was uns be­wegt

Oli­via New­ton-John und die Kraft der po­si­ti­ven Ge­dan­ken

Meins - - Inhalt - VON KATH­RIN BEHR

Mit wel­chem Bild kön­nen wir das Le­ben wohl ver­glei­chen? Am ehes­ten gleicht es doch der Ober­flä­che des Mee­res: Meis­tens schau­kelt es fröh­lich und er­fri­schend vor sich hin, und bei rich­tig gu­tem Wetter fun­kelt es in der Son­ne wie ein gro­ßes Feld vol­ler Dia­man­ten. Zu­wei­len kann es auch blank und ru­hig sein, wie ein Spie­gel – schön, aber auch ein we­nig fad, denn im Le­ben wie auch auf dem Meer soll­te im­mer et­was Be­we­gung sein. Aber dann, ganz plötz­lich, braut sich et­was Fürch­ter­li­ches über uns zu­sam­men, der Him­mel ver­dun­kelt sich, es wird stür­misch. Das Meer bäumt sich auf und be­droht uns, macht uns Angst, denn es könn­te uns her­un­ter­rei­ßen und ganz ver­schlin­gen.

so ist auch das Le­ben. Von ei­ner se­kun­de zur an­de­ren wer­den wir aus un­se­rer ge­lieb­ten ru­he ge­ris­sen, un­ser glück ist be­droht, ja, so­gar das Le­ben selbst.

Wer wüss­te das bes­ser als Oli­via New­ton-John, 68? Be­ruf­lich ist die Sän­ge­rin er­folgs­ver­wöhnt, ein Star mit 100 Mil­lio­nen ver­kauf­ten Plat­ten. Pri­vat klopft das Schick­sal im­mer wie­der bei ihr an. Denn Oli­via ist an Krebs er­krankt – wie­der ein­mal. Hef­ti­ge Rü­cken­schmer­zen er­wei­sen sich als Me­ta­sta­sen im Kreuz­bein, der Haupt­tu­mor sitzt in der Brust. Da­bei dach­te sie, sie hät­te dem Krebs ein Schnipp­chen ge­schla­gen. 1992 er­krankt sie das ers­te Mal an Brust­krebs. Oli­via weiß, was die­se Krank­heit be­deu­tet: „Die Dia­gno­se be­kam ich am sel­ben Tag, an dem mein Va­ter an Lun­gen­krebs starb. Ihr könnt euch mei­nen Schock vor­stel­len“, sagt sie in ei­nem Interview. Doch sie kämpft, lässt sich ei­ne Brust am­pu­tie­ren, macht ei­ne Che­mo und ver­traut auf al­ter­na­ti­ve Heil­me­tho­den. Sie wird ge­sund und bleibt es – 25 Jah­re lang.

Aber das The­ma Krebs lässt sie nicht los. Sie sam­melt Spen­den, stif­tet ei­nen Teil ih­rer Plat­ten­ein­nah­men und grün­det in Mel­bourne das Krebs-Zen­trum „Oli­via New­ton-John Can­cer Well­ness & Research Cent­re“. Sie will an­de­ren Be­trof­fe­nen hel­fen und ge­gen die­se teuf­li­sche Krank­heit kämp­fen. Nun ist sie selbst wie­der ei­ne Be­trof­fe­ne, der Krebs zu­rück, schlim­mer und ge­fähr­li­cher denn je.

Aber die Krank­heit ist nicht die ein­zi­ge Tra­gö­die, die Oli­via er­le­ben muss. Im Ju­ni 2005 ver­schwin­det ihr Le­bens-

Ich fand die Lie­be mei­nes Le­bens erst mit 60 Wich­tig sind jetzt nur mei­ne po­si­ti­ven Ge­dan­ken

ge­fähr­te Patrick Mc Der­mott spur­los nach ei­nem Hoch­see­an­gel­trip vor Los An­ge­les. Sei­ne Lei­che wird nie ge­fun­den. Oli­via ist am Bo­den zer­stört.

Als Er­mitt­ler 2009 dann noch her­aus­fin­den, dass Patrick McDer­mott an­geb­lich heim­lich mit ei­ner neu­en Frau in Me­xi­ko lebt und sei­nen Tod nur vor­ge­täuscht ha­ben soll, ist der Alb­traum zu­rück. „Es war furcht­bar, er wur­de auf der See ver­misst, und bis heu­te weiß kei­ner, was wirk­lich ge­sche­hen ist. Es gibt Din­ge im Le­ben, die man ak­zep­tie­ren und los­las­sen muss. Sonst ho­len sie dich in je­der dunk­len Mi­nu­te ein“, sag­te Oli­via.

2013 dann der nächs­te Schlag: Ih­re Schwes­ter Ro­na stirbt nur vier Wo­chen nach der Dia­gno­se an ei­nem Hirn­tu­mor. Und jetzt ih­re ei­ge­ne Krank­heit. Der wich­tigs­te Mensch, der ihr in die­ser stür­mi­schen Zeit zur Sei­te steht, ist Ehe­mann John Eas­ter­ling, 64, ih­re gro­ße Lie­be.

Aber wie viel Leid kann ein Mensch ei­gent­lich er­tra­gen? Wie kann man mit sol­chen Schick­sals­schlä­gen um­ge­hen? Was kön­nen wir tun, da­mit uns sol­che Er­eig­nis­se nicht völ­lig den Le­bens­mut neh­men?

Der Psy­cho­lo­ge Dr. Rolf Merk­le weiß, wie man es schaf­fen kann. „Hef­ti­ge Kri­sen stel­len uns im­mer vor Her­aus­for­de­run­gen. Wir ver­lie­ren leicht den Le­bens­mut, ja vi­el­leicht so­gar den Le­bens­wil­len. Wir sind ver­bit­tert, dass es uns ge­trof­fen hat, und wü­tend, weil uns das Schick­sal über­rollt hat. Aber so schlimm Kri­sen auch sein mö­gen, auf lan­ge Sicht ha­ben sie oft et­was Gu­tes. Kri­sen rei­ßen uns aus un­se­rer Gleich­gül­tig­keit, we­cken un­ge­ahn­te Kraft­re­ser­ven und ge­ben Denk­an­stö­ße für Ver­bes­se­run­gen und po­si­ti­ve Ent­wick­lun­gen.“Das Wich­tigs­te sei vor al­lem im­mer das po­si­ti­ve Den­ken, sagt er. Und ge­nau das ist auch Oli­vi­as Hei­lungs­ge­heim­nis. Trotz der hef­ti­gen Schick­sals­schlä­ge und der stän­di­gen Angst vor Krank­heit und Tod hat sie nie ih­ren Mut und Le­bens­wil­len ver­lo­ren – im Ge­gen­teil. „Ich lern­te schnell, wie wich­tig es ist, po­si­tiv zu den­ken“, sagt sie nach ih­rer ers­ten Er­kran­kung 1992. Es ist ihr per­sön­li­ches Man­tra ge­gen den Teu­fel Krebs: „Po­si­tiv den­ken und nicht stän­dig über mei­ne Krank­heit spre­chen. Das wich­tigs­te Or­gan für den Hei­lungs­pro­zess sind mei­ne Ge­dan­ken.“Ihr Kampf wird hart, aber sie ist vol­ler Hoff­nung und Le­bens­lust. Oli­via New­ton-John kün­digt jetzt an, in ei­nem Jahr wol­le sie wie­der auf der Büh­ne ste­hen – „stär­ker denn je“.

Wir wün­schen ihr, dass ih­re po­si­ti­ven Ge­dan­ken sie auch die­ses Mal wie­der ganz ge­sund wer­den las­sen. •

Le­bens­auf­ga­be Oli­via sam­melt über­all Spen­den für ihr Krebs­zen­trum in Mel­bourne

„grea­se“– ihr durch­bruch Oli­via New­tonJohn und John Tra­vol­ta wer­den 1978 durch das Mu­si­cal „Grea­se“zur Le­gen­de

Kämp­fer­na­Tur In ei­nem Jahr will Oli­via zu­rück sein auf der Büh­ne – „stär­ker denn je“

spä­Tes gLücK 2008 hei­ra­tet Oli­via den G­ eschäfts­mann­JohnEas­ter­ling, da ist sie 60: „Ich sa­ge im­mer, man ist nie zu alt, um sich zu ver­lie­ben!“

Tra­gö­die Acht Jah­re war Oli­via mit Patrick McDer­mott zu­sam­men, er ver­schwand 2005 auf ho­her See

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