Ein­fach heRR­lich, wenn deR Sand die Fü­ße stRei­chelt

Meins - - Mein Leben -

Ach, himm­lisch, wenn man im Som­mer end­lich die Strümp­fe aus­zie­hen kann. Frü­her ha­be ich sie vom 1. April bis min­des­tens 1. Ok­to­ber in den Schrank ver­bannt – ka­te­go­risch! Egal, ob Wind und Wetter war. Aber heu­te bin ich doch et­was käl­te­emp­find­li­cher. Am liebs­ten lau­fe ich ja bar­fuß über den Strand, der liegt bei mir fast vor der Tür. Ich kann stun­den­lang da längs wan­dern. Ich mag es, wenn sich die Fü­ße bei je­dem Schritt leicht ein­gra­ben und der Sand die Haut strei­chelt und durch die Ze­hen rie­selt. Wenn ich es ei­li­ger ha­be, ge­he ich un­ten am Was­ser auf dem fes­ten Strei­fen. Und wenn ich kal­te Fü­ße ha­be, ba­lan­cie­re ich auf dem Kie­sel­strei­fen im Was­ser. Das ist zwar pik­sig, aber hin­ter­her hat man wun­der­bar war­me Fü­ße. Vor zwei Jah­ren hat­te ich ein ganz tol­les Er­leb­nis: Da hat mich mei­ne En­ke­lin in ei­nen Bar­fuß­park ein­ge­la­den. Erst woll­te ich ja nicht so recht. Ich hat­te gleich so Vor­stel­lun­gen, ich müs­se über Glas­scher­ben oder gar hei­ße Asche lau­fen. Schließ­lich bin ich kein Yo­gi. Und mei­ne En­ke­lin ist manch­mal – na, sa­gen wir – ein biss­chen ex­trem und ri­si­ko­freu­dig. Und au­ßer­dem pas­sio­nier­te Bar­fuß­läu­fe­rin, sie joggt bar­fuß und ver­zich­tet so­gar in der Stadt auf Schu­he. Ob­wohl sie sich schon zwei­mal ei­ne Scher­be ein­ge­tre­ten hat.

Bar­fuß­lau­fen sei DER Trend, hat sie gesagt. Und aus ih­rem Mund klingt das dann, als stün­de uns ei­ne Re­vo­lu­ti­on ins Haus. Al­so, ich war miss­trau­isch. Aber wenn An­na et­was will, ist sie hart­nä­ckig und quen­gelt so lan­ge, bis man Ja sagt. Und ich ge­be zu, ich war auch neu­gie­rig, wie so ein Bar­fuß­park auf­ge­baut ist und wie sich das an­fühlt, wenn sich der Bo­den un­ter dei­nen nack­ten Fü­ßen stän­dig ver­än­dert. Denn ich ha­be mal ge­le­sen, dass un­se­re Fü­ße mehr Sin­nes­zel­len

ha­ben als un­ser Ge­sicht. Es war wirk­lich ei­ne tol­le Er­fah­rung. In der Na­tur zu sein ist ja an sich schon ent­span­nend, und wenn du dich dann ganz dar­auf kon­zen­trierst, was du un­ter den Fuß­soh­len spürst – un­be­schreib­lich! Ich ha­be da­bei ent­deckt, wie herr­lich es sich an­fühlt, über wei­chen Wald­bo­den zu fe­dern, und mir vor­ge­nom­men: Mei­nen nächs­ten Wald­spa­zier­gang ma­che ich bar­fuß. Ha­be ich noch nicht ge­schafft. Aber da­für ha­be ich im letz­ten Jahr mit mei­ner Freun­din den Bar­fuß­park noch mal be­sucht. Das war nicht ganz so toll, weil Haupt­sai­son war und wir qua­si im Gän­se­marsch lie­fen. Dann ist man ab­ge­lenkt, guckt sich Leu­te an und lauscht mehr oder min­der frei­wil­lig Ge­sprä­chen. Da ist die Kon­zen­tra­ti­on auf dich selbst et­was schwie­rig. Aber ein Er­leb­nis ist es im­mer! Ger­da, 74

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