Auf­re­ger des Mo­nats

Ko­lum­nis­tin An­gi Brink­mann, 50, kennt sich nicht mehr aus: Die Be­zeich­nung „Se­kre­tä­rin“ist jetzt un­kor­rekt, und al­le sind „As­sis­ten­ten“

Meins - - Inhalt -

„Hä? Und was ma­chen Sie so be­ruf­lich?“

Se­kre­tä­rin? Ach, wie edel klingt das! Man hat di­rekt ein Bild vor Au­gen: ei­ne schö­ne, tüch­ti­ge Frau im schi­cken Rock, ra­send schnell tip­pend, ge­pflegt, die Bril­le prü­fen­den Bli­ckes auf der fei­nen Na­se. Mein Va­ter hat­te ei­ne, die flöß­te mir als Kind mäch­tig Re­spekt ein. An ihr kam auch kei­ner vor­bei, sie hat­te die Macht und war ins­be­son­de­re un­ver­zicht­bar. Oder Ja­mes Bond und sei­ne ganz wun­der­ba­re Mo­ney­pen­ny in der Schalt­zen­tra­le des Ge­heim­diens­tes. Vor die­ser Frau heg­te se­xy 007 den al­ler­größ­ten Re­spekt. Recht so! Und heu­te? Wer Se­kre­tä­rin sagt, klingt wie ein Skla­ven­trei­ber. Wie be­scheu­ert ist DAS denn? Weg sind sie, die schö­nen Bil­der, die wir mit der Be­rufs­be­zeich­nung ver­bin­den. Statt ge­pfleg­tem und mäch­ti­gem Style se­he ich jun­ge Frau­en in be­scheu­er­ten Lö­cher­jeans vor mei­nem geis­ti­gen Au­ge, die ein­sei­ti­ge Kopf­hö­rer am Ohr klem­men ha­ben und ganz­tä­gig hin­ter ih­ren Com­pu­tern ver­sau­ern – und sich al­le­samt „As­si“nen­nen! Ja, Sie ha­ben rich­tig ge­le­sen: AS­SI! Heu­te ha­ben al­le As­sis­ten­ten, sind As­sis­ten­ten, ru­fen ih­ren As­sis­ten­ten und kür­zen sich und die Ih­ri­gen un­ter­ein­an­der mit „As­si“ab. Ich fin­de das as­si, ganz ehr­lich, und fra­ge mich ver­zwei­felt, wer sich die­se DoofBe­zeich­nung aus­ge­dacht hat. Bei was as­sis­tie­ren die­se Men­schen denn?

Ei­ne Da­me, die in ei­nem Se­kre­ta­ri­at – DAS dür­fen wir üb­ri­gens noch un­ge­straft sa­gen – ar­bei­tet, as­sis­tiert doch nicht wirk­lich. Neh­men wir ei­ne kauf­män­ni­sche As­sis­ten­tin zum Bei­spiel: Sie hält die Zü­gel in der Hand, be­hält den Über­blick über ei­nen Un­ter­neh­mens­be­reich und hat ei­ne sehr wich­ti­ge Schlüs­sel­funk­ti­on in­ne. Der Punkt ist doch: Was ei­ne As­sis­ten­tin macht, kann ihr

Chef gar nicht! Der Chef ist zwar ganz wort­ge­treu der­je­ni­ge, dem sie zur Hand geht, eben as­sis­tiert, aber ihr Auf­ga­ben­be­reich ist doch rein gar nicht der glei­che. Die klas­si­sche Vor­zim­mer­da­me heißt ja nicht um­sonst so. Die­se Da­me herrscht – im bes­ten Sin­ne – VOR! Sie führt den Chef-Ka­len­der, plant Rei­sen, or­ga­ni­siert Ver­an­stal­tun­gen, stellt Mee­tings zu­sam­men und vie­les, vie­les mehr. In Wahr­heit hat SIE die Zü­gel in der Hand, der Chef hin­ter der ge­pols­ter­ten Tü­re denkt nur, dass sie IHM as­sis­tiert. Er­go ist „As­sis­ten­tin“schlicht­weg ir­re­füh­rend! Was heu­te als Be­rufs­be­zeich­nung ganz mo­dern da­her­kom­men soll, ist her­ab­wür­di­gend! Ge­gen die­sen Vor­wurf ha­ben sich die fin­di­gen Wirt­schaft­ler mitt­ler­wei­le na­tür­lich ge­wapp­net – und be­zeich­nen Haus­meis­ter, Fens­ter­put­zer und Se­kre­tä­rin­nen al­le als „Ma­nage­ment As­sis­tant“. Das kann doch kei­ner ernst neh­men! Wisst ihr üb­ri­gens, was der Be­griff „Se­kre­tä­rin“im Mit­tel­al­ter einst be­deu­te­te? „Ge­heim­schrei­ber“! Na al­so, wenn DAS mal nicht mäch­tig klingt … • Schreibt mir, was euch auf­regt. Ich freue mich auf eu­re E-Mails! re­dak­ti­on-meins@bau­er­me­dia.com

Haus­meis­teR , Fens­te put­zeR , R Kan­ti­nen­kRaft – al­le As­sis?

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