Lich­ter­glanz & Bu­den­zau­ber

Eu­ro­pas schöns­te Weih­nachts­märk­te

Meins - - Inhalt -

Mei­ne Frau Sa­bi­ne und ich sa­hen uns den Film „Brügge se­hen … und ster­ben“auf DVD an. Dar­in geht es um ei­nen jun­gen und ei­nen al­ten Ga­no­ven, die nach Brügge ge­schickt wer­den, um in der bel­gi­schen Stadt un­ter­zu­tau­chen. „Du, fan­dest du den Film auch so ro­man­tisch?“, frag­te mich mei­ne Frau. „Och“, ant­wor­te­te ich di­plo­ma­tisch. Mei­ne Frau war nicht amü­siert. „Hast du die­se nost­al­gi­sche Pracht nicht ge­se­hen, die­se er­ha­be­ne Schön­heit?“Na ja. Für mich war die Stadt in ers­ter Li­nie das Büh­nen­bild ei­ner net­ten Ko­mö­die!

An die­sem Abend stell­te mei­ne Frau fest, dass sie noch ei­nen Ge­burts­tags­wunsch frei hat­te und gern ver­rei­sen wür­de. Und drei­mal darf man ra­ten, wo­hin … „Schatz, lass uns doch im Win­ter ein paar Ta­ge nach Brügge fah­ren! Die­se Stadt ist die per­fek­te Ku­lis­se für mei­ne ge­lieb­te Vor­weih­nachts­stim­mung, die­sen un­ver­gleich­li­chen Mix

an­ge­kom­men klatscht mei­ne Gat­tin ent­zückt in die hän­de.

aus bun­ten Lich­tern, Leb­ku­chen, hei­ßem Glüh­wein und ,Jing­le Bells‘!“ Wir ste­hen auf dem Grote Markt und be­wun­dern das go­ti­sche Rat­haus und die ba­ro­cken Fas­sa­den, die zu Recht seit 1998 zum Welt­kul­tur­er­be der UNESCO ge­hö­ren. Ein­fach zau­ber­haft. Es ist ein ganz nor­ma­ler De­zem­berDi­ens­tag – und doch liegt ein Hauch von Sonn­tag über die­ser Sze­ne.

Aus den Ge­schäf­ten er­klin­gen Weih­nachts­lie­der, Bing Cros­by, Frank Si­na­tra und Lou­is Arm­strong wech­seln sich ab. Mei­ne Frau fin­det das schön, lei­se summt sie mit: „What a won­der­ful world!“Ver­liert da­bei aber nie den Blick fürs We­sent­li­che: Kön­nen wir mal kurz in den Schuh­la­den? Wie ha­ben die­se präch­ti­gen Häu­ser in Brügge bloß all die Jahr­hun­der­te un­ver­sehrt über­lebt? Für mei­ne Ant­wort muss ich län­ger aus­ho­len. Es ist näm­lich so: Brügge ver­dankt sein Aus­se­hen ei­ner Ka­ta­stro­phe. 1134 er­eig­ne­te sich ei­ne Sturm­flut, die so stark war, dass die Stadt plötz­lich ei­ne di­rek­te Ver­bin­dung zur Nord­see hat­te. Dar­aus ent­wi­ckel­te sich die flan­dri­sche Kle­in­stadt zu ei­nem der po­pu­lärs­ten Hä­fen in ganz Eu­ro­pa. Künst­ler und Bau­her­ren rück­ten an, die das Stadt­bild präg­ten. Erst spä­ter trock­ne­te die Was­ser­stra­ße aus, und die Stadt wur­de un­be­deu­tend. Das Gu­te: Nie­mand dach­te dar­an, al­te Ge­bäu­de ab­zu­rei­ßen. Selbst in bei­den Welt­krie­gen blieb Brügge un­be­rührt.

Zu den Din­gen, die man hier nicht braucht, ge­hört ein Stadt­plan. Da der his­to­ri­sche Stadt­kern nicht all­zu groß ist, kann man hier gut durch die Stadt strei­fen. Al­so schlen­dern mei­ne Frau und ich durch die ver­wun­sche­nen Gas­sen und las­sen die vor­weih­nacht­li­che At­mo­sphä­re auf uns wir­ken. Und dann, zwi­schen all den bun­ten Lich­tern, gön­nen wir uns end­lich Leb­ku­chen und hei­ßen Glüh­wein. •

aL­Le köSt­Lich­kei­ten der re­gio­na­len Kü­che be­kom­men wir in Brügge im „Gruut­hu­se Hof“

ho­li­day on ice für am­bi­tio­nier­te Ama­teu­re: Auf dem Markt­platz darf je­der sei­ne Run­den dre­hen

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