In­ti­me Ko­lum­ne

Meins - - Inhalt - Al­les Gu­te wünscht Ih­nen Ih­re Dr. Beatrice Wa­gner

Mein Mann und ich lie­ben uns, trotz­dem hat mich der Sex mit ihm sel­ten wirk­lich be­frie­digt. Sei­ne Be­rüh­run­gen sind ein­fach zu zärt­lich, sie sti­mu­lie­ren mich nicht ge­nug. Mit den Jah­ren hat­te ich mich schon da­mit ab­ge­fun­den, dass mir Sex wohl ein­fach kei­nen Spaß macht, da las ich zu­fäl­lig ei­nen ero­ti­schen Be­richt von ei­ner Frau, die sich frei­wil­lig de­mü­ti­gen lässt. Das er­reg­te mich to­tal, und ich stell­te mir di­rekt vor, wie je­mand das mit mir macht. Mit die­ser Vor­stel­lung mas­tur­bie­re ich mitt­ler­wei­le so­gar – und ha­be im­mer we­ni­ger Lust auf mei­nen zart­füh­len­den Mann. Was soll ich tun? Sil­ke, 42

Lie­be Sil­ke,

ich kann bes­tens nach­voll­zie­hen, dass Sie ver­wirrt sind. Als Sie ent­deck­ten, dass Sie ei­ne sinn­li­che Frau sind, muss­ten Sie sich gleich­zei­tig ein­ge­ste­hen, dass es un­ge­wöhn­li­che Din­ge sind, die Sie er­re­gen. Din­ge, die mög­li­cher­wei­se mit Ih­rem bis­he­ri­gen Welt­bild kol­li­die­ren. Denn wäh­rend in un­se­rer Ge­sell­schaft Frau­en und Män­ner ein­an­der eben­bür­tig sind, träu­men Sie von Si­tua­tio­nen, in de­nen Sie von ei­nem Mann un­ter­wor­fen wer­den. Die Welt, in der die­se Sex-Va­ri­an­te aus­ge­lebt wird, nennt sich BDSM. Die Buch­sta­ben des Kür­zels be­deu­ten: Bon­da­ge & Di­sci­pli­ne, Do­mi­nan­ce & Sub­mis­si­on, Sa­dism & Ma­so­chism. Da­hin­ter ste­hen al­le Ar­ten von Fes­sel­spie­len, Be­herr­schung, Un­ter­wer­fung, Schmer­zen zu­fü­gen und sie er­dul­den. Ei­ne Frau er­zähl­te mir ein­mal, ihr Ein­tritt in die BDSM-Sze­ne hät­te dar­in be­stan­den, dass sie frei­wil­lig zu ei­nem frem­den Mann ins Au­to ge­stie­gen sei, der ihr sei­nen stei­fen Pe­nis ent­ge­gen­streck­te. Sie hat­te sich über ihn ge­beugt, hin­ter­her aber ekel­te sie sich und brauch­te ein Pfef­fer­minz­kau­gum­mi. Doch kaum war sie zu Hau­se, war ihr klar: Das ist es! Es ge­fällt ihr, wenn im se­xu­el­len Be­reich je­mand über sie be­stimmt. Das und nur das löst bei ihr Er­re­gung und Or­gas­men aus.

Ih­nen scheint es ähn­lich zu ge­hen. Doch ich hö­re aus Ih­ren Wor­ten die Fra­ge: „Darf ich das?“Denn an­sons­ten hät­ten Sie schon längst Ih­rem Mann von Ih­rer Ent­de­ckung be­rich­tet. Aber Sie hal­ten sich mit Ih­rer Of­fen­ba­rung zu­rück, wahr­schein­lich aus Angst, er wür­de Sie wo­mög­lich ab­leh­nen.

Schau­en wir uns zu­nächst ein­mal an, was hin­ter BDSM steckt. Es ge­hö­ren im­mer zwei Ge­gen­spie­ler da­zu: Der ei­ne herrscht, der an­de­re ge­horcht. Dies geht oft­mals mit dem Zu­fü­gen von Schmer­zen ein­her. Al­ler­dings muss das nicht sein, wie das Bei­spiel mit dem Au­to ge­zeigt hat. Ei­ne an­de­re sehr üb­li­che Art der psy­chi­schen Do­mi­nanz ist die Or­gas­mus­kon­trol­le: Der do­mi­nan­te Part­ner – kurz Dom – kann den sich un­ter­wer­fen­den Part­ner – kurz Sub – bis kurz da­vor stark er­re­gen und ihm dann be­feh­len, auf kei­nen Fall zum Or­gas­mus zu kom­men. Viel­leicht fra­gen Sie sich, war­um Sie auf so et­was ste­hen? Ich ha­be die Er­fah­rung ge­macht, dass meist ein Er­eig­nis aus der Kind­heit da­hin­ter­steckt. Wer ei­ne schmerz­haf­te, de­mü­ti­gen­de Kind­heit hat­te, kommt da­mit manch­mal bes­ser klar, in­dem er die Sze­nen von da­mals heu­te er­neut durch­lebt, al­ler­dings mit ei­nem ent­schei­den­den Un­ter­schied: Dies­mal lässt man sich frei­wil­lig und mit Stolz auf die Hand­lun­gen ein, wäh­rend man da­mals da­zu ge­zwun­gen wur­de. Die­ser Un­ter­schied scheint ei­nen hei­len­den Ef­fekt zu be­wir­ken.

Wie aber ge­hen Sie künf­tig mit Ih­rer Nei­gung um? Re­den Sie so schnell wie mög­lich mit Ih­rem Part­ner dar­über, da­mit Sie ge­mein­sam ei­ne Lö­sung fin­den. Er­klä­ren Sie sich ihm so of­fen, wie es geht, nur dann kann er Sie ver­ste­hen. Viel­leicht ist es ihm mög­lich, aus Lie­be zu Ih­nen spie­le­risch ei­ne psy­chi­sche Do­mi­nanz aus­zu­üben? Viel­leicht fin­det er selbst Ge­fal­len dar­an? Wich­tig ist es, hin­ter­her auf je­den Fall das Spiel auf­zu­lö­sen und sich wie­der „auf Au­gen­hö­he“zu be­geg­nen.

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