ten, ihr Kind wür­de bei uns schla­fen, und an ei­ne Nach­ba­rin, die un­se­ren Sohn beim Be­tre­ten ei­ner Spiel­hal­le ge­se­hen hat­te. Er war da­mals ge­ra­de sech­zehn ge­wor­den. Das vol­le Pro­gramm eben.

Den An­ru­fen mei­ner toch­ter nach zu ur­tei­len

kann man glau­ben, ich hät­te mich eben­so da­ne­ben­be­nom­men. Wä­re kurz mal nach San Fran­cis­co ge­flo­gen, oh­ne je­man­dem Be­scheid zu sa­gen. Oder hät­te hin­term Bahn­hof Pas­san­ten um Zi­ga­ret­ten an­ge­schnorrt. Nichts der­glei­chen! Mein ein­zi­ges Ver­ge­hen war, mich drei Ta­ge nicht zu mel­den. Pass­te ir­gend­wie nicht, war kei­ne bö­se Ab­sicht. Trotz­dem muss­te ich mir die Stand­pau­ke mei­nes ei­ge­nen Kin­des an­hö­ren. Als sie merk­te, dass ich da­bei ein Grin­sen un­ter­drück­te, wur­de sie noch wü­ten­der. Das tat mir leid. Na­tür­lich fin­de ich es ent­zü­ckend, wenn sie sich um mich sorgt, sie ist nur … wie soll ich sa­gen … ein biss­chen über­be­hü­tend. Mein Mann nennt sie spie­ßig. Ihm pre­digt un­se­re Toch­ter, er müs­se häu­fi­ger Sport trei­ben und mehr Ge­mü­se es­sen. Au­ßer­dem hält sie nichts von un­se­rer ge­plan­ten Trek­king­tour durch Thai­land. Viel zu ge­fähr­lich. Ob wir nicht lie­ber das Pau­schal­an­ge­bot „Wan­dern im Kalk­sand­stein­ge­bir­ge“mit­ma­chen woll­ten.

Un­ser sohn ist da et­was ent­spann­ter,

al­so be­spre­chen wir Ak­tio­nen die­ser Art lie­ber mit ihm. Aber wir wol­len die bei­den na­tür­lich nicht ge­gen­ein­an­der aus­spie­len. Au­ßer­dem fin­de ich, dass un­se­re Toch­ter sich ru­hig noch ein biss­chen Zeit da­mit las­sen kann, uns wie zwei se­ni­le Se­nio­ren zu be­han­deln, die aus dem Al­ters­heim aus­ge­büxt sind. Die Zei­ten kom­men noch früh ge­nug. Bis es so weit ist, möch­te ich zum be­vor­ste­hen­den Mut­ter­tag von ihr lie­ber un­ge­sun­de Pra­li­nen oder selbst ge­pflück­te Blu­men be­kom­men. Kei­ne Le­se­lu­pe mit Be­leuch­tung. •

Waaas, Ma­ma? Du willst in Thai­land tRek­ken? Auf gaR kei­nen Fall!

Un­se­re Ko­lUm­nis­tin Car­la Be­cker, 55, liebt schnel­le Au­tos, Kat­zen und ih­ren Mann. Und fühlt sich kei­nen Tag äl­ter als 39

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