SPD und Lin­ke nä­hern einander an

Nah­les: Müs­sen uns in der Op­po­si­ti­on ver­stän­di­gen – Schwe­sig weist Spe­ku­la­ti­on über neue Gro­ko zu­rück

Meller Kreisblatt - - VORDERSEITE -

BER­LIN. SPD-Frak­ti­ons­che­fin Andrea Nah­les ist zur Ko­ope­ra­ti­on mit der Link­s­par­tei im Bun­des­tag be­reit. Sie rief die Lin­ke auf, ei­nen Schritt auf die So­zi­al­de­mo­kra­ten zu­zu­ge­hen. Der­weil sorgt ei­ne Äu­ße­rung von Ex-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Op­per­mann für Auf­se­hen.

Zwei Ta­ge nach ih­rer Wahl zur Frak­ti­ons­che­fin hat Andrea Nah­les ei­nen Schritt auf die Link­s­par­tei zu ge­macht. Un­ter­des­sen rief Par­tei­chef Schulz die SPD-Mit­glie­der zur Er­neue­rung der So­zi­al­de­mo­kra­tie auf.

BER­LIN. Füh­ren­de Lin­ken-Po­li­ti­ker ha­ben das An­ge­bot von SPD-Frak­ti­ons­che­fin Andrea Nah­les für ei­ne Zu­sam­men­ar­beit im Bun­des­tag be­grüßt. „Wir freu­en uns, dass sich die SPD end­lich aus der Um­klam­me­rung der Uni­on lö­sen will“, sag­te Frak­ti­ons­chef Diet­mar Bartsch den Zei­tun­gen des Re­dak­ti­ons­netz­werks Deutsch­land. „Wir wer­den sie aber an ih­ren Ta­ten, nicht an Wor­ten mes­sen.“Auch die Lin­ke schlie­ße „ei­ne Ko­ope­ra­ti­on mit der SPD im Bun­des­tag nicht aus“, sag­te Ko-Frak­ti­ons­che­fin Sah­ra Wa­genk­necht den RND-Zei­tun­gen.

Nah­les hat­te zu­vor dem Ma­ga­zin „Spie­gel“ge­sagt: „Wir ha­ben jetzt vier Jah­re in der Op­po­si­ti­on vor uns, und wir müs­sen uns über un­se­re ge­mein­sa­me Ver­ant­wor­tung für un­se­re De­mo­kra­tie auf

die ei­ne oder an­de­re Wei­se ver­stän­di­gen.“Sie for­der­te ih­re Par­tei auf, pro­gram­ma­tisch fun­da­men­tal neue We­ge zu ge­hen und künf­tig auch ei­ne deut­li­che Ka­pi­ta­lis­mus­kri­tik nicht zu scheu­en. „Wir ha­ben es ver­säumt, die ne­ga­ti­ven Sei­ten der Glo­ba­li­sie­rung zu the­ma­ti­sie­ren“, sag­te sie. Die SPD müs­se „wie­der ler­nen, den Ka­pi­ta­lis­mus zu ver­ste­hen und, wo nö­tig, scharf zu kri­ti­sie­ren“. Al­ler­dings müs­se die Link­s­par­tei

ih­rer­seits ei­nen Schritt auf die So­zi­al­de­mo­kra­ten zu­ge­hen und nicht län­ger als „An­ti-SPD“auf­tre­ten.

Da­zu sag­te Wa­genk­necht: „Wir kön­nen Frau Nah­les be­ru­hi­gen: Wir pfle­gen kein An­ti-SPD-Dog­ma.“Es ge­he al­lein dar­um, ei­ne so­zia­le Al­ter­na­ti­ve in Deutsch­land durch­zu­set­zen. Die Lin­ke wün­sche sich, „zu­künf­tig ei­nen glaub­wür­di­ge­ren Part­ner im Kampf für ei­ne so­zia­le Wen­de“zu ha­ben.

SPD-Chef Mar­tin Schulz schrieb in ei­nem Brief an die Par­tei­mit­glie­der, er wol­le ge­mein­sam mit Nah­les „den drin­gend not­wen­di­gen Neu­an­fang der SPD vor­an­brin­gen“. Zu­gleich über­nahm er „als Par­tei­vor­sit­zen­der und Kanz­ler­kan­di­dat die Haupt­ver­ant­wor­tung“für die Wahl­nie­der­la­ge vom Sonntag. Ei­nen Rück­tritt lehn­te er aber er­neut ab. „Na­tür­lich ha­be ich am Sonn­tag­abend mit mir ge­run­gen und mich ge­fragt, ob es nicht bes­ser wä­re zu­rück­zu­tre­ten“, räum­te der SPD-Chef ein. Nach vie­len Ge­sprä­chen sei er da­von aber ab­ge­kom­men. Kri­tik üb­te Schulz an den Zeit­ab­läu­fen bis zu sei­ner No­mi­nie­rung: „Wie schon 2009 und 2013 ha­ben wir auch die­ses Mal beim Ver­fah­ren zur Be­stim­mung des Kanz­ler­kan­di­da­ten ei­nen Weg ge­wählt, der uns zu we­nig Zeit für die Vor­be­rei­tung der Kam­pa­gne ge­las­sen hat.“

In ei­ner Um­fra­ge von In­fra­test Di­map für die „Welt am Sonntag“spra­chen sich 54 Pro­zent für den Ver­bleib von Schulz an der Par­tei­spit­ze aus, von den SPD-An­hän­gern so­gar 75 Pro­zent.

SPD-Vi­ze Ma­nue­la Schwe­sig wies der­weil Be­rich­te zu­rück, dass die SPD ihr Nein zu ei­ner Gro­ßen Ko­ali­ti­on im Fal­le ei­nes Rück­zugs von Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) über­den­ken könn­te. „Spe­ku­la­tio­nen al­ler Art sind un­nö­tig“, sag­te sie dem „Ta­ges­spie­gel“. „Es gibt kei­ne Hin­ter­tür.“Zu­vor hat­te der frü­he­re SPD-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Op­per­mann im ZDF ge­sagt: „Un­ser Platz ist in der Op­po­si­ti­on, das ist ein­deu­tig.“Soll­te Mer­kel sich zu­rück­zie­hen, wä­re dies je­doch „in der Tat ei­ne neue Si­tua­ti­on“.

Nach der Wahl: Be­rich­te und Mei­nun­gen auf noz.de/po­li­tik

Fo­to: dpa

Andrea Nah­les

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