In­ti­me Ko­lum­ne

Meins - - Inhalt - Viel Er­folg wünscht Ih­nen Ih­re Dr. Beatrice Wa­gner

Mein Mann Rolf, 50, und ich ken­nen uns seit ei­ner ge­fühl­ten Ewig­keit. Er ist fünf Jah­re jün­ger als ich. Als wir uns ken­nen­lern­ten, war er noch Jungfrau, ich hat­te be­reits se­xu­el­le Er­fah­rung. Al­ler­dings war es ge­ra­de sei­ne Un­er­fah­ren­heit, die mich rühr­te. Bis heu­te ist er lieb und um­sich­tig mit mir, im All­tag wie im Bett. Doch da macht es mich nicht mehr an. Ich wün­sche so sehr, dass er beim Sex drauf­gän­ge­ri­scher wird. Seit ei­ni­gen Jah­ren sa­ge ich ihm auch di­rekt, was er bes­ser ma­chen könn­te. Doch es än­dert sich nichts, im Ge­gen­teil, er wird dann noch un­si­che­rer. Ha­ben Sie ei­ne Idee, was ich noch tun kann? Katharina, 55

Lie­be Katharina,

Ih­re Lie­be zu Ih­rem Mann muss wirk­lich groß sein, wenn Sie be­reits „ei­ne ge­fühl­te Ewig­keit“schlech­ten Sex er­tra­gen. Und es wun­dert mich nicht, dass der Sex nicht gut ist. Zwi­schen Ih­nen bei­den herrsch­te ja von An­fang an ein Un­gleich­ge­wicht. Er war un­er­fah­ren, als Sie sich ken­nen­ge­lernt ha­ben, und wird in Ih­nen sei­ne Lehr­meis­te­rin ge­se­hen ha­ben – da­bei ist es of­fen­bar ge­blie­ben. Hin­zu kommt der Al­ters­un­ter­schied, wo­bei fünf Jah­re in der Ju­gend mehr zäh­len als im Er­wach­se­nen­al­ter. Zwi­schen ei­nem 20-jäh­ri­gen Mann und ei­ner 25-jäh­ri­gen Frau be­steht ein grö­ße­rer Un­ter­schied in Rei­fe und Le­bens­er­fah­rung als 10 oder 20 Jah­re spä­ter. Frau­en sind so­wie­so frü­her reif als Män­ner. Ich kann nur ver­mu­ten, dass Sie da­mals schon re­la­tiv ge­fes­tigt in die Be­zie­hung ge­gan­gen sind, wäh­rend Rolf sei­ne Sturm-und-Drang-Pha­se noch gar nicht aus­ge­lebt hat­te. Das macht sich in sei­nem se­xu­el­len Selbst­be­wusst­sein bis heu­te be­merk­bar.

An­fangs ist es rüh­rend und spä­ter ner­vig, wenn ein Mann toll­pat­schig und un­kun­dig den Kör­per ei­ner Frau be­rührt. Es ist ein ur­al­tes evo­lu­tio­nä­res Er­be, dass Frau­en beim Sex auf Män­ner ste­hen, die wis­sen, was sie wol­len, und das un­ver­hoh­len zei­gen. Die sich nicht im­mer ab­si­chern, ob sie al­les rich­tig ma­chen. Die ei­ne Frau „mit den Bli­cken aus­zie­hen“, wenn sie Lust auf sie ha­ben, die ihr „das Ba­de­tuch von den Hüf­ten rei­ßen“, wenn sie von der Du­sche kommt. Und die mit tie­fer Stim­me be­feh­len: „Dreh dich rum, ich will dich von hin­ten neh­men.“Al­les Ori­gi­nal­zi­ta­te von un­glück­li­chen Frau­en in mei­ner Pra­xis, die zwar mit ih­rem lie­ben, hilfs­be­rei­ten Ehe­mann hoch­zu­frie­den sind, doch sich beim Sex „ei­nen rich­ti­gen Mann“wün­schen. Doch wie soll ein Mann wis­sen, wann er hilfs­be­reit den Müll raus­tra­gen und wann er ma­cho­mä­ßig ei­ne Frau „neh­men“soll?

Ich wür­de Ih­nen vor­schla­gen, ihm ein Rol­len­spiel vor­zu­tra­gen. Ich be­zeich­ne das gern als ISS – als „in­di­vi­du­el­les se­xu­el­les Sze­na­rio“. Be­schrei­ben Sie ihm an­schau­lich, wie Sie sich gu­ten Sex vor­stel­len und was al­les da­zu­ge­hört. Viel­leicht ent­geg­nen Sie mir jetzt: „Aber das ha­be ich doch ge­tan, ich sa­ge ihm doch, was ich möch­te!“Ja schon, aber: Sie sa­gen es ihm im fal­schen Mo­ment! Wenn Ihr Mann mit Ih­nen Sex hat, ist er in ei­nem emo­tio­na­len Zu­stand. Dann kommt eher sei­ne weib­li­che Sei­te zum Vor­schein, er fühlt sich dem­ent­spre­chend schwach und an­greif­bar. Wenn Sie ihm dann auch noch sa­gen, was er al­les bes­ser ma­chen könn­te, nimmt er sich das be­son­ders zu Her­zen und wird noch un­si­che­rer.

Bes­ser ist es, wenn Sie au­ßer­halb des Bet­tes über Sex re­den. Und hier gibt es zwei Din­ge zu be­ach­ten: Sa­gen Sie ihm, wel­che Hin­der­nis­se sich auf dem Weg zum gu­ten Sex be­fin­den. Und zei­gen Sie ihm We­ge zu neu­en auf­re­gen­den Be­rei­chen, die Sie zu­sam­men noch nicht er­forscht ha­ben. Da­bei hilft das ISS. Stel­len Sie sich vor, Sie wür­den ei­nen Film dre­hen und Ih­re ei­ge­ne Haupt­per­son spie­len. Wie soll­te sich der Mann ver­hal­ten, da­mit Sie es er­re­gend fin­den?

Ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit se­he ich dar­in, dass Sie die „Fort­bil­dung“aus­la­gern und Ihr Mann ei­nen Flirt­kurs be­legt. Da wird ihm das nö­ti­ge männ­li­che Selbst­be­wusst­sein ver­mit­telt, das er be­nö­tigt, um ei­ne Frau an­zu­spre­chen. Denn ge­nau das fehlt Ih­rem Rolf ja. •

Je jün­ger man ist, des­to mehr zäh­len Al­ters­un­ter­schie­de

Dr. BEatrIcE Wa­gnEr, 52 Die Paar- und Se­xu­althe­ra­peu­tin mit Pra­xis in Mün­chen be­ant­wor­tet gern Ih­re in­ti­men Fra­gen. Schrei­ben Sie ver­trau­ens­voll an: re­dak­ti­on-meins@bau­er­me­dia.com

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