er­ben & ver­er­ben

So ver­mei­den wir Streit im Erb­fall

Meins - - Inhalt - VON ALEX EMUNDS Mar­tin Wah­lers ist Fach­an­walt für Er­brecht bei Din­geld­ein Rechts­an­wäl­te in Bi­cken­bach

Ge­mein­schaft soll ja ei­gent­lich was Gu­tes sein. Den­ken wir zu­min­dest, wenn wir das Wort un­ter­su­chen. Ein Ver­ständ­nis von Ei­nig­keit, ge­mein­sa­men Ent­schei­dun­gen und De­mo­kra­tie. In Er­ben­ge­mein­schaf­ten kann das al­ler­dings an­ders aus­se­hen. Hier ha­ben die meis­ten oft un­ter­schied­li­che In­ter­es­sen, viel­leicht wa­ren die Fron­ten vor dem Erb­fall schon ver­här­tet. Dann heißt es: Strei­tig­kei­ten ver­mei­den, so gut es geht. Und das klappt nur, wenn wir ge­nau wis­sen, wel­che Rech­te wir ha­ben. ➜ was ist ei­gent­lich ei­ne ­Er­ben­ge­mein­schaft­und­wa­sist ihr Ziel? Stirbt je­mand, kann sein Nach­lass an ei­ne oder auch meh­re­re Per­so­nen über­ge­hen. Bei Letz­te­rem bil­det sich ei­ne Er­ben­ge­mein­schaft. Der Nach­lass wird ge­mein­schaft­li­ches Ver­mö­gen. Wer als Teil der Ge­mein­schaft erbt, ist durch die ge­setz­li­che Erb­fol­ge

ge­re­gelt. Es sei denn, der Erb­las­ser hat selbst ei­ne Er­ben­ge­mein­schaft kon­stru­iert, z. B. per Tes­ta­ment. Ge­hö­ren wer­den uns zu­ge­sag­te Ge­gen­stän­de aber erst, wenn die Ver­tei­lung der Nach­lass­ge­gen­stän­de, die Er­baus­ein­an­der­set­zung, ab­ge­schlos­sen ist. Bis da­hin müs­sen wir uns mit den an­de­ren ge­mein­sam um das Er­be küm­mern, z. B. die Im­mo­bi­le, die zum Er­be ge­hört, in­stand hal­ten. Als Teil ei­ner Er­ben­ge­mein­schaft sind wir

al­so ge­zwun­gen, uns mit den an­de­ren aus­ein­an­der­zu­set­zen. Auch wenn wir nicht wol­len, viel­leicht weil seit Jah­ren kein Kon­takt be­stand. Und sie kann nur auf­ge­löst wer­den, wenn

das Er­be tei­lungs­reif ist. Heißt: Es muss u. a. fest­ste­hen, was ge­nau zum Nach­lass ge­hört, und al­le Ver­bind­lich­kei­ten müs­sen ge­tilgt sein – so­fern das Er­be ver­schul­det ist. Grund­sätz­lich hat je­der Er­be An­spruch auf

Sich­tung des Nach­las­ses.

Gilt­bei­Kon­flik­ten­da­sMehr­heits­prin­zip?Grund­sätz­lich hat je­der Mi­ter­be die

glei­chen Rech­te. Müs­sen Ent­schei­dun­gen über das Er­be ge­trof­fen wer­den, muss Ei­nig­keit herr­schen. Es gibt je­doch auch Aus­nah­men. Und da­durch ent­ste­hen Kon­flik­te. Bei­spiel: Muss das Haus des Erb­las­sers re­no­viert oder dem Mie­ter der Ei­gen­tums­woh­nung ge­kün­digt wer­den, gilt das Mehr­heits­prin­zip. Sind zwei von drei Ge­schwis­tern da­für, reicht das. Bei Ver­fü­gun­gen über den ge­sam­ten Nach­lass mit gro­ßer wirt­schaft­li­cher Aus­wir­kung muss im­mer Ei­nig­keit herr­schen. Soll­te es ganz ei­lig sein, wie im Fal­le von un­be­zahl­ten Rech­nun­gen, kann auch ein Mi­ter­be al­lein ent­schei­den. Recht hin oder her – da schlum­mert Kon­flikt­po­ten­zi­al. Wir soll­ten uns ge­mein­sam hin­set­zen und den Nach­lass auf­schlüs­seln, To-do-Lis­ten an­fer­ti­gen und Auf­ga­ben ver­tei­len. Und je­der hat die glei­chen Rech­te – nicht nur nach dem Ge­setz. was pas­siert, wenn der­Nach­lass­ver­schul­det­ist? Al­le Mi­ter­ben haf­ten für Ver­bind­lich­kei­ten – so­wohl mit ih­rem Er­b­an­teil als auch mit pri­va­ten Mit­teln. Per Ge­setz kön­nen Nach­lass­gläu­bi­ger ih­re For­de­run­gen bei al­len Mi­ter­ben gel­tend ma­chen. In­fo: Wir ha­ben in den ers­ten drei Mo­na­ten (Drei­mo­nats­ein­re­de) nach An­nah­me des Er­bes das Recht, Ver­bind­lich­kei­ten nicht be­glei­chen zu müs­sen. Haf­ten­wir­mit­un­se­re­mVer­mö­gen­für­Schul­den­des­Erb­las­sers? Ja. Ist ab­seh­bar, dass der Nach­lass über­schul­det ist, kön­nen wir durch ein Nach­las­sin­sol­venz­ver­fah­ren ver­hin­dern, dass Gläu­bi­ger auf un­ser Pri­vat­ver­mö­gen zu­grei­fen. Dann kön­nen sie ih­re For­de­run­gen

aus­schließ­lich an den Nach­lass stel­len. Al­ler­dings müs­sen wir be­den­ken, dass wir den Nach­lass nicht län­ger ver­wal­ten. Das über­nimmt der Nach­las­sin­sol­venz­ver­wal­ter.

➜ Kön­nen wir un­se­ren Erb­teil ei­ner an­de­ren Per­son

ab­tre­ten? Ja. Ver­kau­fen wir un­se­ren Erb­teil, über­tra­gen wir ihn an ei­ne an­de­re Per­son, oh­ne aber un­se­re Stel­lung als Er­be zu ver­lie­ren. Wer ei­nen Erb­teil kauft, wird al­so nicht au­to­ma­tisch Er­be. Er er­hält nur un­se­ren An­teil an den Nach­lass­ge­gen­stän­den, kann die Aus­ein­an­der­set­zung der Ge­mein­schaft for­dern und haf­tet für Ver­bind­lich­kei­ten. In­fo: Mi­ter­ben ha­ben ein Vor­kaufs­recht. Das gilt aber nicht fürs Ver­schen­ken.

➜ Müs­sen wir kla­gen, wenn wir uns nicht ei­ni­gen kön­nen? Erst mal kön­nen wir beim Nach­lass­ge­richt ei­nen An­trag auf Ver­mitt­lung

der Aus­ein­an­der­set­zung stel­len. Al­ler­dings gibt es kein Ur­teil, son­dern es soll ei­ne güt­li­che Ei­ni­gung ge­ben. Geht gar nichts mehr, kann je­der Mi­ter­be auch auf Aus­ein­an­der­set­zung kla­gen. Ei­ne Kla­ge ist aber nur er­folg­reich, wenn ein Er­be tei­lungs­reif ist. ➜ Lässt sich ei­ne Er­ben­ge­mein­schaft ver­mei­den? Das kann nur der Erb­las­ser zu Leb­zei­ten ma­chen. Soll­ten wir al­so ab­se­hen, dass un­se­re Lie­ben meh­re­re Er­ben be­den­ken wol­len, kön­nen wir sie über­zeu­gen, dass so Kon­flik­te ent­ste­hen kön­nen. Ei­ne Mög­lich­keit, das zu ver­hin­dern, ist, nur ei­nen Er­ben ein­zu­set­zen, der den Nach­lass ver­wal­tet. Al­le an­de­ren tre­ten dann „nur“als Ver­mächt­nis­neh­mer auf, die ih­re An­sprü­che ge­gen­über dem Er­ben gel­tend ma­chen müs­sen. Ei­ne wei­te­re Mög­lich­keit ist, je­man­den da­zwi­schen­zu­schal­ten, z. B. ei­nen Tes­ta­ments­voll­stre­cker, der den Nach­lass ver­wal­tet. •

Al­les in ru­he Ver­här­te­te Fron­ten lö­sen sich bei ei­nem gu­ten Tröpf­chen viel­leicht leich­ter auf

Kom­pro­miss­be­rei­te wer­den bes­ser dran sein als je­mand, der auf Bie­gen und Bre­chen sei­nen Wil­len durch­set­zen will Ja, hasT rEchT!

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