Gift-Er­pres­sung: Ex­per­ten ra­ten zur Acht­sam­keit

Son­der­kom­mis­si­on wer­tet An­ru­fe aus – Spur führt mög­li­cher­wei­se nach Nie­der­sach­sen

Meller Kreisblatt - - VORDERSEITE -

KON­STANZ/FRIED­RICHS­HA­FEN. Akri­bisch fahn­det die Po­li­zei nach ei­nem Su­per­mark­ter­pres­ser am Bo­den­see. Der Ge­such­te hat­te ver­gif­te­te Ba­by­nah­rung aus­ge­legt. Man müs­se be­fürch­ten, dass wei­te­re ver­gif­te­te Pro­duk­te auf­tauch­ten, sagt ein Po­li­zei­spre­cher. Ei­ne ge­ne­rel­le War­nung vor dem Kauf von Ba­by­nah­rung gibt es nicht. „Man soll­te ein­fach acht­sam sein“, sagt Chris­tia­ne Man­they von der Ver­brau­cher­zen­tra­le Ba­den-Würt­tem­berg. Sei die Ori­gi­nal­ver­pa­ckung un­ver­sehrt, sei man si­cher.

Bei der Po­li­zei ste­hen die Te­le­fo­ne nicht still. Nach dem Fund ver­gif­te­ter Le­bens­mit­tel in Fried­richs­ha­fen am Bo­den­see ha­ben sich Hun­der­te Men­schen mit Hin­wei­sen ge­mel­det. Ei­ner da­von stammt aus dem nie­der­säch­si­schen Pei­ne.

KON­STANZ/FRIED­RICHS­HA­FEN/PEI­NE. Noch kein Durch­bruch, aber vie­le Hin­wei­se auf den Tä­ter: Rund 1000 An­ru­fe und 200 E-Mails sind bis Frei­tag­nach­mit­tag zu dem Po­li­zei­groß­ein­satz we­gen ver­gif­te­ter Le­bens­mit­tel in Fried­richs­ha­fen am Bo­den­see ein­ge­gan­gen; et­wa 200 Hin­wei­se be­zo­gen sich auf die ge­such­te Person, teil­ten die Staats­an­walt­schaft und die Po­li­zei in Kon­stanz mit.

Ei­ner die­ser Hin­wei­se stammt aus dem nie­der­säch­si­schen Pei­ne. An­ge­stell­te ei­nes Dro­ge­rie­ge­schäfts in der In­nen­stadt in­for­mier­ten am Frei­tag­vor­mit­tag die Po­li­zei, weil sie ei­nen Mann be­ob­ach­tet hat­ten, der dem mut­maß­li­chen Er­pres­ser sehr ähn­lich ge­se­hen ha­be. Der Mann konn­te al­ler­dings vor Ein­tref­fen der Be­am­ten das Ge­schäft ver­las­sen, wie die Po­li­zei am Abend mit­teil­te. Ei­ne Fahn­dung ver­lief dem­nach zu­nächst oh­ne Er­geb­nis. Ei­ne Aus­wer­tung des Vi­deo­ma­te­ri­als und „in­ten­si­ve Spu­ren­su­che“ha­ben nach An­ga­ben der Po­li­zei er­ge­ben, dass der Ver­däch­ti­ge kei­ne Le­bens­mit­tel im Ge­schäft ver­gif­tet hat.

Die Vi­deo­auf­nah­men aus dem Ge­schäft in Pei­ne soll­ten in Ba­den-Würt­tem­berg aus­ge­wer­tet wer­den, sag­te ein Po­li­zei­spre­cher. Dort müss­ten die Auf­zeich­nun­gen mit dem Ori­gi­nal­vi­deo ei­ner

Über­wa­chungs­ka­me­ra ver­gli­chen wer­den.

Selbst wenn sich der Hin­weis als Luft­num­mer ent­puppt, ist die Po­li­zei vor­erst für je­den Tipp dank­bar, „Bis­lang zeich­net sich noch kei­ne hei­ße Spur ab, wes­halb die Er­mitt­lungs­be­hör­den nach wie vor auf die Mit­hil­fe der Be­völ­ke­rung bei der Fahn­dung nach dem mut­maß­li­chen Gift­aus­brin­ger set­zen“, er­klär­ten Ober­staats­an­walt Alex­an­der Bo­ger und Po­li­zei­vi­ze­prä­si­dent Uwe Stür­mer. Das Call­cen­ter des Po­li­zei­prä­si­di­ums Kon­stanz mit ei­nem Dut­zend Mit­ar­bei­tern bleibt da­her rund um die Uhr

be­setzt. Am Don­ners­tag hat­te die Po­li­zei Fahn­dungs­bil­der ei­nes drin­gend tat­ver­däch­ti­gen Man­nes in ei­nem Su­per­markt ver­öf­fent­licht.

Die 220 Er­mitt­ler der Son­der­kom­mis­si­on „Ap­fel“wür­den die Hin­wei­se „akri­bisch“aus­wer­ten und zu­nächst be­stim­men, „wel­che da­von Prio­ri­tät ha­ben und wel­che in die War­te­schlei­fe kom­men“.

Der Tat­ver­däch­ti­ge soll mit der er­neu­ten Plat­zie­rung von ver­gif­te­ten Le­bens­mit­teln in Su­per­märk­ten und Dro­ge­ri­en ge­droht ha­ben, um ei­ne zwei­stel­li­ge Mil­lio­nen­sum­me zu er­pres­sen. Mit­te Sep­tem­ber wa­ren fünf ver­gif­te­te

Gläs­chen mit Ba­by­nah­rung in Fried­richs­ha­fen ent­deckt wor­den. Ge­fahn­det wird nach dem Er­pres­ser auch im Aus­land, vor al­lem in Ös­ter­reich und der Schweiz.

Die Po­li­zei fürch­tet wei­te­re Ta­ten. „Wir kön­nen nicht aus­schlie­ßen, dass der Er­pres­ser über das Wo­che­n­en­de er­neut ver­gif­te­te Le­bens­mit­tel aus­bringt“, sag­te Pres­se­spre­cher Jens Pu­rath am Frei­tag im ZDF-„Mor­gen­ma­ga­zin“. Dies sei der Grund ge­we­sen, dass die Po­li­zei das The­ma pu­blik ge­macht ha­be.

Die Po­li­zei geht ak­tu­ell da­von aus, al­le bis­her ver­gif­te­ten Glä­ser ent­deckt zu ha­ben.

Das Gift Ethy­lengly­col sei in die Ba­by­nah­rung ein­ge­rührt wor­den, hieß es von der Po­li­zei. Beim Ver­zehr droh­ten „sehr ernst­haf­te Ge­sund­heits­ge­fah­ren bis hin zum Tod“. Die Dro­hung des un­be­kann­ten Er­pres­sers um­fas­se aber nicht nur Ba­by­nah­rung.

Su­per­märk­te und Ge­schäf­te in der ge­sam­ten Re­gi­on er­klär­ten lo­ka­len Me­dien­be­rich­ten zu­fol­ge, dass sie ih­re Be­stän­de an­ge­sichts die­ser Dro­hung ge­nau­es­tens prü­fen.

Mehr Hin­ter­grün­de zu der Er­pres­sung le­sen Sie im In­ter­net auf noz.de/ver­misch­tes

Fo­to: im­a­go/Jür­gen Hein­rich

Kein Grund zur Pa­nik – auch nicht bei Ba­by­nah­rung: Die Po­li­zei rät, Ver­pa­ckun­gen gründ­lich zu prü­fen.

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