Auf­re­ger des Mo­nats

„Psssssst! Wir sind hier im Ki­no, nicht auf dem Bahn­hof!“

Meins - - Inhalt -

Letz­tens im Ki­no. Al­so, ich set­ze mich hin, schla­ge mei­nen Man­tel über den Platz ne­ben mir und öff­ne ganz lang­sam mei­ne Spru­del­fla­sche, da­mit es nicht so zischt. Der Vor­spann läuft näm­lich schon, ich sin­ke woh­lig in mei­nen Sitz. Da stupst die Da­me in der Rei­he vor mir ih­ren Mann an und be­ginnt in al­ler Ru­he in Zim­mer­laut­stär­ke zu plau­dern. „Schau mal, ach, wie toll!“, sagt sie, und setzt nach: „Siehs­te das?“Zu­erst den­ke ich: „Okay, ihr Mann hat ja auch Au­gen, und gleich wird sie ja still sein, schließ­lich sind wir im Ki­no.“ ÄHHH, neeee, das sieht die Plau­der­ta­sche völ­lig an­ders – die ist so sehr in den Film ge­kro­chen, dass sie ir­gend­wie meint, die Er­klä­re­rin für ih­ren Be­glei­ter spie­len zu müs­sen – und wir Glück­li­chen dür­fen teil­ha­ben …

Jetzt will man ja nicht di­rekt zur Fu­rie wer­den und „RUHEEE!“zi­schen – al­so hal­te ich mei­nen Schna­bel!

Zum Dank er­klärt Frau Dr. Quat­schlie­se ih­rem sto­isch ge­ra­de­aus gu­cken­den Mann ex­akt 92 Mi­nu­ten völ­lig un­be­hel­ligt, was sie sieht und was sie denkt. Ich wür­de ihr so­oo gern den Mund ver­kor­ken und bin zu­tiefst ir­ri­tiert, dass sich au­ßer mir – zu­min­dest nicht merk­bar – ir­gend­wer an die­sem Krach stört. Es könn­te dar­an lie­gen, dass der Typ wei­ter links von mir hoch kon­zen­triert auf sein hell leuch­ten­des Smart­pho­ne starrt. Und, kann das sein? Se­he ich da et­wa in sei­nem rech­ten Ohr ei­nen her­um­bau­meln­den Kopf­hö­rer? Ich fas­se es nicht!

Die Freun­din­nen-Gang hin­ter mir be­kommt von all­dem nichts mit. Das ki­chern­de Quar­tett he­chelt näm­lich ge­ra­de durch, war­um Schau­spie­le­rin­nen al­le so dünn sind. „Weil die Ka­me­ra ei­ne blö­de Kuh ist, die al­les in die Brei­te zerrt!“, möch­te ich ru­fen, und „SCHHHHTTTTTTTT!“nach­set­zen. Aber das hät­te die nicht ge­stoppt, da bin ich ge­wiss, und neh­me er­schöpft ei­nen Schluck aus mei­ner Was­ser­pul­le. Man soll ja re­gel­mä­ßig trin­ken. Dass der Mensch von heu­te aber kei­nes­falls 90 Mi­nu­ten oh­ne Es­sen durch­hal­ten kann, ist mir neu. Da­bei ist das Er­näh­rungs­the­ma um mich her­um all­zu prä­sent. Es wer­den Bier­fla­schen – plopp! – ge­öff­net, glu­ckernd Co­la ge­zischt und an­schlie­ßend un­ge­niert ein „Bäu­er­chen“ge­macht. Wer’s noch lus­ti­ger mag – ach, was soll’s – stößt klir­rend mit Pro­sec­co an. Und weil der mo­der­ne Ki­no­gän­ger grund­sätz­lich mit Ver­dun­ke­lung des Saals zu un­ter­zu­ckern droht, gibt es vor der Tür 12 Me­ter lan­ge The­ken mit Pop­corn in 5-Li­ter-Tü­ten, Ta­cos mit stin­ken­der Kä­se­so­ße und Chips der Mar­ke „ex­tralaut“. Ir­gend­wie kommt’s mir vor, als sei ich die ein­zig Nor­ma­le hier.

Wie sehr seh­ne ich mich nach Stil­le und Acht­sam­keit!

Aber das hier ist wirk­lich gro­ßes Ki­no: Wer ge­ra­de nicht schwätzt, schmatzt oder Tü­ten schüt­telt, tut was für sei­ne Be­we­gung. Laut Auf­rich­ten und herz­haft stöh­nen, weil der Rü­cken schmerzt, ist das Min­des­te. Gern wird auch aus­la­dend ge­gähnt, oh­ne Hand vor dem Mund ver­steht sich, denn die steckt ja in der Chip­stü­te. Ist der Beu­tel leer, wird er laut knis­ternd zu­sam­men­ge­drückt und auf den Bo­den ge­schmis­sen. Tja, was jetzt? Ach, auf die Toi­let­te ge­hen wä­re gut. Schon läuft der Schat­ten los, und al­le müs­sen ih­re Bei­ne an­zie­hen. Hier und da pol­tert ein „AUAA!“oder „Idi­ot!“durch den Saal, weil sich je­mand auf die Fü­ße ge­tre­ten fühlt. Wie ich! Und – RUMMS – schlägt wie­der die Tür … •

Jetzt ma­chen wiR’s uns ! ge­müt­lich stöRt doch kei­nen, odeR ?

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