Ve­ro­ni­ca Fer­res: „Kri­tik tut weh, macht uns aber stär­ker!“

Sehr bo­den­stän­dig zeigt sich Ve­ro­ni­ca fer­res, 52, in ih­rem ak­tu­el­len Ki­no-Hit als Putz­frau. Und auch im ech­ten Le­ben ist sie nah­bar und über­ra­schend ehr­lich

Meins - - Inhalt - VON ALex­AN­der Ne­be

Sie hat in der Nacht zu­vor nur vier St­un­den ge­schla­fen – aber da­von ist Ve­ro­ni­ca Fer­res, 52, beim Fo­to­ter­min in Ber­lin nichts an­zu­mer­ken. Sie strahlt und steckt das MEINS-Team mit ih­rer Su­per­lau­ne so­fort an. Im Ge­spräch über­rascht sie uns mit ih­rer Na­tür­lich­keit und er­fri­schen­der Selbst­iro­nie. Fröh­lich plau­dert sie über ih­ren neu­en Ki­no­film „Un­ter deut­schen Bet­ten“(Start 5.10.), in dem sie ei­ne Putz­frau spielt. Und sie er­zählt übers Äl­ter­wer­den und was ihr in dunk­len St­un­den Kraft gibt.

Die 50 ist ein­fach ei­ne tol­le Zeit, ich lie­be die Ge­las­sen­heit

Meins: in ih­rem neu­en film spie­len sie ei­ne putz­frau. Mal ehr­lich, ist put­zen für sie spaß oder not­wen­di­ges Übel? Ve­ro­ni­ca fer­res: Put­zen kann bei­des sein. Manch­mal ha­be ich tat­säch­lich Lust drauf. Das Tol­le da­bei ist doch, dass du so­fort ein Er­folgs­er­leb­nis hast. Wenn ich nach Ab­schluss wie­der in das Zim­mer kom­me und mir ei­ne viel bes­se­re Ener­gie ent­ge­gen­schwappt, dann ist das ein­fach klas­se! Wenn man mich lässt, bin ich üb­ri­gens auch in an­de­ren Be­rei­chen ei­ne Top-Haus­frau! Meins: wo­her kommt das ta­lent?

Ve­ro­ni­ca fer­res: Ich bin in So­lin­gen auf­ge­wach­sen. Als jüngs­tes Kind in ei­ner Fa­mi­lie mit zwei äl­te­ren Brü­dern. Es gab bei uns noch die klas­si­sche Rol­len­ver­tei­lung: Ich war fürs Put­zen und Ko­chen ver­ant­wort­lich. Die Jungs ha­ben auf dem Hof ge­hol­fen. Es gibt nichts, was mei­ne Mut­ter mir nicht bei­ge­bracht hat: Ich kann put­zen, nä­hen, So­cken stop­fen, stri­cken, sti­cken, ko­chen, ba­cken. Ich brin­ge al­le Vor­aus­set­zun­gen mit, um ei­ne su­per Ehefrau zu sein (lacht). Meins: wie wür­den sie ihr ak­tu­el­les Le­bens­ge­fühl be­schrei­ben?

Ve­ro­ni­ca fer­res: Ich ha­be mich in mei­ner Haut noch nie so wohl ge­fühlt wie heu­te. Ich bin vol­ler Ener­gie, rund­um selbst­be­wusst und ge­nie­ße das Ge­fühl ei­ner ste­tig wach­sen­den in­ne­ren Ge­las­sen­heit. Es ist ein­fach ei­ne tol­le Zeit! Auch mein Kör­per ist heu­te weit­aus bes­ser in Form als mit 30. Ich be­trach­te mei­nen Kör­per als ei­nen Tem­pel für mei­nen Geist und mei­ne See­le. Und die­sen Tem­pel will ich so gut pfle­gen und eh­ren wie mög­lich. Meins: was mö­gen sie noch am rei­f­er­wer­den?

Ve­ro­ni­ca fer­res: Ich den­ke, dass man sich über vie­le Din­ge nicht mehr so vie­le Sor­gen ma­chen braucht. Mein Va­ter hat im­mer ge­sagt: Re­ge dich nur über die Din­ge auf, die du än­dern kannst, und ver­schwen­de kei­ne Ener­gie da­mit, Din­ge än­dern zu wol­len, die du so­wie­so nicht än­dern kannst. Gleich­zei­tig ge­nie­ße ich es sehr, dass ich mir mei­ne kind­li­che Be­geis­te­rungs­fä­hig­keit be­wahrt ha­be. Ich bin im­mer noch of­fen für neue Her­aus­for­de­run­gen und Aben­teu­er. Meins: ist das auch ihr re­zept für geis­ti­ge Ju­gend­lich­keit? Ve­ro­ni­ca fer­res: Ei­nes von vie­len. Ich ver­su­che zum Bei­spiel auch, be­weg­lich und kri­tik­fä­hig zu blei­ben. Na­tür­lich ist es manch­mal schwer, sich Kri­tik wirk­lich an­zu­hö­ren, oh­ne sie gleich zu wer­ten oder verletzt zu sein. Ich möch­te mich aber nicht in ei­ner Bla­se be­we­gen, in der mir al­le nach dem Mund re­den, und for­de­re des­halb die­se Kri­tik von mei­ner Fa­mi­lie, mei­nen Freun­den und Kol­le­gen im­mer wie­der of­fen­siv ein. Meins: und wie ge­hen sie da­mit um, wenn ih­nen zu­wei­len ne­ga­ti­vi­tät, Kri­tik oder so­gar hass ent­ge­gen­schwappt? Ve­ro­ni­ca fer­res: Wenn es all­zu ge­mein wird, dann tut mir das im­mer noch weh. Vie­les, was über mich ge­schrie­ben, ge­sagt oder ver­brei­tet wird, be­kom­me ich zum Glück gar nicht mit. Aber wenn es doch mal pas­siert, dann bin ich ein­fach nur ge­schockt und

er­schüt­tert dar­über, wie bös­ar­tig ei­ni­ge Men­schen sein kön­nen. Aber wenn ich das al­les ernst neh­men wür­de, dann wä­re ich gar nicht mehr le­bens­fä­hig. Man muss sich mit die­sem Aspekt wohl ein­fach ar­ran­gie­ren. So gut es eben geht. Meins: sie sind vor zwei Jah­ren 50 Jah­re alt ge­wor­den. was hat das für sie be­deu­tet?

Ve­ro­ni­ca fer­res: Die be­son­de­re run­de Zahl war am An­fang für mich über­haupt kein The­ma. Denn nur ein paar Wo­chen zu­vor ver­starb mein ge­lieb­ter Va­ter. Ich war so in Trau­er, dass mir über­haupt nicht zum Fei­ern zu­mu­te war. Mein Mann und mei­ne Kin­der ha­ben mich dann aber doch noch über­re­det. Und was soll ich sa­gen? Ich ha­be es am En­de nicht ei­ne Se­kun­de be­reut. Mei­ne Fa­mi­lie und die bes­ten Freun­de wa­ren al­le da. Wir ha­ben an mei­nem Ge­burts­tags­abend sehr viel ge­lacht – aber auch ge­weint. Mein Pa­pa hat wahn­sin­nig ge­fehlt, war gleich­zei­tig aber trotz­dem an­we­send. Meins: und die 50 war für sie gar kein The­ma? Ve­ro­ni­ca fer­res: Nein, denn mein Al­ter ist doch nur ei­ne Zahl. Das macht mir gar kei­ne Angst! Wo­bei das Äl­ter­wer­den ge­ne­rell na­tür­lich auch für mich ein The­ma ist. Und wis­sen Sie was? Ich wer­de sehr gern äl­ter und bin für je­den neu­en Tag dank­bar, den ich er­le­ben darf! Denn wenn ich nicht mehr äl­ter wer­den wür­de, dann wä­re ich tot. Meins: wie ge­hen sie mit dem zu­wei­len des­il­lu­sio­nie­ren­den ge­fühl um, dass die ver­blei­ben­de Le­bens­span­ne über­schau­ba­rer wird? Ve­ro­ni­ca fer­res: Ich nä­he­re mich die­sem The­ma mit ei­ner ziem­li­chen Nai­vi­tät. Ich möch­te mir nicht dar­über den Kopf zer­bre­chen, wie alt ich am En­de ein­mal wer­de. Das liegt viel-

leicht dar­an, dass mei­ne Mut­ter im Jahr 2000 im Al­ter von nur 66 Jah­ren an Krebs ge­stor­ben ist. Ich war da­mals 35, und durch die­ses prä­gen­de Er­leb­nis hat sich mei­ne Ein­stel­lung zum The­ma kom­plett ver­än­dert. Ich ha­be ge­ne­rell kei­ne Angst vor dem Tod. Aber sehr wohl vor dem Ster­be­pro­zess, der zu­wei­len lei­der sehr grau­sam sein kann. Ich fin­de die Ge­wiss­heit, dass mei­ne ge­lieb­ten El­tern auf mich war­ten und mich emp­fan­gen wer­den, sehr tröst­lich. MEINS: Le­ben Sie des­halb so be­wusst und in­ten­siv wie mög­lich?

Ve­ro­ni­ca Fer­res: Ge­nau! Wir soll­ten al­le viel mehr in­ne­hal­ten, durch­hal­ten, be­wusst er­le­ben und ge­nie­ßen. Ganz egal, ob es nur der Duft des hei­ßen Früh­stücks­kaf­fees oder die wun­der­ba­re Be­geg­nung mit an­de­ren Men­schen ist. Neh­men Sie sich fest vor, die Schön­heit der Welt viel in­ten­si­ver zu er­fas­sen. Ach­ten Sie beim nächs­ten Spa­zier­gang auf die De­tails: Die fas­zi­nie­ren­de Schön­heit der Blät­ter ei­nes Bau­mes oder das Glit­zern auf dem Was­ser ei­nes Sees. Pro­bie­ren Sie es ein­fach mal aus: Es sind oft auf den ers­ten Blick be­lang­los er­schei­nen­de Din­ge im All­tag, die für klei­ne Glücks­mo­men­te sor­gen kön­nen. Und des­halb su­che ich mit je­dem neu­en Mor­gen nach For­men des Glücks, der Lie­be und dem Zau­ber des All­tags. Man soll­te im­mer gern an dem Ort sein, an dem man gera­de ist, und sich auf die je­wei­li­gen Men­schen und Si­tua­tio­nen ein­las­sen. MEINS: Wer fängt Sie auf, wenn es Ih­nen mal sehr schlecht geht?

Ve­ro­ni­ca Fer­res: Ich ha­be ein Rie­sen­glück, dass mich bis­lang im­mer Men­schen be­glei­tet ha­ben, die mir be­din­gungs­los zur Sei­te stan­den und im­mer an mich ge­glaubt ha­ben. Men­schen, die mich an dunk­len Ta­gen auf­ge­fan­gen, ge­trös­tet und auf­ge­rich­tet ha­ben. Denn die Si­nus­kur­ve des Le­bens macht vor nie­man­dem halt. Auch bei mir gab es so man­che Hö­hen und Tie­fen. MEINS: Fa­mi­lie ist für Sie be­son­ders wich­tig …

Ve­ro­ni­ca Fer­res: Sie steht für mich an obers­ter Stel­le. Die Fa­mi­lie ist mein An­ker, die Son­ne, um die ich krei­se. Ich ha­be ei­ne leib­li­che Toch­ter, zwei Stief­söh­ne, mit de­nen ich eben­falls sehr eng bin. Au­ßer­dem ha­be ich noch ei­ne Stief­toch­ter aus mei­ner Ehe mit Mar­tin Krug. Und auch der Sohn von mei­nem ehe­ma­li­gen Le­bens­ge­fähr­ten Hel­mut Dietl steht mir nah. Im Grun­de ha­be ich al­so ins­ge­samt fünf Kin­der, für die ich mich al­le­samt ver­ant­wort­lich füh­le. Ich lie­be es, dass sie mich her­aus­for­dern, in­spi­rie­ren, är­gern, ner­ven und wun­der­bar jung hal­ten.

MEINS: Wie sieht für Sie ein ge­lun­ge­ner frei­er Tag aus? Ve­ro­ni­ca Fer­res: Am schöns­ten ist es für mich, Sams­tag­vor­mit­tag auf den Wo­chen­markt zu ge­hen, dort frisch ein­zu­kau­fen und dann zu Hau­se ein tol­les Es­sen vor­zu­be­rei­ten. Da­bei Mu­sik hö­ren, spä­ter den Tisch schön de­cken und dann ge­mein­sam mit der Fa­mi­lie ge­nie­ßen. Ich lie­be auch Spie­le­aben­de mit Mo­no­po­ly, Fang den Hut oder Ri­si­ko. Oder ei­nen Heim­ki­no-Abend, wenn am En­de al­le auf der Couch ein­schla­fen. Herr­lich! • VE­ro­NI­ca uND DaS MEINS-TEaM Pe­tra Meer­jans­sen, Alex Ne­be, Ve­ro­ni­ca Fer­res, Ka­thi Behr, Mar­ga­re­tha Ol­schew­ski, Jen Hahn und Sven Ohl­sen

So na­tür­lich, ja FAst MäDCHENHAft, ha­ben wir Ve­ro­ni­ca Fer­res sel­ten ge­se­hen ent­spAnnt

Neu im Ki­no

un­ter deut­schen Bet­ten (stArt

5.10.) Ve­ro­ni­ca Fer­res spielt, hier mit Hei­ner Lau­ter­bach, ei­nen Ex-Pop­star, der spä­ter put­zen ge­hen muss

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