Lie­ber schen­ken als ver­er­ben?

Ver­schen­ken wir zu Leb­zei­ten Ver­mö­gen, hat das gro­ße Vor­tei­le. Wie wir das schlau an­stel­len. Und was bei gro­bem Un­dank pas­siert …

Meins - - Inhalt - Mar­tin Wahlers ist Fach­an­walt für Er­brecht bei Din­geld­ein Rechts­an­wäl­te in Bi­cken­bach VON ALEX EMUNDS

So spa­ren wir ba­res Geld

Wä­re doch är­ger­lich, wenn un­ser Ver­mö­gen, das wir un­se­ren Lieb­lings­men­schen hin­ter­las­sen wol­len, von der Steu­er ge­schrumpft wird. Auch wenn bei Kin­dern und Ehe­part­nern die Frei­be­trä­ge hoch sind – bei an­de­ren Ver­wand­ten sieht das schon knap­per aus. Die Lö­sung: Wir ver­schen­ken un­ser Ver­mö­gen – ob Geld oder Im­mo­bi­lie – zu Leb­zei­ten. Was wir da­bei be­ach­ten, er­klärt un­ser Ex­per­te Mar­tin wahlers.

Un­ser Ver­mö­gen ge­ben wir häpp­chen­wei­se ab

Das Ent­schei­den­de: Die El­tern dür­fen ei­nem Kind al­le zehn Jah­re 400 000 Eu­ro steu­er­frei schen­ken. Ein Bei­spiel: Wol­len wir un­se­rer Toch­ter 600 000 Eu­ro ver­er­ben, müss­te sie 200 000 Eu­ro ver­steu­ern, da sie nur ei­nen Frei­be­trag von 400 000 Eu­ro hat. Bei ei­nem Steu­er­satz von 11 Pro­zent (Steu­er­klas­se I) müss­te sie al­so 22 000 Eu­ro zah­len. Wenn wir ihr das Geld aber in zwei Etap­pen schen­ken,

ver­teilt über 2-mal 10 Jah­re, muss sie nach ins­ge­samt 20 Jah­ren kei­nen Cent ver­steu­ern.

Soll nicht un­se­re Toch­ter, son­dern un­ser En­kel das Ver­mö­gen von 600 000 Eu­ro be­kom­men, sieht die Sa­che an­ders aus. Er hat nur ei­nen Frei­be­trag von 200 000 Eu­ro, müss­te im erb­fall al­so 400 000 eu­ro zu 15 Pro­zent ver­steu­ern, macht nach Adam Rie­se 60 000 Eu­ro für den Fis­kus. Ihm müss­ten wir das Ver­mö­gen in drei Etap­pen, al­so 3-mal 10 Jah­ren, schen­ken, da­mit er die Steu­ern spart. Wich­tig: Wir soll­ten recht­zei­tig mit Ver­mö­gens­über­tra­gun­gen an­fan­gen, und je mehr wir zu ver­ge­ben ha­ben, des­to frü­her.

Ver­mö­gen recht­zei­tig zu ver­schen­ken lohnt sich

Im Ge­gen­satz zu Ver­er­bun­gen ha­ben Schen­kun­gen drei gro­ße Vor­tei­le: Wir ha­ben die Mög­lich­keit, un­ser Ver­mö­gen schritt­wei­se zu über­tra­gen. So kön­nen wir un­se­ren Kin­dern dann hel­fen, wenn sie Geld brau­chen, z. B. beim Stu­di­um oder Haus­bau. Noch ein di­ckes Plus: Da­mit ver­rin­gert sich die Hö­he des Er­bes, und wir kön­nen un­se­ren Er­ben ei­ne Men­ge Steu­ern

spa­ren, wenn wir Frei­be­trä­ge (s. Kas­ten) rich­tig nut­zen. Und ganz ne­ben­bei ver­rin­gert sich mit Hö­he un­se­res Nach­las­ses auch der Pflicht­teils­an­spruch un­lieb­sa­mer Ver­wandt­schaft, der wir ei­gent­lich gar nichts gön­nen.

auch bei Schen­kun­gen kas­siert das Fi­nanz­amt, aber …

Erb­schaf­ten und Schen­kun­gen wer­den steu­er­lich gleich be­han­delt. Aber: Bei Schen­kun­gen kön­nen wir die Frei­be­trä­ge al­le zehn Jah­re aufs Neue nut­zen! Wie viel ver­steu­ert wer­den muss, hängt vom Ver­wandt­schafts­ver­hält­nis und da­mit der Schen­kungs­steu­er­klas­se (I, II, oder III) ab, die nichts mit un­se­ren nor­ma­len Steu­er­klas­sen zu tun hat. Und: der Steu­er­satz steigt pro­gres­siv mit der Hö­he des ver­schenk­ten Ver­mö­gens.

wir hal­ten ver­trag­lich fest, was wir wem war­um ge­ben

In ei­nem Schen­kungs­ver­trag do­ku­men­tie­ren wir un­be­dingt un­ser ei­gen­in­ter­es­se an der Schen­kung und was ge­nau wann ver­teilt wer­den soll. War­um? Ha­ben wir schon durch Erb­ver­trag oder ein ge­mein­schaft­li­ches Tes­ta­ment Er­ben be­dacht, kön­nen die­se Schen­kun­gen zu­rück­for­dern, die

wir oh­ne gu­ten Grund ge­macht ha­ben. Ge­ben wir un­ser Haus ab, kön­nen wir uns durch ei­nen Ver­trag ein

le­bens­lan­ges wohn­recht si­chern. Au­ßer­dem ist ei­ne Über­tra­gung erst durch ei­nen Ein­trag ins Grund­buch gül­tig. Da­mit der Schen­kungs­ver­trag gül­tig ist, brau­chen wir ei­ne no­ta­ri­el­le Ur­kun­de.

Und was ist mit dem an­spruch aufs Pflicht­teil?

Klar ist: Er­ben lässt sich nur, wo was ist. Da­mit ist auch der wert des Pflicht­teils zu­nächst gleich null. Al­ler­dings: Wer pflicht­teils­be­rech­tigt ist, kann Schen­kun­gen der letz­ten zehn, im Ein­zel­fall auch mehr, Jah­re an Drit­te ein­flie­ßen las­sen, um sei­nen Pflicht­teil zu­be­rech­nen. Das nennt sich Pflicht­teil­s­er­gän­zungs­an­spruch. Der rich­tet sich ge­gen die Er­ben. Ein Bei­spiel: Ha­ben wir et­was von un­se­rer Mut­ter ge­schenkt be­kom­men, kann es sein, dass wir nach de­ren Tod von un­se­rer Schwes­ter ei­ne For­de­rung er­hal­ten, um ih­ren Pflicht­teils­an­spruch zu er­fül­len. Der An­spruch ver­jährt drei Jah­re nach dem Erb­fall. •

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