Hugh Bon­ne­vil­le: „Ich wer­de net­ter zu mir sein!“

Als Lord in „Down­ton Ab­bey“wur­de hugh Bon­ne­vil­le, 53, welt­be­rühmt. In MEINS er­zählt er, wie sich für ihn das Le­ben ver­än­dert

Meins - - Inhalt - VON Se­bas­ti­an Bau­mann

Er ist der Typ Schau­spie­ler, den wir schon häu­fig in klei­nen, aber fei­nen Ne­ben­rol­len ge­se­hen ha­ben. Ein Mann, des­sen Ge­sicht wir ken­nen, aber der Na­me … Hugh wer? Na, der Lord aus „Down­ton Ab­bey“! Ach der, ja, den ken­nen wir! Mit der Rol­le des Ro­bert Craw­ley, Earl of Grant­ham, in der Kult-Se­rie „Down­ton Ab­bey“ist Hugh Bon­ne­vil­le, 53, welt­be­rühmt ge­wor­den. Als bri­ti­scher Ad­li­ger ist der ge­bür­ti­ge Lon­do­ner der­ma­ßen über­zeu­gend, dass man ihn zu Be­ginn des In­ter­views in­stink­tiv mit „Sir“an­spre­chen will. Und in sei­nem ak­tu­el­len Film „Der Stern von In­di­en“darf Hugh Bon­ne­vil­le nun so­gar den letz­ten in­di­schen Vi­ze­kö­nig Lord Mount­bat­ten spie­len.

MEINS er­zählt er von sei­nem neu­en Film, sei­ner neu­en Fi­gur und war­um er Theo­lo­gie stu­diert hat.

MEINS: War­um spie­len sie bri­ti­sche Ad­li­ge so über­zeu­gend?

EHEGLÜCK Seit 19 Jah­ren ist er mit Lu­lu Evans ver­hei­ra­tet, sie ha­ben ei­nen Sohn

hugh Bon­ne­vil­le: Gu­te Fra­ge. Ich wünsch­te, ich hät­te ei­ne be­frie­di­gen­de Ant­wort. Es wä­re toll, wenn ich auch in mei­nem Pri­vat­le­ben et­was da­von hät­te. So ei­ne Art Son­der­be­hand­lung, weil die Leu­te den­ken, ich ge­hö­re in­zwi­schen zur Roy­al Fa­mi­ly. Aber die Rea­li­tät sieht so aus, dass ich noch nicht ein­mal ei­nen Tisch bei „McDo­nald’s“be­kom­me. Aber es ist tat­säch­lich so, dass die Leu­te mei­nen, ich be­sä­ße ei­nen La­b­ra­dor und wür­de re­gel­mä­ßig auf die Jagd oder zum An­geln ge­hen, wie Ro­bert Craw­ley aus „Down­ton Ab­bey“. meiNs: hat sie schon ein­mal je­mand „sir“ge­nannt? hugh Bon­ne­vil­le: Das ist bis­her noch nicht vor­ge­kom­men (lacht) … meiNs: Fehlt ih­nen „Down­ton Ab­bey“?

hugh Bon­ne­vil­le: Ich glau­be, wir ha­ben zur rich­ti­gen Zeit auf­ge­hört, als die Se­rie noch er­folg­reich lief. Na­tür­lich ha­ben wir Kol­le­gen uns al­le an­ge­freun­det, denn es war ja ei­ne lan­ge Zeit, die wir mit­ein­an­der ver­bracht ha­ben. Und wir ver­ste­hen uns so gut, dass sich 25 von uns neu­lich zu ei­nem Abend­es­sen ge­trof­fen ha­ben. Das ha­be ich sehr ge­nos­sen. Es sind ge­misch-

te Ge­füh­le. Es war ei­ne gu­te Zeit. Aber gleich­zei­tig füh­le ich mich auch frei für neue Aben­teu­er. meiNs: Was ha­ben sie von den Dreh­ar­bei­ten be­hal­ten? hugh Bon­ne­vil­le: Man hat mir zum Ab­schied das Te­le­gramm ge­schenkt, in dem man mir mit­teilt, dass sich En­g­land und Deutsch­land im Krieg be­fin­den. Das ha­be ich mir rah­men las­sen und auf mei­ne Toi­let­te ge­hängt.

meiNs: Be­vor sie schau­spie­ler wur­den, ha­ben sie trotz­dem erst ein­mal Theo­lo­gie stu­diert. War­um?

hugh Bon­ne­vil­le: Das lag an ei­nem mei­ner Leh­rer in der Schu­le. Ich bin ei­gent­lich gar nicht re­li­gi­ös. Aber sein Re­li­gi­ons­un­ter­richt war fas­zi­nie­rend. Bei ihm wur­den al­le Ge­schich­ten aus der Bi­bel, be­son­ders aus dem neu­en Tes­ta­ment, so schil­lernd und le­ben­dig. Und so wur­de Theo­lo­gie ei­ne ech­te Lei­den­schaft für mich, die so groß war, dass ich die­ses Fach stu­die­ren woll­te. Lei­der hat­te ich seit­dem nie wie­der ein Theo­lo­gie­buch in der Hand, und ich war ein schlech­ter Stu­dent. Ich hat­te dann letzt­end­lich doch nur Thea­ter im Kopf.

Meins: ihr neu­er film spielt in in­di­en. Kann­ten sie das Land vor den dreh­ar­bei­ten?

hugh Bon­ne­vil­le: Als ich mit der Schu­le fer­tig war, bin ich als Te­enager erst ein­mal mit ei­nem Ruck­sack auf die Rei­se ge­gan­gen. Und die führ­te durch Nord­afri­ka und In­di­en. In­di­en und der Su­dan ha­ben mich be­son­ders be­ein­druckt. Ich war vor den Dreh­ar­bei­ten in Sor­ge, das Land könn­te sich so sehr ver­än­dert ha­ben, dass ich ent­täuscht bin, weil es nicht mehr zu die­sen Er­in­ne­run­gen passt. Aber das war nicht der Fall. Es ist im­mer noch ein sinn­li­ches Land, vol­ler Ge­gen­sät­ze und Wi­der­sprü­che.

Meins: sie ha­ben ab­ge­nom­men. Muss­ten sie für ei­ne rol­le schlan­ker wer­den? hugh Bon­ne­vil­le: Nein, ich war bis­her ein­fach ein fau­ler Fett­sack, der es nicht auf die Rei­he ge­kriegt hat, ab­zu­neh­men. Ich ha­be vor un­ge­fähr ei­nem Jahr be­schlos­sen, ge­sün­der zu es­sen. Und das ist der Ef­fekt. Meins: Gab es ei­nen an­lass?

hugh Bon­ne­vil­le: Ich woll­te ein­fach ge­sün­der le­ben und aus­se­hen. An mei­nem 40. Ge­burts­tag ha­be ich be­schlos­sen, kei­nen schlech­ten Wein mehr zu trin­ken und den Fu­sel aus­zu­sor­tie­ren. Jetzt ha­be ich mit der Er­näh­rung nach­ge­zo­gen. Ich woll­te ein­fach et­was net­ter zu mir sein, wäh­rend ich dem En­de mei­nes Le­bens ent­ge­gen­tra­be. Ich ga­lop­pie­re näm­lich nicht, ich tra­be (lacht) … •

Die Leu­te den­ken wirk­lich, ich ge­hö­re zur Roy­al Fa­mi­ly

Ver­schmitzt Hugh Bon­ne­vil­le ist vol­ler Selbst­iro­nie und im­mer gut ge­launt

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