Seit ich mein Ge­wicht an mei­neR Je­ans mes­se, geht’s miR su­peR!

Meins - - Mein Leben -

Die längs­te Zeit mei­nes Le­bens ge­hör­te ich zu den Frau­en, die ihr Selbst­be­wusst­sein ganz we­sent­lich über den Aus­schlag der Waa­ge de­fi­nie­ren. Im­mer­fort schau­te ich, dass ich in den 50erKi­los blieb. Ich ha­be wirk­lich viel ge­ge­ben – und noch mehr ge­las­sen –, um mei­nen Kör­per in Best­form zu brin­gen. Das fing schon in der Schul­zeit an. Das Ma­ger­mo­del Twig­gy war mein Ide­al, ein an­dro­gy­ner Kör­per mein Traum. Ich ha­be mich täg­lich ge­wo­gen, auch mehr­mals, und Sport ge­macht wie ei­ne Ir­re. Hat­te ich ein Ki­lo mehr drauf, war das der Welt­un­ter­gang. Ir­gend­wann ha­be ich dann ein­ge­se­hen, dass mein Kör­per we­der mein Traum­ge­wicht noch mei­ne Traum­ma­ße je er­rei­chen wür­de. Das In­ter­es­san­te ist, dass ich mir die­sen Druck im­mer nur selbst ge­macht ha­be. Ich war be­liebt, ich muss­te nicht an mir zwei­feln, die Jungs und spä­ter die Män­ner flo­gen auf mich. Trotz­dem war mein Selbst­be­wusst­sein vom Zei­ger der Waa­ge ab­hän­gig. Heu­te wie­ge ich mich sel­ten – ei­gent­lich nur, wenn ich das Ge­fühl ha­be, deut­lich zu- oder ab­ge­nom­men zu ha­ben. Aber ob­wohl ich kopf­mä­ßig viel ge­las­se­ner mit mei­nem Ge­wicht um­ge­he, stel­le ich doch je­des Mal fest, dass die Mecha­nis­men aus al­ten Zei­ten nicht ganz weg sind. Zeigt die Waa­ge mehr, als ich dach­te, spü­re ich leich­ten Frust, bin ich leich­ter, als ich dach­te, kit­zelt mich ein klei­ner Ju­bel. IR­RE! Ich ach­te dar­auf, dass ich mich ge­sund er­näh­re, al­lein schon, um fit zu blei­ben. Da­mit ha­be ich mich aus­führ­lich be­schäf­tigt, so­gar ei­nen Volks­hoch­schul­kurs ge­macht. In­zwi­schen bin ich al­ler­dings nicht mehr be­reit, auf al­les zu ver­zich­ten. Ich gön­ne mir je­de Wo­che ei­nen fet­ten Schlem­mer­tag, was meist gar nichts aus­macht. Ist das nicht ver­rückt? Und wenn ich das Ge­fühl ha­be, die Je­ans sitzt et­was en­ger, gibt es eben FDH. Und ich ma­che vier­mal die Wo­che Sport. Das schaf­fe ich aber auch erst, seit ich in Teil­ren­te bin. Ins­ge­samt füh­le ich mich sehr wohl mit mir. Wenn ich mich im Spie­gel se­he, den­ke ich: Ja, du ge­fällst mir! Ka­trin, 64

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