Kri­mi­na­li­tät geht deut­lich zu­rück

Kri­mi­na­li­tät auf Zehn-Jah­res-Tief – Dras­ti­scher Rück­gang bei Ein­brü­chen – Kri­tik an Sta­tis­tik

Meller Kreisblatt - - VORDERSEITE - Von Klaus Wie­sche­mey­er

HAN­NO­VER. Nie­der­sach­sens Po­li­zei hat im ers­ten Halb­jahr 2017 weit we­ni­ger Straf­ta­ten ver­zeich­net als im Vor­jah­res­zeit­raum. Be­son­ders bei Dieb­stäh­len und Woh­nungs­ein­brü­chen gin­gen die Fall­zah­len klar zu­rück. Auch gab es we­ni­ger tat­ver­däch­ti­ge Flücht­lin­ge.

Nie­der­sach­sen war in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren noch nie so si­cher wie heu­te. Das er­klär­te In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us am Frei­tag bei der ers­ten Vor­stel­lung ei­ner Halb­jah­res kri­mi­nal­sta­tis­tik.

HAN­NO­VER. Die Kri­mi­na­li­tät in Nie­der­sach­sen sinkt. Das geht aus den Halb­jah­res­zah­len der Po­li­zei­li­chen Kri­mi­na­li­täts­sta­tis­tik (PKS) her­vor, die In­nen­mi­nis­ter Bo­ris Pis­to­ri­us (SPD) am Frei­tag erst­mals öf­fent­lich vor­stell­te. Bis­lang hat­te das Mi­nis­te­ri­um nur Jah­res­zah­len ver­öf­fent­licht, die Halb­jah­res­zah­len dien­ten nur dem in­ter­nen Ge­brauch.

Die­sen zu­fol­ge ist die Zahl der Straf­ta­ten im ers­ten Halb­jahr 2017 im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum um mehr als acht Pro­zent auf 268 080 Fäl­le ge­sun­ken. Ins­be­son­de­re bei den Woh­nungs­ein­brü­chen ge­hen die Zah­len dem­nach dras­tisch zu­rück: Von Ja­nu­ar bis Ju­ni 2017 wur­den 8374 Fäl­le ver­zeich­net, das sind 17,58 Pro­zent we­ni­ger als im Vor­jahr.

Auch der Be­reich der Po­li­zei­di­rek­ti­on Osnabrück ver­mel­det auf An­fra­ge un­se­rer Re­dak­ti­on Rück­gän­ge. Dem­nach wur­den im ers­ten Halb­jahr 2017 ins­ge­samt 43 546 Straf­ta­ten re­gis­triert, das sind acht Pro­zent we­ni­ger als im Vor­jah­res­zeit­raum. Die Zahl der Woh­nungs­ein­brü­che ging so­gar um 31,8 Pro­zent­punk­te zu­rück. „Nie­der­sach­sen war in den letz­ten zehn Jah­ren noch nie so si­cher wie ak­tu­ell“, sag­te Pis­to­ri­us und dank­te den „hoch mo­ti­vier­ten Po­li­zis­ten“und Mit­ar­bei­tern der Si­cher­heits­be­hör­den im Land.

In ein­zel­nen Be­rei­chen kam es zu Zu­nah­men: So ver­zeich­ne­te das Land mit 67 Mor­den ein Zehn-Jah­res­Hoch: Von die­sen rech­net die Po­li­zei aber al­lein 32 Fäl­le dem Kran­ken­haus­mör­der Niels Hö­gel zu. Auch bei den Ver­ge­wal­ti­gun­gen no­tier­te die Po­li­zei ei­nen An­stieg. Axel Brock­mann vom nie­der­säch­si­schen In­nen­mi­nis­te­ri­um führt dies auf die ver­schärf­ten Ge­set­ze zu­rück. Bei den 486 im ers­ten Halb­jahr 2017 an­ge­zeig­ten Ver­ge­wal­ti­gun­gen im Land wur­den 298 Deut­sche als Tat­ver­däch­ti­ge er­mit­telt. Nicht­deut­sche wur­den in 59 Fäl­len als Ver­däch­ti­ge er­mit­telt, Flücht­lin­ge in wei­te­ren 60 Fäl­len. Ins­ge­samt sei die Zahl der tat­ver­däch­ti­gen Flücht­lin­ge ge­sun­ken. „Ob­wohl sich mehr Flücht­lin­ge im Land auf­hal­ten, ge­hen die Straf­ta­ten si­gni­fi­kant zu­rück“, sag­te der Mi­nis­ter.

Die Ge­werk­schaft der Po­li­zei (GdP) schloss sich dem Po­li­zis­ten­lob des Mi­nis­ters an. Die Deut­sche Po­li­zei­ge­werk­schaft (DPolG) hin­ge­gen kri­ti­sier­te Pis­to­ri­us für die Ver­öf­fent­li­chung von Halb­jah­res­sta­tis­ti­ken: „Wir be­zwei­feln die Va­li­di­tät der Zah­len“, sag­te der Lan­des­vor­sit­zen­de Alex­an­der Zim­behl. Der In­nen­mi­nis­ter ma­che mit die­sen Zah­len Wahl­kampf, da­bei „ist die Po­li­zei kei­ne po­li­ti­sche Or­ga­ni­sa­ti­on“, stell­te Zim­behl klar.

CDU-Schat­ten­in­nen­mi­nis­ter Gün­ther Heiß warf Pis­to­ri­us „bil­li­gen Wahl­kampf mit win­di­gen Zah­len“vor. Mit den aus dem Zu­sam­men­hang ge­ris­se­nen Da­ten wol­le er von Pro­ble­men ab­len­ken.

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