Nichts macht so fit und glück­lich wie See­luft

Meins - - Mein Leben -

Ab Ju­ni le­be ich am Strand. Und das ist so, seit ich den­ken kann. Aber nicht nur aus Lust und Lau­ne: Mei­ne El­tern hat­ten ei­ne Strand­korb­ver­mie­tung, ich ha­be sie über­nom­men. Vie­le fin­den es be­nei­dens­wert, wenn man den gan­zen Som­mer am Strand ver­brin­gen kann – und ir­gend­wie ist es das ja auch. Denn See­luft macht glück­lich, wir an der Küs­te ge­hen ein­fach ent­spann­ter mit dem Le­ben um. Aber für mich war es auch Ar­beit und fast ei­ne Exis­tenz­fra­ge, auch wenn mein Mann noch sei­nen Be­ruf hat­te. Ist der Som­mer schlecht, lau­fen auch die Ge­schäf­te schlecht. Und man hat we­nig Lust, in der klei­nen Bu­de zu ho­cken, wenn’s reg­net. An­de­rer­seits ist es toll, ab Ok­to­ber dann vie­le Mo­na­te frei zu ha­ben. Und es war schön, wenn Jahr für Jahr die Stamm­gäs­te zu­rück­kehr­ten und sich manch­mal so­gar Freund­schaf­ten ent­wi­ckel­ten. Ich ha­be vie­le Gäs­te­kin­der groß wer­den se­hen. Und die kom­men jetzt mit ih­ren ei­ge­nen Kin­dern wie­der her. Und auch für mich als Mut­ter hat­te die Ver­mie­tung Vor­tei­le: Mei­ne Kin­der konn­ten je­der­zeit zu mir kom­men. Nach der Schu­le ha­ben sie hier ih­re Haus­auf­ga­ben ge­macht und ge­ges­sen. Am liebs­ten na­tür­lich al­les, was die Pom­mes­bu­de an der Pro­me­na­de her­gab. Aber ich ha­be meis­tens schon früh­mor­gens das Es­sen vor­be­rei­tet. Abends bin ich dann oft noch mit mei­nem Mann aufs Meer ge­ru­dert oder ge­se­gelt; ja, das wa­ren schon wun­der­ba­re Jah­re! Lan­ge hat­te ich be­fürch­tet, mei­ne Strand­kör­be ver­kau­fen zu müs­sen. Aber: „Mei­nen Strand“in frem­de Hän­de ge­ben zu müs­sen – nicht aus­zu­den­ken! Mei­ne Kin­der hat­ten gar kei­ne Lust, „in die­sem Kaff “fest­zu­sit­zen, die woll­ten in die Stadt und in die Welt. Mei­ne Toch­ter hat es sich dann doch an­ders über­legt und ist mit ih­rem Sohn zu uns ge­zo­gen, als sie ge­schie­den war. Das Haus ist groß ge­nug, frü­her ha­ben wir ja Fe­ri­en­woh­nun­gen ver­mie­tet. Und jetzt macht sie im Som­mer die Kör­be. Ach, es ist so schön, we­nigs­tens ein Kind wie­der hier zu ha­ben! Ich sprin­ge na­tür­lich auch mal ein, denn so ein Ge­schäft funk­tio­niert ei­gent­lich nur, wenn die

gan­ze Fa­mi­lie hilft. Noch re­pa­riert mein Mann die Kör­be im Herbst, so­lan­ge es sich um Klei­nig­kei­ten han­delt. Ich fra­ge mich manch­mal, wer das macht, wenn er es nicht mehr kann. Aber: Kommt Zeit, kommt Rat. War­um soll ich mir jetzt schon den Kopf dar­über zer­bre­chen? Hil­trud, 72

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