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Christiane, 68, heilt Pflan­zen mit Ho­möo­pa­thie

Meins - - Inhalt - VON NA­DI­NE LIE­SE

Glo­bu­li, die­se klei­nen Kü­gel­chen aus der Ho­möo­pa­thie, sol­len hel­fen, Ro­sen­ge­wäch­se von Läu­sen zu be­frei­en oder ka­put­ten Blü­ten neue Kraft ein­zu­hau­chen? Ei­ne schril­le Idee! Aber auch span­nend. Wie kommt man auf so was?

Das wol­len wir wissen, als wir Christiane Mau­te in ih­rem Gar­ten am Bo­den­see tref­fen. Un­se­re Skep­sis scheint uns ins Ge­sicht geschrieben. Denn die 68-jäh­ri­ge Schwä­bin stellt gleich mal klar: „Ich bin kei­ne Pflan­zen­flüs­terin. Mei­ne Be­hand­lung folgt lo­gi­schen Kri­te­ri­en, die je­der nach­voll­zie­hen kann, der sich nä­her da­mit be­schäf­tigt.“Bo­den­stän­dig ist sie, herz­lich und zu­pa­ckend mit ih­rem prak­ti­schen Kurz­haar­schnitt und dem of­fe­nen La­chen. Gar nicht wie ei­ne Bäu­me um­ar­men­de Eso­te­ri­ke­rin.

Und wenn wir uns ih­re üp­pi­gen Bäu­me, den saf­ti­gen grü­nen Ra­sen und die prall­bun­ten Blu­men­bee­te an­se­hen, ist klar: Da steckt viel Lie­be drin. Und an der Pflan­zen­kur mit Glo­bu­li ist of­fen­sicht­lich ei­ni­ges dran. Mit dem grü­nen Dau­men ist Christiane nicht ge­bo­ren, den ver­dankt sie ih­rem Mann Die­ter, 73. „Er ist ei­gent­lich der Gärt­ner von uns bei­den. Ich konn­te frü­her nicht ei­nen Baum von dem an­de­ren un­ter­schei­den“, sagt sie und lacht. „Das hat sich erst mit un­se­rem ei­ge­nen Gar­ten ge­än­dert.“Doch jetzt mal von vorn …

Bis Christiane 44 ist, ar­bei­tet sie als Se­kre­tä­rin.

Al­ter­na­ti­ve Me­di­zin fas­zi­niert sie al­ler­dings schon ihr Le­ben lang. Im­mer wie­der denkt sie dar­über nach, mal et­was ganz an­de­res zu ma­chen. Der Job er­füllt sie nicht mehr. Und: „Ich ha­be ein­fach viel zu viel ge­ar­bei­tet.“Als in ih­rer Fir­ma um­struk­tu­riert wird, ist die Zeit reif, das Le­ben noch mal zu dre­hen, ih­rer Pas­si­on nach­zu­ge­hen. Die bei­den Kin­der sind aus dem Haus. Sie hat ge­nug Rück­la­gen

an­ge­spart, und Die­ter steht hin­ter ihr und ih­ren Plä­nen. „Es pass­te ein­fach.“

Christiane kün­digt und stürzt sich in ei­ne Heil­prak­ti­ker-Aus­bil­dung. An­schlie­ßend stu­diert sie in Wolfsburg Klas­si­sche Ho­möo­pa­thie. Dann geht al­les ziem­lich schnell: Mit dem Ab­schluss in der Ta­sche baut sie das Kin­der­zim­mer ih­res Soh­nes Clau­di­us zur Pra­xis um. End­lich kann sie das tun, wo­nach sie sich so lan­ge ge­sehnt hat! „Ich war rich­tig stolz auf mich!“Nach und nach wächst der Kun­den­stamm, sie prak­ti­ziert er­folg­reich – zu­nächst nur an Men­schen …

Ein Miss­ge­schick bringt die Wen­dung.

Ver­se­hent­lich fällt ihr ein Rit­ter­sporn aus der Hand, der Haupt­trieb knickt ab. „Ei­gent­lich war die gro­ße Blü­te hin“, er­in­nert sich die Schwä­bin. „Aber in­tui­tiv gab ich ein paar Ar­ni­ca-Kü­gel­chen mit ins Gieß­was­ser, ein Schock­mit­tel ge­gen Schlag und Stoß.“Am nächs­ten Tag staunt sie nicht schlecht: Pracht­voll reckt sich der Rit­ter­sporn in die Hö­he. Chris­tia­nes For­scher­instinkt ist ge­weckt, in den nächs­ten Jah­ren tes­tet sie ver­schie­de­ne Mit­tel in ih­rem Gar­ten. Schreibt auf, was die Pflan­ze hat und was da­ge­gen hilft. „Ich woll­te Par­al­le­len zwi­schen mensch­li­chen und pflanz­li­chen Sym­pto­men fin­den.“Dar­aus ent­steht ein Buch, das sich mitt­ler­wei­le 45 000-mal ver­kauf­te.

Toch­ter Cor­ne­lia, 47, steckt sie schnell mit ih­rer Be­geis­te­rung an. Sie eig­net sich Chris­tia­nes Me­tho­den an, forscht über Fach­li­te­ra­tur und ei­ge­ne Ver­su­che wei­ter. Als im­mer mehr An­fra­gen aus der gan­zen Welt kom­men, grün­den die bei­den vor drei Jah­ren ei­nen Be­ra­tungs­dienst. Dar­über ist Christiane be­son­ders glück­lich! „Wir ha­ben uns im­mer gut ver­stan­den. Aber jetzt sind wir noch nä­her zu­sam­men­ge­rückt.“Per E-Mail oder Te­le­fon ge­ben sie Be­hand­lungs­emp­feh­lun­gen, teil­wei­se be­ra­ten sie vor Ort. So wie 2015, als der Chef­gärt­ner des fürst­li­chen Ro­sen­gar­tens von Mo­na­co an­ruft: „Wir ha­ben Pro­ble­me mit 6000 Ro­sen. Bit­te kom­men Sie!“Die Blu­men ver­tra­gen die Mee­res­luft nicht, stellt Christiane fest. „Das Salz leg­te sich auf die Blät­ter, sie konn­ten nicht at­men. Ich ha­be ei­nen Be­hand­lungs­plan für die Ro­sen und zwei bis drei Ho­möo­pa­thie-An­wen­dun­gen emp­foh­len. Mit Er­folg.“

Sol­che An­ek­do­ten er­zählt sie gern. Vor al­lem, wenn sie Skep­ti­kern wie uns be­geg­net. „Der Er­folg bei Pflan­zen zeigt, dass viel mehr hin­ter Ho­möo­pa­thie steckt“, sagt sie. „Pflan­zen sind un­be­stech­lich, den Pla­ce­bo-Ef­fekt gibt es bei ih­nen nicht.“Selbst die Land­wirt­schaft setzt auf ih­re Me­tho­den. Ei­ni­gen Bau­ern und Win­zern konn­te sie schon hel­fen. „Das freut mich so. Es ist er­schre­ckend, wie viel sonst ge­spritzt wird. Das be­las­tet die Bö­den. Ho­möo­pa­thie ist kein Wun­der­mit­tel, aber not­wen­dig, um Bo­den­viel­falt zu er­hal­ten.“Das klingt nach Be­ru­fung, auf je­den Fall nach Traum­be­ruf. „Ja, es war die rich­ti­ge Ent­schei­dung“, sagt sie. „Es ist groß­ar­tig, wenn man sei­ne Lei­den­schaft aus­le­ben kann.“

Ich bin kei­ne Pflan­zen­flüs­teRin. Ich fol­ge lo­gi­schen KRi­te­Ri­en Bei Pflan­zen gibt’s kei­nen Pla­ce­boEf­fekt

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