Hot­li­ne? Da fällt mir ja das Ohr ab …

Un­se­re Kolum­nis­tin Angi Brinkmann, 50, hasst es, in der Lei­tung zu hän­gen und mit Au­to­ma­ten zu spre­chen

Meins - - Leben - Habt ihr euch auch ge­är­gert? Schreibt mir, was euch auf­regt! re­dak­ti­on-meins@bau­er­me­dia.com

Der Be­griff „Hot­li­ne“kommt, du ahnst es nicht, aus dem Eng­li­schen und be­deu­tet so viel wie „hei­ßer Draht“. Sie wuss­ten das? Na klar, weil Sie si­cher wie ich re­gel­mä­ßig glü­hen­de Oh­ren krie­gen, wenn Sie drin­gend Be­ra­tung be­nö­ti­gen. Was einst als schnel­le Aus­kunft ge­dacht war, ist nur noch nerv­tö­tend. Neu­lich, da hat­te ich ein klit­ze­klei­nes Com­pu­ter­pro­blem, und ich bin nun mal nicht der Typ, der sich st­un­den- lang ein­sam durch 29 Com­pu­ter-Ner­dFo­ren im In­ter­net chat­tet und un­be­kann­te Rat­ge­ber schrift­lich um Hil­fe er­sucht. Das hal­te ich, mit Ver­laub, für die al­ler­dümms­te Zeit­ver­geu­dung. Und ein­sam macht es auch. Ich steh’ eher to­tal drauf, wenn ich je­man­den fra­gen kann. Al­so je­mand Ech­ten, mei­ne ich. Er­go rief ich bei mei­nem Dings­daUn­ter­neh­men an, das mei­nen Com­pu­ter her­ge­stellt hat.

Als ich die 0800 wäh­le, den­ke ich noch to­tal na­iv: Hey, gleich wird al­les gut!

PÖÖÖH! Erst mal klingt das Frei­zei­chen, als sä­ße der An­ge­ru­fe­ne mit sei­nem Te­le­fon auf dem Mee­res­grund. Dann be­grüßt mich ein An­sa­ge­band und gibt mir ei­ne Auf­ga­be nach der an­de­ren: Ich muss mei­nen Na­men buch­sta­bie­ren, dann mei­ne Te­le­fon­num­mer, dann die Ge­rä­te­num­mer mei­nes Com­pu­ters. Jetzt ver­su­chen Sie mal mit Hö­rer un­term Kinn, bäuch­lings auf dem Schreib­tisch lie­gend, den Bild­schirm um­zu­dre­hen und die­sen ver­flix­ten Auf­kle­ber zu su­chen – in der Angst, die Au­to­ma­ten­stim­me legt auf. Als ich die Zif­fern end­lich fin­de, bin ich fäl­lig für ei­ne Delf­in­the­ra­pie. Und was ant­wor­tet die Au­to­ma­ten­frau? „B-i-t-t-e w-i-e-d-e-r-h-o-l-e-n!“Da­bei sagt mein Mann im­mer „Schrei nicht“, wenn ich ihm was er­zäh­le. Ich ver­lie­re die Ner­ven, zi­sche der Ro­bo­ter-Frau an der Über­see-Hot­li­ne schlimms­te, hier nicht wie­der­hol­ba­re Wör­ter ent­ge­gen und le­ge auf.

Hilft nur nix, die Com­pu­ter­stim­men lau­ern über­all. Rufen wir bei der Bahn an, sind 22 Mi­nu­ten Du­del-Mu­sik gar nix, ehe da was men­schelt in mei­ner Lei­tung. Oder beim schwe­di­schen Mö­bel-Rie­sen. Da wirst du kom­plett ir­re! So ein­fach mal nach­fra­gen, ob ein Stuhl noch auf La­ger ist? Äh, nö … Ich buch­sta­bie­re Post­leit­zahl und Be­stell­num­mer acht­mal ei­nem Ap­pa­rat, ehe ich er­fah­re, dass das Stühl­chen noch zwei­mal in der Fi­lia­le in der Nä­he her­um­steht, aber das Pols­ter da­zu nur in Stutt­gart vor­rä­tig ist. Doofköp­pe! Wann mer­ken die­se Un­ter­neh­men, dass sie ih­re Kun­den in die De­pres­si­on trei­ben? Wir möch­ten le­ben­di­ge Warm­blü­ter an den Hot­li­nes! So wie letz­tens, als ich die 0800-Num­mer mei­nes Te­le­fon­an­bie­ters an­rief: Ich to­tal vor­be­rei­tet, al­le Un­ter­la­gen auf dem Schoß. Nach zwei Frei­zei­chen mel­det sich ei­ner: „Gu­ten Tag, hier Pe­ter Schwarz, was kann ich für Sie tun?“Und ich? Schock­star­re!!! Ich fa­se­le „Ähhh, tschul­di­gung, ich glaub,’ ich hab’ mich ver­wählt …“– und leg’ echt auf. •

Hal­looooo? GRRRRRR! Das gibt’s doch nicht …

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