Mein star per­sön­lich: Mi­chel­le Pfeif­fer

„50 ist doch die neue 30!“

Meins - - Inhalt - VON RA­CHEL KASUCH

Wir tref­fen uns in der Lob­by ei­nes New Yor­ker Ho­tels, ei­ne klei­ne, ru­hi­ge Oa­se in der Hek­tik der lau­ten, wil­den Groß­stadt. Hier ent­spannt Mi­chel­le Pfeif­fer, 59, gern mal zwi­schen zwei Ter­mi­nen, wie sie mir sagt. Als sie durch die Dreh­tür kommt in ih­rem le­ge­ren Kleid, das blon­de Haar trägt sie of­fen, ist kaum ge­schminkt, bin ich be­ein­druckt: Kaum zu glau­ben, dass der Star aus mei­nem Lieb­lings­film „Ge­fähr­li­che Lieb­schaf­ten“nächs­tes Jahr 60 wird. Sie streckt mir ih­re wei­che, zar­te Hand hin, dann be­stellt sie ei­nen grü­nen Tee und be­ginnt zu er­zäh­len – über den Schön­heits­wahn in Hol­ly­wood, ih­re lan­ge Ehe und das Äl­ter­wer­den.

meins: War­um woll­ten Sie Schau­spie­le­rin wer­den?

Mi­chel­le Pfeif­fer: Ich hab’ mir im­mer als jun­ges Mäd­chen bis spät in die Nacht die­se wun­der­ba­ren al­ten Schwarz-Weiß-Fil­me an­ge­schaut. Da­mals dach­te ich mir im­mer: Das könn­te ich doch auch.

meins: Gibt es et­was, was Sie an sich selbst nicht mö­gen?

Mi­chel­le Pfeif­fer: Um ehr­lich zu sein, ich fin­de es schreck­lich, mei­ne ei­ge­ne Stim­me zu hö­ren (lacht). Oder ich sa­ge Din­ge, die ich viel­leicht nicht hät­te sa­gen sol­len. Abends lie­ge ich dann wach im Bett, und mir geht im­mer wie­der der­sel­be Ge­dan­ke durch den Kopf: Was hab’ ich da nur ge­sagt? Hof­fent­lich wird das nicht falsch ver­stan­den. Ich sa­ge Ih­nen: Ich ha­be vie­le schlaf­lo­se Näch­te (lacht).

meins: Sie gal­ten jah­re­lang als schöns­te Frau der Welt. Füh­len Sie sich da­durch un­ter Druck?

Mi­chel­le Pfeif­fer: Auf ei­ner gro­ßen Ki­n­o­lein­wand zu se­hen, wie man äl­ter wird, ist nicht ein­fach. Das kann ei­nem ganz schön an die Psy­che ge­hen. Mein Haut­arzt hat mal zu mir ge­sagt: „Wer­fen Sie bloß Ih­re Ver­grö­ße­rungs­spie­gel

im Bad weg.“Das war der bes­te Rat­schlag, den mir je­mals je­mand ge­ge­ben hat (lacht). Da­für kann ich jetzt nicht mehr ge­nau se­hen, ob ich mein Ma­ke-up rich­tig auf­tra­ge … Ich muss nicht mehr ju­gend­lich aus­se­hen, im­mer­hin bin ich 59 Jah­re alt. Mir reicht es, wenn ich gut für mein Al­ter aus­se­he.

In Hol­ly­wood ver­su­chen die äl­te­ren Frau­en, sich wie­der in Te­enager zu ver­wan­deln. Wie er­klä­ren Sie sich das?

Mi­chel­le Pfeif­fer: Spe­zi­ell in Hol­ly­wood herrscht gro­ßer Druck, toll aus­zu­se­hen. Die Me­di­en sa­gen uns doch: je jün­ger und schlan­ker, des­to bes­ser. Ich glau­be mitt­ler­wei­le, dass es schon an Ge­hirn­wä­sche grenzt. In mei­ner Zeit war das nicht so. Es gab kei­ne Di­ät-Pil­len oder Cas­tin­gShows für dün­ne Mo­dels im TV.

Und die Frau­en un­ter­wer­fen sich die­sem Druck … Mi­chel­le Pfeif­fer:

Ja, und ich fin­de das sehr trau­rig mit an­zu­se­hen. Es gibt vie­le Frau­en, die su­per aus­se­hen, aber es selbst nicht glau­ben. Viel­leicht se­hen sie sich selbst mit an­de­ren Au­gen, wenn sie in den Spie­gel schau­en. Dann ge­ben sie sich im­mer wie­der Schön­heits-OPs hin und se­hen da­nach viel schlim­mer aus als vor­her. Künst­lich, wie aus Plas­tik.

Was hal­ten Sie von Schön­heits­ope­ra­tio­nen? Mi­chel­le Pfeif­fer:

Ein biss­chen was hier und ein biss­chen was da, wie­so nicht? Es ist mir egal, ob sich Leu­te ei­ner Schön­heits­ope­ra­ti­on un­ter­zie­hen oder sich Bo­tox sprit­zen, so­lan­ge sie noch aus­se­hen wie sie selbst. Schlimm wird es, wenn sie an­fan­gen, sich zu ver­un­stal­ten.

Macht Ih­nen das Al­ter et­was aus? Mi­chel­le Pfeif­fer:

50 ist doch die neue 30 (lacht). Es war mir egal, 30 oder 40 zu wer­den. Aber bei 50 hat­te ich ir­gend­wie ein ko­mi­sches Ge­fühl im Ma­gen. Doch mein Ge­burts­tag kam und ging vor­bei. Ehr­lich ge­sagt, ist mir da­mit auch ei­ne gro­ße Last von den Schul­tern ge­fal­len. Denn ab die­sem Zeit­punkt war es okay, Fal­ten zu ha­ben. Heu­te kann ich viel frei­er le­ben, auch wenn ich nächs­tes Jahr 60 wer­de.

Was ist Ihr Be­au­ty-Ge­heim­nis? Mi­chel­le Pfeif­fer:

Ich fin­de es ein­fach nur wich­tig, dass man sich pflegt. Ich selbst füh­re ein glück­li­ches Le­ben. Ich fin­de, man sieht den Leu­ten an, ob sie glück­lich sind oder nicht. Es ist im­mer trau­rig, je­man­den zu se­hen, bei dem das le­bens­fro­he Fla­ckern in den Au­gen er­lo­schen ist.

Wür­den Sie sich al­so als star­ke Frau be­schrei­ben? Mi­chel­le Pfeif­fer:

Hm, kann man gar nicht so sa­gen. Aber ich ha­be lan­ge in Hol­ly­wood über­lebt. Viel­leicht macht mich das zu ei­ner star­ken Frau

Was war die größ­te Her­aus­for­de­rung in Ih­rem Le­ben? Mi­chel­le Pfeif­fer:

Ei­ne ar­bei­ten­de Mut­ter zu sein. Ich ha­be früh ge­lernt, dass man al­les ha­ben, aber lei­der nicht al­les tun kann. Ich ha­be vie­le be­ruf­li­che Mög­lich­kei­ten ge­op­fert, da­mit ich ei­ne bes­se­re Mut­ter sein kann – aber ich ha­be auch als Mut­ter ei­ni­ges ge­op­fert, um be­ruf­lich das zu tun, was ich lie­be.

Könn­ten Sie sich in ei­nen jün­ge­ren Mann ver­lie­ben? Mi­chel­le Pfeif­fer:

Nein, ich bin wahn­sin­nig in mei­nen Mann ver­liebt. Er ist mein bes­ter Freund, mein See­len­ver­wand­ter.

Wie schaf­fen Sie es, dass Ih­re Ehe so toll funk­tio­niert. Im­mer­hin sind Sie seit 24 Jah­ren glück­lich ver­hei­ra­tet. Mi­chel­le Pfeif­fer:

Ein Be­zie­hungs-Ex­per­te sag­te mal, dass man sich in ei­ner Be­zie­hung ein biss­chen ge­heim­nis­voll ver­hal­ten soll. Da stim­me ich gar nicht zu. Die Per­son im Le­ben, der man al­les sa­gen soll­te und ver­trau­en kann, ist der Part­ner. Vor ihm soll­test du nichts ver­heim­li­chen. Wir ar­bei­ten bei­de und ge­ben uns so­mit den Frei­raum, den man in ei­ner Be­zie­hung auch braucht. Aber wir sind auch tags­über per SMS in Ver­bin­dung. Wir lie­ben es, uns zu schrei­ben. Wir ver­su­chen auch, die ge­mein­sa­men Abend­es­sen mit der Fa­mi­lie ein­zu­hal­ten. Und Kel­ley und ich ge­hen auch gern es­sen, so ein ­rich­ti­ges­Ren­dez­vous.­•

Fal­ten ma­chen mir längst nichts mehr aus

come­back

Mi­chel­le Pfeif­fer war vie­le Jah­re nicht auf dem ro­ten Tep­pich, weil sie für die Fa­mi­lie da war. Jetzt ist sie zu­rück

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