Ko­ali­ti­ons­krach um För­der­mil­lio­nen

SPD und CDU ge­ra­ten bei der Re­gio­nal­ver­tei­lung von Mit­teln an­ein­an­der

Meller Kreisblatt - - NORDWEST - Von Klaus Wie­sche­mey­er

HAN­NO­VER. Am Frei­tag­mor­gen de­mons­trier­ten die Kon­tra­hen­tin­nen im Land­tag Ei­nig­keit: CDU-Agrar­mi­nis­te­rin Bar­ba­ra Ot­te-Ki­nast und SPD-Eu­ro­pa­mi­nis­te­rin Birgit Ho­né such­ten ge­gen­sei­ti­ge Nä­he und herz­ten ein­an­der. Ot­te-Ki­nast ver­ließ so­gar ih­ren Platz auf der Ka­bi­netts­bank und setz­te sich ne­ben Ho­né. Zu­vor wa­ren bei­de Mi­nis­te­ri­en hef­tig an­ein­an­der­ge­ra­ten. Erst nach meh­re­re Kri­sen­tref­fen und nach In­ter­ven­ti­on durch Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) gab es ei­ne vor­läu­fi­ge Ei­ni­gung.

Der Streit dreht sich um mil­li­ar­den­schwe­re EU-För­der­töp­fe mit un­spek­ta­ku­lä­ren Na­men. Aus­lö­ser ist ei­ne Än­de­rung der Ver­tei­lungs­schlüs­sel von 46 Mil­lio­nen Eu­ro aus „Zile“-Mit­teln an die vier Re­gio­nal­äm­ter. Das Agrar­mi­nis­te­ri­um hat­te die bis­her ge­vier­tel­ten Zu­wei­sun­gen zu­guns­ten von We­ser-Ems und Lü­ne­burg um­ge­schich­tet. Im SPD-las­ti­gen Braun­schwei­ger Land, wo der För­der­topf um fünf Pro­zent­punk­te schrumpf­te, ha­gel­te es Pro­tes­te.

Will­kür­li­che Ver­tei­lung

Am Frei­tag­mor­gen ru­der­te Ot­te-Ki­nast im Land­tag zu­rück. „Wir wer­den zu ei­ner Kom­pen­sa­ti­on in den bei­den Be­zir­ken kom­men“, ver­sprach sie. Zu­dem wer­de man den Ver­tei­lungs­schlüs­sel

eva­lu­ie­ren. Das be­deu­tet, dass das struk­tur­schwa­che Süd­nie­der­sach­sen zu­nächst ei­ni­ge Mil­lio­nen an Bun­des­mit­teln be­kom­men soll. Bei der SPD heißt es zu­dem, dass 2019 der al­te Ver­tei­lungs­pro­porz von je­weils ei­nem Vier­tel wie­der­her­ge­stellt wer­de. Bei der CDU hört sich das et­was an­ders an. „Die bis­he­ri­ge will­kür­li­che Mit­tel­ver­tei­lung wird be­en­det. Jetzt er­folgt die Mit­tel­ver­tei­lung nach ob­jek­ti­ven Kri­te­ri­en“, lob­te CDUFrak­ti­ons­chef Dirk To­e­pffer die Um­ver­tei­lung.

Der Streit zwi­schen Agrarund Eu­ro­pa­mi­nis­te­ri­um reicht aber weit tie­fer: Es geht um die EU-För­de­rung für den länd­li­chen Raum. Brüssel gibt Mil­li­ar­den ins Land: Pro Jahr flie­ßen über ei­ne ers­te För­der­säu­le pau­schal 301 Eu­ro pro Hekt­ar an Land­wir­te und an­de­re Land­be­sit­zer. In ei­ner zwei­ten Säu­le gibt Brüssel in der För­der­pe­ri­ode 2014 bis 2020 ins­ge­samt 1,12 Mil­li­ar­den Eu­ro nach Nie­der­sach­sen. Über Ko­fi­nan­zie­run­gen von Bund und Land wächst die För­de­rung der zwei­ten Säu­le auf 2,3 Mil­li­ar­den Eu­ro.

Angst um EU-Mit­tel

Das wird wohl nicht so blei­ben. Am 2. Mai will EUFi­nanz­kom­mis­sar Gün­ther Oet­tin­ger ein neu­es EUBud­get vor­schla­gen. Gut mög­lich, dass dank Br­ex­its und an­de­rer neu­er EU-Auf­ga­ben der Topf für Re­gio­na­les schrumpft. Ho­né hat­te ge­gen­über un­se­rer Re­dak­ti­on ge­for­dert, die zwei­te Säu­le aus­zu­bau­en. Im CDU-ge­führ­ten Agrar­mi­nis­te­ri­um fürch­tet man ei­nen die Land­wir­te tref­fen­den Kahl­schlag der ers­ten Säu­le. Zu­dem weh­ren sich die CDUMi­nis­te­ri­en ge­gen den An­spruchs Ho­nés, die EU-För­de­run­gen aus den Res­sorts Agrar, Wirt­schaft und Wis­sen­schaft in ih­rem Haus zu bün­deln. Die am Frei­tag de­mons­trier­te Ei­nig­keit dürf­te nicht von lan­ger Dau­er sein.

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