Auf­re­ger des Mo­nats

„Die krie­gen in die Fres­se!“

Meins - - Inhalt -

Nicht erst Frau Nah­les zeigt es uns: Im­mer häu­fi­ger ent­glei­sen un­se­re Mit­men­schen ver­bal. Al­so, vor­ab mal: Über den Auf­tritt die­ser Frau nach der Bun­des­tags­wahl vor der Pres­se – und dann schön am Abend über das öf­fent­lich-recht­li­che Fern­se­hen in al­le Wohn­zim­mer ge­sen­det – könn­te ich mich noch im­mer aus dem Stand echauf­fie­ren! Sagt sie doch mit­ten in die Ka­me­ra: „Und ab mor­gen krie­gen sie in die Fres­se!“Mit „sie“mein­te die Frau Op­po­si­ti­ons­füh­re­rin die po­li­tisch An­ders­den­ken­den im Bun­des­tag. Ja, hat sie wirk­lich ge­sagt, das ha­be ich mir nicht aus­ge­dacht. „Fres­se“hab’ ich, da­von mal ganz ab­ge­se­hen, in der drit­ten Klas­se zum letz­ten Mal ge­sagt. Und zwar zu un­se­rem rot­haa­ri­gen Nach­bars­jun­gen, der im­mer „An-Ek­li­ka“statt „An­ge­li­ka“zu mir sag­te. Gut, mei­ne Re­ak­ti­on war nicht ge­ra­de en­gel­haft, aber ich fin­de, die Frau Nah­les ist trotz­dem ein Teu­fels­weib! Mei­nes Erach­tens darf je­mand, der ein öf­fent­li­ches Amt be­klei­det, im deut­schen Bun­des­tag den Vor­sitz ei­ner Frak­ti­on in­ne­hat, von un­se­ren Steu­er­gel­dern be­zahlt wird und da­mit, ver­dammt noch mal, auch ei­ne Vor­bild­funk­ti­on hat, nicht so ent­glei­sen!

Was sol­len denn bit­te die Kin­der den­ken?

Wenn die be­rühm­te Frau im Fern­se­her da so spre­chen darf, darf ich das auch. Na, so kommt das doch beim Nach­wuchs an. Und mor­gen dis­ku­tie­ren die so mit ih­ren Leh­rern. Das geht doch nicht! Aber ir­gend­wie scheint es schick zu sein, sich plump, roh und frech aus­zu­drü­cken. Zum Heu­len fin­de ich das! Aber wo sind sie nur hin, die vie­len schö­nen Wor­te, mit de­nen man sei­ne Wut aus­drü­cken könn­te? Ich den­ke da an Em­pö­rung, Grimm, Un­mut … Ach, ich könn­te ewig wei­te­re Wor­te auf­lis­ten, die wir kaum noch be­nut­zen, ob­wohl wir sie ha­ben. Da­bei ist es jetzt ja wirk­lich nicht so, dass ich mir je­den Mor­gen ein Müs­li aus Syn­ony­men ma­chen wür­de, aber so ein paar Aus­drucks­mög­lich­kei­ten hat doch je­der von uns im Kopf – und die müs­sen wir auch un­se­ren Kin­dern wei­ter­ge­ben, sonst sind die Wör­ter ir­gend­wann weg. Futsch, ver­schwun­den. Weil sie kei­ner mehr aus­spricht.

Ich mag un­se­re Spra­che ein­fach so gern, ich krie­ge ei­nen Föhn,

wenn ich Dumm­quatsch hö­ren muss oder Ve­r­un­stal­tun­gen oder – und das ist das Al­ler­schlimms­te – Ver­ro­hun­gen jed­we­der Art! Mei­ne Mut­ter hat mir als Kind für Eu­pho­rie­aus­brü­che à la „Das ist ja ein Ham­mer!“auf den Hin­tern ge­hau­en. Weil das ob­szön ist, hat sie ge­sagt, und Ham­mer den Pe­nis meint. Als in mei­ner Pu­ber­tät dann „geil“auf den Markt der Mo­de­wör­ter dräng­te, kam Haus­ar­rest da­zu. Ehr­lich ge­sagt, heu­te wür­de ich gern gan­ze Schul­hö­fe un­ter Ar­rest stel­len und Fuß­gän­ger­zo­nen ab­rie­geln – eben al­le Tum­mel­plät­ze, auf de­nen Leu­te „Fuck“ru­fen, wenn sie ei­gent­lich „Mist“mei­nen, oder „A…“, wo ein „Blöd­mann“viel tref­fen­der wä­re, und „voll geil“ge­schrien wird, wenn es hier­für kei­nen er­kenn­ba­ren Grund gibt. Voll geil? Hand aufs Herz, oder bes­ser auf den Mund, wo bit­te ist die­ser Aus­ruf je­mals pas­send? War­um sa­gen wir nicht mal ganz emo­tio­nal „se­xy“oder als Freu­den­aus­ruf „cool“, „toll“, „wun­der­bar“, „gran­di­os“? Das hat doch Klang, das putzt! Und zu gu­ter Letzt soll­te die­ses hoh­le „sau­gut“zu­min­dest in Re­stau­rants ver­bo­ten sein – auch für Ve­ge­ta­ri­er! PS: Rich­tig cool wä­re es üb­ri­gens ge­we­sen, lie­be Frau Nah­les, wenn Sie ge­sagt hät­ten: „Und ab mor­gen ha­ben Sie’s hier mit mir zu tun!“Denn in der Be­schei­den­heit liegt wah­re Grö­ße. •

Hal­lo, F au R Nah­les? G eht’s noch? We den R ve ba­le R Ent­glei­sun­gen jetzt schick?

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.