Was be­deu­ten uns Hand­ar­bei­ten?

… mit 50, 60, 70

Meins - - Inhalt -

Mit Hand­werk und Hand­ar­beit hat­te ich nie viel am Hut. Glück­li­cher­wei­se ge­hö­re ich schon zu der Ge­ne­ra­ti­on, die in der Schu­le nicht mehr stri­cken oder hä­keln muss­te. Und wenn was ge­näht wer­den soll – es gibt doch Schnei­der! Ich dach­te im­mer, ich hät­te zwei lin­ke Hän­de! Bis die gro­ße Kri­se kam: Ich war von Job und Fa­mi­lie to­tal ab­ge­kämpft, weil ich – das will ich nicht leug­nen – sehr per­fek­tio­nis­tisch bin. Je­den­falls stand ich kurz vorm Burn-out und ha­be mir ei­ne Aus­zeit vom Job ge­nom­men. Und mich prompt ge­lang­weilt, weil ich ein­fach nicht nichts tun kann. Mei­ne Ärz­tin und mei­ne Freun­din­nen ha­ben mich dann da­von über­zeu­gen wol­len, mal was für mich zu tun. Au­ßer Yo­ga. Was Kreatives. Al­so ha­be ich ei­nen Mal­kurs be­sucht, aber fest­ge­stellt, dass ich da null Ta­lent ha­be und auch kei­ner­lei Ge­duld. Dann kam der Vor­schlag: „Mach doch ei­nen Töp­fer­kurs!“Fand ich auch blöd, das war für mich Be­schäf­ti­gungs­the­ra­pie für un­ter­for­der­te Haus­frau­en. Aber: Ich ha­be es pro­biert, ir­gend­wie war ich es mei­nen Freun­din­nen schul­dig, die sich so viel Ge­dan­ken um mich mach­ten. Mit je­der St­un­de, die ich an der Töp­fer­schei­be saß, wuchs mei­ne Be­geis­te­rung und auch mei­ne Ge­duld. Denn da­mit ist es bei mir nicht weit her. Wenn ich et­was an­fan­ge, muss es klap­pen. Und zwar so­fort. Ich fin­de es in­zwi­schen groß­ar­tig, et­was mit den Hän­den zu tun. Gleich­zei­tig hat Töp­fern auch ei­ne me­di­ta­ti­ve Sei­te. Und am En­de hast du ein Pro­dukt ge­schaf­fen. Jetzt über­le­ge ich, ob ich ei­nen klei­nen La­den auf­ma­chen und Kur­se an­bie­ten soll­te. Noch fehlt mir der Mut, mei­nen Job zu kün­di­gen, ob­wohl ich ei­nen Mann ha­be, mit dem ich ei­ne glück­li­che Ehe füh­re und der mich un­ter­stüt­zen wür­de. Aber ich bin es ge­wohnt, mein Geld selbst zu ver­die­nen. Al­so schie­be ich die­sen Traum noch ei­ne Wei­le vor mir her! Su­s­an­ka, 52

Schon im­mer ha­be ich gern re­no­viert, ge­bas­telt und al­te Stü­cke, die im Kel­ler mei­ner El­tern her­um­stan­den, auf­ge­mö­belt. Mein Traum war es, Re­stau­ra­to­rin zu wer­den. Aber mei­ne El­tern fan­den, das sei ei­ne brot­lo­se Kunst, ich sol­le lie­ber et­was „Ver­nünf­ti­ges“ler­nen be­zie­hungs­wei­se stu­die­ren. Und weil ich mit 19 selbst eher die Ten­denz hat­te, auf Si­cher­heit zu ge­hen – so war ich ja er­zo­gen wor­den –, ha­be ich al­so auf Lehr­amt stu­diert, Ma­the und Kunst. So konn­te ich im­mer­hin mei­ne Ta­len­te nut­zen. Der Vor­teil mei­nes Be­rufs ist, dass ich mehr Zeit zur frei­en Ver­fü­gung ha­be als an­de­re, oder sa­gen wir bes­ser: Ich kann sie mir frei­er ein­tei­len und ha­be so Zeit für mein Hob­by. Das Re­stau­rie­ren ist mei­ne Lei­den­schaft ge­blie­ben, kein al­tes Mö­bel ist vor mir

GROSSARTIG, ET­WAS MIT DEN HÄN­DEN ZU TUN

Wenn ich in mei­ne WeRk­statt ge­he, ist das wie UR­laub

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