Ko­lum­ne

„Ei­ne Lie­be, zwei Schlaf­zim­mer“

Meins - - Inhalt -

Als ich jün­ger war, war schla­fen für mich ei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit. Ich hab’ dar­über ge­nau­so we­nig nach­ge­dacht wie übers At­men oder Blin­zeln. Es pas­sier­te ein­fach, egal, ob ich in mei­nem Bett, im Bett von je­mand an­de­rem oder in ei­nem wind­schie­fen Zelt bei vier Grad plus und Dau­er­re­gen lag. Jah­re­lang teil­ten mein Mann und ich uns ei­ne 1,40er-Ma­trat­ze und hat­ten links und rechts so­gar noch Platz, weil wir am liebs­ten in der Löf­fel­chen-Stel­lung ku­schel­ten. Dann ka­men die Kin­der und mit ih­nen ein Phä­no­men, das Me­di­zi­ner als Am­men­schlaf be­zeich­nen. Die kleins­te Be­we­gung, der ge­rings­te Laut und so­gar Ge­rü­che rei­chen aus, um die Mut­ter zu we­cken, da­mit sie sich um ihr Kind küm­mern kann. Gut fürs Ba­by, läs­tig für die Mut­ter, die meist noch Jah­re nach dem Aus­zug ih­rer Spröss­lin­ge senk­recht im Bett steht, wenn ihr Part­ner schnarcht, sich her­um­wälzt oder nachts Aus­flü­ge un­ter­nimmt.

Mein Mann hielt es im­mer für ei­nen ku­rio­sen Zu­fall, dass ich aus­ge­rech­net dann auf­wach­te, wenn er ge­ra­de auf dem Weg ins Bad oder in die Kü­che war, bis ich ihm ei­nes Tages er­klär­te, dass ich die Tren­nung woll­te. Nur zum Schla­fen, ver­steht sich. Er war trotz­dem pi­kiert. Genau wie un­se­re Kin­der und die Hälf­te un­se­res Freun­des­krei­ses. Die an­de­re Hälf­te hat­te volls­tes Ver­ständ­nis, weil sie schon Jah­re Vor­sprung hat­ten. Um­fra­gen zu­fol­ge schla­fen 30 bis 40 Pro­zent al­ler Paa­re welt­weit in ge­trenn­ten Bet­ten, Ten­denz stei­gend. Wer es sich leis­ten kann, lässt sich so­gar sei­nen Neu­bau gleich mit zwei Schlaf­zim­mern pla­nen. Im Fal­le emo­tio­na­ler Be­dürf­tig­keit schleicht man sich schnell und lus­tig in die Ge­mä­cher des an­de­ren. So hiel­ten es die Ade­li­gen an den Hö­fen frü­her schon.

Beim ein­zug in mein neu­es schlaf­zim­mer ver­zich­te­te ich trotz­dem auf kö­nig­li­chen Prunk! Statt ei­nes Him­mel­betts wähl­te ich ein schi­ckes Box­spring­bett, das fand ich schon im­mer toll! Mit mei­nem ei­ge­nen Bett war auch der Zoff über die Wahl der Bett­wä­sche vor­bei: Mein Mann darf jetzt un­ge­stört sei­ne ge­lieb­ten Frot­tee-La­ken auf­zie­hen, auf de­nen ich mir vor­kom­me, als wür­de ich auf krat­zi­gen Hand­tü­chern lie­gen. Ich win­ke von ne­ben­an aus mei­ner neu­en Lei­nen­bett­wä­sche, von der mein Mann be­haup­tet, es wä­re ei­ne Re­qui­si­te aus ei­nem Mit­tel­al­ter-Film. Da kann ich nur in mein Din­kel­kis­sen la­chen – oh­ne dass ei­ner ne­ben mir nör­gelt: „Hier riecht es, als wür­de ich ne­ben ei­nem Brot schla­fen.“In­zwi­schen sind wir BEI­DE glück­lich mit un­se­rer neu­en Re­ge­lung. Sor­ge macht mir nur, dass mein Mann meint, in mei­nem Bett wür­de er schla­fen wie ein Ba­by. Aus sei­nen ge­le­gent­li­chen Be­su­chen ist schon fast ein Dau­er­auf­ent­halt ge­wor­den, und das be­kann­te Am­men­schlaf-Pro­blem ist auch wie­der da! Ich schät­ze, wir müs­sen re­den. Mor­gen viel­leicht, wenn wir bei­de aus­ge­schla­fen sind … •

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