schick­sal

Kath­rin, 53, braucht ei­ne Le­berTrans­plan­ta­ti­on

Meins - - Inhalt - VON JU­LIA MEYERDIERCKS

Es kann je­den tref­fen. Des­halb liegt es mir am Her­zen, mein Schick­sal zu er­zäh­len

Vor gut ei­nem Jahr be­kam ich das größ­te Ge­schenk mei­nes Le­bens. Ei­ne neue Le­ber! Bit­te den­ken Sie jetzt nicht: „Neue Le­ber? Die hat wohl zu viel Al­ko­hol ge­trun­ken!“Das Vor­ur­teil ken­ne ich zu gut. Da­bei ist al­les ganz an­ders und könn­te je­den ge­nau­so tref­fen, wie es mich ge­trof­fen hat …

Bis zu mei­nem 50. Ge­burts­tag war ich nie ernst­haft krank. Ich hat­te im­mer viel Kraft und ha­be viel ge­ar­bei­tet. Zu­sam­men mit mei­nem Mann Chris­ti­an füh­re ich ei­ne Salz­grot­te in Düs­sel­dorf. Ei­ne 80-St­un­den-Wo­che war für uns im­mer ganz nor­mal.

Es ist En­de 2014, als ich plötz­lich hef­ti­ge Rü­cken­schmer­zen be­kom­me. Ich schie­be es auf die be­ruf­li­che Be­las­tung und ver­ein­ba­re für An­fang des kom­men­den Jah­res ei­nen Ter­min beim Chi­ro­prak­ti­ker. Doch dann soll al­les an­ders kom­men … In­ner­halb von drei St­un­den la­gert sich in mei­nem Bauch ei­ne so gro­ße Men­ge Was­ser ein, dass ich aus­se­he, als wä­re ich im neun­ten Mo­nat schwan­ger!

Mein Mann scheucht mich per Ta­xi so­fort zum Haus­arzt. Von dort geht es gleich mit dem Ret­tungs­wa­gen zur nächs­ten Not­auf­nah­me. All­zu gro­ße Sor­gen ma­che ich mir da noch nicht. Zwei Ta­ge und et­li­che Un­ter­su­chun­gen spä­ter kommt die Dia­gno­se: Ich ha­be ei­ne Blut­krank­heit, ver­ur­sacht durch ei­nen Gen-De­fekt. Und dar­aus hat­te sich das Budd-Chia­ri-Syn­drom ent­wi­ckelt – das ist ei­ne sel­te­ne Er­kran­kung, die über kurz oder lang zu ei­ner Le­ber­zir­rho­se führt. 50 Jah­re ha­be ich nie auch nur ei­nen Hauch da­von zu spü­ren be­kom­men. Und jetzt heißt es auf ein­mal: aku­te Le­bens­ge­fahr! Ich be­kom­me Me­di­ka­men­te und ganz ge­naue An­wei­sun­gen. Zum Bei­spiel darf ich nur noch ex­trem sal­z­arm es­sen, Sport ist ta­bu, und ich muss re­gel­mä­ßig ins Kran­ken­haus, um punk­tiert zu wer­den, da sich in mei­nem Bauch stän­dig Was­ser an­sam­melt. Nicht schön. Aber – ich kann da­mit erst mal gut wei­ter­le­ben.

Der pu­re Zu­fall ret­tet mir vor­erst das Le­ben.

Ein knap­pes Jahr spä­ter, im März 2016, bin ich er­neut zum Punk­tie­ren im Kran­ken­haus – mitt­ler­wei­le für mich qua­si ein Rou­ti­ne-Ein­griff. Am nächs­ten Tag soll ich wie­der ent­las­sen wer­den. Am Abend schon bin ich un­ge­wöhn­lich mü­de, und mor­gens fin­den mich die Pfle­ger be­wusst­los im Bett. Dia­gno­se: Hirn­ver­gif­tung. In der Nacht hat­te mei­ne Le­ber auf­ge­ge­ben. Wä­re ich zu Hau­se ge­we­sen, wä­re ich heu­te wohl nicht mehr am Le­ben.

Am ers­ten März bin ich im Evan­ge­li­schen Kran­ken­haus Düs­sel­dorf ein­ge­schla­fen und abends auf der Me­di­ca­re Sta­ti­on in Es­sen wie­der auf­ge­wacht. An Ap­pa­ra­te an­ge­schlos­sen. Über­all fiept es, Men­schen ren­nen hek­tisch hin und her. Wo bin ich hier?

Nach vie­len Un­ter­su­chun­gen und Be­hand­lun­gen be­kom­me ich end­lich das Er­geb­nis – es ist nie­der­schmet­ternd: Ich brau­che ei­ne neue Le­ber! So­fort! Mein Na­me kommt auf die Trans­plan­ta­ti­ons­lis­te. Das be­deu­tet: Mein Le­ben hängt jetzt vom Tod ei­nes an­de­ren Men­schen ab. Kein schö­nes Ge­fühl. Aber es ist ja nicht so, dass

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