Su­san­ne Uh­len:

„Das ist mein neu­es Le­ben!“

Meins - - Inhalt - VON ANGI BRINKMANN

Es sind im­mer schon ih­re gro­ßen, tief­brau­nen Au­gen, die uns in den Bann zie­hen. Die­ser hell­wa­che Blick, so weich und warm­her­zig, ein biss­chen auch weh­mü­tig und in sei­ner In­ten­si­tät im­mer fas­zi­nie­rend. Die­se Su­san­ne Uh­len, 62, ist uns ganz nah. In so vie­len Rol­len ken­nen wir sie, ist sie uns ver­traut wie ei­ne al­te Schul­freun­din. Sie gibt die stö­ckeln­de Di­va, die be­tu­li­che Mut­ti, die lus­ti­ge Nach­ba­rin, die flir­ten­de Schö­ne – und lässt uns im­mer ganz nah ran. Wir schau­en durch ih­re Re­hau­gen di­rekt in ihr Herz. Ih­re Fein­sin­nig­keit beim Spie­len fes­selt uns seit Jahr­zehn­ten, weil wir die­se un­bän­di­ge Kraft spü­ren, die hin­ter ih­rer Zart­heit pul­siert. So wie in die­sen Ta­gen, in de­nen wir ge­spannt be­ob­ach­ten, wie sich die Schau­spie­le­rin mit An­fang 60 kom­plett neu auf­stellt.

Su­san­ne Uh­len lässt die Glit­zer­welt hin­ter sich. Ka­me­ra aus, Spot an – auf ein neu­es, ein rei­che­res Le­ben … Das Schick­sal, wird sie sich zwei Jah­re nach der schreck­li­chen Brust­krebs­Dia­gno­se ge­dacht ha­ben, das Schick­sal war mir gnä­dig. Ich ha­be es ge­schafft! Und Su­san­ne Uh­len hat­te viel zu be­wäl­ti­gen: Che­mo­the­ra­pi­en, Mo­na­te vol­ler Angst, un­zäh­li­ge Näch­te vol­ler Hof­fen und Ban­gen. „Ich woll­te mir Zeit las­sen, ge­sund zu wer­den, und wur­de doch stän­dig ge­fragt, was ich als Nächs­tes ma­che.“Die Ober­fläch­lich­keit des Show­ge­schäfts, gut ver­packt in An­teil­nah­me und den­noch sen­sa­ti­ons­hung­rig, wur­de ihr tag­täg­lich be­wuss­ter. Im­mer häu­fi­ger fragt sie sich, ob sie über­haupt noch auf dem rich­ti­gen Weg ist … Ih­ren ers­ten Auf­tritt nach der Er­kran­kung wählt sie wei­se: die Ver­lei­hung des Deut­schen Thea­ter­prei­ses Der Faust … Den wohl­über­leg­ten Schritt zu­rück auf den ro­ten Tep­pich geht sie vor klei­nem Pu­bli­kum – aber im Blitz­licht der bun­des­wei­ten Pres­se. Ein Auf­tritt als State­ment: Seht her, ich bin wie­der ge­sund! Seht her, hier ste­he ich – ich, die Thea­ter­schau­spie­le­rin! Der Ort des Ge­sche­hens: Das Saar­län­di­sche Staats­thea­ter in Saar­brü­cken – denn hier woh­nen ver­trau­te Freun­de, die sie be­glei­te­ten und stütz­ten. Erst kurz zu­vor hat­te sie ih­rem Le­bens­freund, dem Re­gis­seur Die­ter We­del, ab­sa­gen müs­sen. Zu gern hät­te der sie für sei­ne neu­en Fest­spie­le in Bad Hersfeld ha­ben wol­len. Doch wo­chen­lang Pro­ben, all­abend­lich Vor­stel­lun­gen, ein Le­ben un­ter stän­di­ger Be­ob­ach­tung – un­denk­bar! Er­zäh­len kann sie das nie­man­dem. „Ich hat­te im­mer

Ein Mensch, der kei­ne Lei­den­schaft emp­fin­det, ist arm

Sor­ge, wenn ich ei­ne Rol­le ab­sa­ge, kommt so­fort das Ge­rücht auf, ich sei wie­der er­krankt oder schaf­fe das nicht mehr …“Wei­se nimmt sie sich Zeit, ih­re Wün­sche und Träu­me zu er­kun­den.

Was ist denn ei­gent­lich der

Sinn des Le­bens? Le­ben! Und da­zu ge­hört es, sei­ne Tage, sei­ne St­un­den, ja je­de Mi­nu­te mit Le­ben zu fül­len. Der Krebs war ei­ne Zä­sur. „Ich ha­be mich ge­fragt: Soll mein Le­ben so wei­ter­ge­hen? Will ich et­was Neu­es an­fan­gen?“Im­mer drän­gen­der klop­fen längst ge­heg­te Zwei­fel in ih­ren Ge­dan­ken an. „Die ers­ten Zwei­fel ka­men mir schon vor mei­ner Er­kran­kung. Da­mals dach­te ich, das sei nur ei­ne Un­zu­frie­den­heit. Dann er­kann­te ich: Das Herz­blut ist ver­lo­ren ge­gan­gen. Da­bei hät­te ich mir nie vor­stel­len kön­nen, dass die­se Lie­be zum Be­ruf ir­gend­wann ver­geht. Aber ich kann nicht mehr die­sel­be Be­geis­te­rung auf­brin­gen wie frü­her und wür­de es re­spekt­los fin­den, den Be­ruf nur als Job aus­zu­üben.“Wer will es ihr ver­den­ken?

Lan­ge Spa­zier­gän­ge mit ih­ren vier Hun­den füh­ren sie auf den rich­ti­gen Weg. Sie sagt

sich: „Ich ha­be jetzt noch 20, wenn der lie­be Gott will 30 Jah­re – das ist doch toll! Mit die­ser Zeit kann ich doch noch was an­fan­gen – und zwar al­les, was ich will!“Ihr Hirn rat­tert, mit je­dem lei­sen Schritt auf fe­dern­dem Wald­bo­den at­met sie sich ganz acht­sam und nah zu sich. „Ich bin wahn­sin­nig gern in der Na­tur, in­ter­es­sie­re mich für je­de Blu­me …“Sie stellt sich Fra­gen: Was ist mir in die­sem Le­ben noch wirk­lich wich­tig? Wie möch­te ich mei­ne Zeit fül­len, die mir das Schick­sal durch mei­ne Hei­lung ge­schenkt hat? „Ir­gend­wie bin ich wie­der in ei­ner Pha­se ge­lan­det, wo man das Ge­fühl hat, die gan­ze Welt steht ei­nem of­fen! Ich er­lau­be mir ei­ne herr­lich un­be­schwer­te Leich­tig­keit, die ich bis­her ei­gent­lich noch nie er­lebt ha­be.“Fi­nan­zi­ell ist Su­san­ne Uh­len gut auf­ge­stellt, un­zäh­li­ge TV-Fil­me und Se­ri­en-Rol­len der 70er-, 80er-, 90erJah­re ha­ben ihr ein Pols­ter ver­schafft. Seit­her wirt­schaf­tet sie mit Bo­den­stän­dig­keit und Ver­ant­wor­tungs­ge­fühl – auch ih­ren bei­den Söh­nen, 29 und 42, ge­gen­über. Sie muss nicht mehr je­de Rol­le an­neh­men. Sie muss sich nur noch ih­rer selbst an­neh­men …

Sie hat kei­ne To-do-Lis­te. Sie macht kei­ne Plä­ne. Sie er­lebt je­den neu­en Mor­gen voll Dank­bar­keit – und lernt stets

Neu­es da­zu. Und da gibt es die­sen tol­len Mann, der seit 1995 hin­ter ihr steht: den Köl­ner Un­ter­neh­mer Hen­ry Da­wi­do­wicz, 51. Mit den Fü­ßen auf dem Bo­den, tüch­tig und klug. Sie nennt ihn „mei­nen Mann“und schwärmt: „Er sagt im­mer: Ent­schei­de du! Egal, was du tust, ich un­ter­stüt­ze dich.“Längst schon hat sich Su­san­ne Uh­len aus dem Kor­sett des Gel­ten-Wol­lens,

Ich lie­be die Na­tur! Ich ent­de­cke im­mer über­all Neu­es …

Schei­nen-Müs­sens und Er­fol­gHei­schens ver­ab­schie­det. Das wird ihr jetzt im­mer kla­rer. „Heu­te kann ich in die Zu­kunft schau­en und mich ein biss­chen trei­ben las­sen. Ich bin ent­spannt und ge­las­sen – aber trotz­dem vol­ler Fan­ta­sie und Neu­gier.“Sie ar­bei­tet im Kos­me­tik­un­ter­neh­men ih­res Man­nes mit, en­ga­giert sich in der Pro­dukt­ent­wick­lung und führt ge­ra­de erst­mals Re­gie in ei­nem TV-Spot ei­nes der Fir­men­pro­duk­te. Sie star­tet neu durch – nur für sich.

Sie be­sinnt sich: Wo kann ich mich mit hel­fen­den Hän­den en­ga­gie­ren? Wie kann ich et­was von mei­ner star­ken,

neu­en Kraft wei­ter­ge­ben? Ih­re Ant­wort fin­det sie schnell: „Ich möch­te mich jetzt Din­gen wid­men, an de­nen mein Herz hängt. Und das ist der Tier­schutz!“Und Tie­re brau­chen un­se­re Hil­fe – ins­be­son­de­re in Län­dern, in de­nen so recht nie­mand nach die­sen Krea­tu­ren schaut. Mit ih­rem Sohn Chris­to­pher, 29, und der Welt­tier­schutz­ge­sell­schaft reist sie nach Thailand. Vor Ort hilft sie in ei­nem mo­bi­len Tier­hos­pi­tal – mit ih­ren Hän­den. Bei 33 Grad und 80 Pro­zent Luft­feuch­tig- keit fängt sie auf al­len vie­ren Kat­zen und Hun­de ein, um sie un­ter­su­chen zu las­sen. Vie­le von ih­nen strei­chelt sie nach Ope­ra­tio­nen wie­der ge­sund. „Ich bin sehr dank­bar für die­se Er­fah­rung und to­tal be­geis­tert! Das möch­te ich bald wie­der­ho­len.“Die schöp­fe­ri­sche Kraft von Mut­ter Na­tur bringt ihr neu­es Le­bens­glück.

Ihr Wil­le ver­leiht ihr

Flü­gel! „Ein Mensch, der kei­ne Lei­den­schaft emp­fin­det oder sie nur auf Lie­be und Sex be­zieht, ist arm!“, sagt sie. Wie recht sie hat. Und wie herr­lich sie sprüht in ih­rer neu­en Ener­gie. „Ich schrei­be auch gern – bis­her nur für die Schub­la­de.“Tja, wer weiß, was mor­gen kommt, wir sind ge­spannt … Und wün­schen ihr wei­ter­hin viel Kraft und Mut!

im ein­SAtz in thAilAnd Im Mai pack­te Su­san­ne Uh­len mit Sohn Chris in ei­nem mo­bi­len Tier­hos­pi­tal der Welt­tier­schutz­ge­sell­schaft an

blick nAch vorn Su­san­ne Uh­len, 62, sagt: „Ich ha­be jetzt noch 20, wenn der lie­be Gott will 30 Jah­re – das ist doch toll! Mit die­ser Zeit kann man doch was an­fan­gen!“ Ich bin ei­ne Kämp­feR in und voll po­si­ti­veR EneR gie!

Ich füh­le mich, als wür­de mir die Welt of­fen­ste­hen!

Ihr BlIcK ist sanft wie im­mer, doch schei­nen ih­re Au­gen wis­sen­der

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