Gibt’s was zu fei­eR n? Ich bin da­bei!

Meins - - Mein Leben -

A ls Kind und Te­enager fand ich Fa­mi­li­en­fes­te grau­en­voll! Weil al­le so an­ge­spannt wa­ren. Mei­ne Mut­ter hat­te Sor­ge, ob al­les ge­lingt, selbst wenn sie selbst gar nicht die Ver­an­stal­te­rin war. Meis­tens fan­den grö­ße­re Fei­ern in alt­be­währ­ten Re­stau­rants statt. Ih­re größ­te Sor­ge aber war, dass wir Kin­der gut aus­se­hen und uns vor­bild­lich be­nah­men. Nicht gut, nein, am bes­ten von al­len! In un­se­rer Ver­wandt­schaft hat im­mer gern je­der vor­ge­führt, was er hat und was die Kin­der kön­nen. Mei­ne Cou­si­ne und ich muss­ten uns ans Kla­vier set­zen und hat­ten je­des Mal das Ge­fühl, vor ei­ner Prü­fung zu ste­hen. Die at­mo­sphä­re auf un­se­ren Fa­mi­li­en­fes­ten war ver­knif­fen, auch weil vie­le un­ge­lös­te Kon­flik­te und Ei­fer­süch­te­lei­en im Raum schwel­ten. Trotz­dem ha­ben al­le auf trau­te Ein­tracht ge­macht, weil Amü­sie­ren ja Pflicht war. Ich fin­de, Kon­flik­te soll­te man aus­dis­ku­tie­ren. Na­tür­lich nicht ge­ra­de auf ei­nem Fest.

Erst als ich mei­ne Schwie­ger­el­tern ken­nen­lern­te, ha­be ich ver­stan­den, wie schön Fa­mi­lie (al­so auch die wei­te­re Ver­wandt­schaft) und Fei­ern ei­gent­lich sein kön­nen. Mei­ne Schwie­ger­mut­ter war ein rich­ti­ges Fa­mi­li­en­tier – und ich ver­mis­se sie sehr. Sie war so lo­cker, le­bens­lus­tig und hat die Fes­te ge­fei­ert, wie sie fal­len, nicht nur Weih­nach­ten, Os­tern, Ge­burts­ta­ge oder Ju­bi­lä­en: Wenn sie das Ge­fühl hat­te, es ge­be was zu fei­ern, wur­de ein­ge­la­den. Mal ei­ne klei­ne Run­de, mal al­le, die Zeit und Lust hat­ten. Und im Ge­gen­satz zu mei­ner Mut­ter stand sie ver­gnügt zwei Ta­ge in der Kü­che, hat ge­ba­cken und ge­kocht. Auf die­sen Fes­ten, die meis­tens in ih­rem gro­ßen Haus und im Som­mer im Gar­ten statt­fan­den, wur­de viel ge­tanzt, ge­lacht und er­zählt. Mein Mann und ich ha­ben das Haus spä­ter über­nom­men – und auch die Tra­di­ti­on die­ser fröh­li­chen Fa­mi­li­en­fes­te. Und als mir neu­lich mei­ne En­ke­lin sag­te, dass sie ih­re Abi­fei­er mit Ver­wand­ten und al­len Freun­den am liebs­ten bei mir ma­chen wür­de, ha­be ich mich rie­sig ge­freut! Und war auch ein klei­nes biss­chen stolz. Gu­drun, 64

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