Ich komm’ nicht wie­der hoch

Der Som­mer könn­te so­oo schön sein, gä­be es nicht all die Son­nen­stüh­le, Sitz­sä­cke und Lie­ge­wie­sen. Car­la Be­cker ge­nießt war­me Ta­ge lie­ber auf­recht, schließ­lich hat sie Rü­cken

Meins - - Leben Mein -

Es gibt vie­le Din­ge, die am Som­mer toll sind. Schi­cke Na­gel­lack­far­ben für die end­lich mal pe­di­kür­ten Fü­ße. Rad­tou­ren mit an­schlie­ßen­dem Bier­gar­ten­be­such. Fach­ge­sprä­che über Ro­sen­pfle­ge mit mei­nem Lieb­lings­ver­käu­fer im Pflan­zen­markt. Ich schät­ze die­se Jah­res­zeit sehr, fin­de aber, dass sie auch ih­re Schat­ten­sei­ten hat. Be­son­ders für Men­schen, die kei­ne 20 mehr sind. Wenn man au­ßer­dem viel am Schreib­tisch sitzt und so­wie­so noch nie be­son­ders sport­lich war, sieht man ihn am Ho­ri­zont doch schon fröh­lich win­ken, den Band­schei­ben­vor­fall.

So weit ist es bei mir zwar noch nicht ge­kom­men, aber die­se ge­dan­ken­lo­se Leich­tig­keit, mit der ich frü­her beim Un­kraut­zup­fen in die Ho­cke ge­gan­gen bin oder mit der ich mich auf ei­ne Pick­nick­de­cke ge­setzt ha­be, die ist ver­flo­gen. Heu­te über­le­ge ich sehr gründ­lich, wie tief ich sin­ke und ob es mir das an­schlie­ßen­de „Argh-uff-ächz-aua“wirk­lich wert ist. Vie­les lässt sich ja auch von oben her­ab re­geln. Wo­zu gibt es Schu­he zum Hin­ein­schlüp­fen oder Steh­ca­fés?

im Früh­ling, Herbst und Win­ter fällt die schmer­zen­de rück­sei­te ja nicht wei­ter

auf – au­ßer man schiebt aus­ge­rech­net an ei­nem der bei­den Blitz­eis-Ta­ge mor­gens um sie­ben die Müll­ton­ne an die Stra­ße. Im Som­mer sieht die Sa­che an­ders aus. Da er­öff­nen übe­r­all die­se Beach­bars, aus­ge­stat­tet mit Sitz­sä­cken und den schlimms­ten Fein­den al­ler Rü­cken­ge­plag­ten: Lie­ge­stüh­len. „Ein­mal drin, al­les hin“, wie es mei­ne Freun­din for­mu­lier­te, als sie sich beim Ver­such, sich aus die­sem Se­nio­ren­knast wie­der her­aus­zu­hie­ven, ei­nen He­xen­schuss hol­te. Im Frei­bad muss man sich auf Lie­ge­wie­sen le­gen, und am Strand bleibt ei­nem so­wie­so nichts an­de­res üb­rig. Die Strand­kör­be sind ja al­le schon be­legt von den Leu­ten, die vor­aus­schau­en­der wa­ren als man selbst.

Wenn es den som­mer nicht nach­weis­lich schon seit sehr lan­ger Zeit ge­ben wür­de, hät­te ich

dar­auf ge­wet­tet, er wä­re ei­ne Er­fin­dung der Or­tho­pä­den. Die ver­die­nen sich doch ein gol­de­nes Knie­ge­lenk an all den Men­schen, die ab En­de Mai in ih­ren War­te­zim­mern sit­zen und auf ei­ne Au­di­enz hof­fen. Na­tür­lich erst nach­dem sie ver­sucht ha­ben, sich mit frei ver­käuf­li­chen Sal­ben, Schmerz­ta­blet­ten, Din­kel­kis­sen und Yo­gaÜbun­gen selbst zu hei­len.

Sie mer­ken schon, dass ich hier ge­ra­de über ei­nen mei­ner wun­den Punk­te schrei­be. Vi­el­leicht tue ich das aber auch nur, weil ich für et­was mehr Nach­sicht wer­ben möch­te. Wenn Sie sich das nächs­te Mal über je­man­den är­gern, der stun­den­lang ei­ne Pool-Lie­ge be­legt oder ei­ne Park­bank blo­ckiert, den­ken sie dar­an, er meint es nicht bö­se. Er kommt ein­fach nicht wie­der hoch. •

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