Ei­ne Ära geht zu En­de

Ar­sè­ne Wen­ger hört im Sommer als Trai­ner des FC Ar­senal auf – „Das ist sehr emo­tio­nal“

Meller Kreisblatt - - SPORT - Von Phi­lip Deth­lefs

Bil­der ei­ner Trai­ner-Ära: Ar­sè­ne Wen­ger mit den ge­hol­ten Tro­phä­en und mit Weg­be­glei­tern wie den Spie­lern Thier­ry Hen­ry, Me­sut Özil, Jens Leh­mann oder Trai­ner-Kol­le­ge Jo­sé Mour­in­ho, mit dem er in herz­li­cher Ab­nei­gung ver­bun­den war. Fo­tos: Wit­ters, im­a­go (Co­lor­sport (4), Xin­hua, Pas­sa­ge, Mar­riott (2), Kraft)

Nach 22 Jah­ren tritt Ar­sè­ne Wen­ger im Sommer als Trai­ner des FC Ar­senal zu­rück. In London sorgt das für ge­misch­te Ge­füh­le. Wen­ger war zu­letzt zwar um­strit­ten, er steht aber auch für die er­folg­reichs­te Zeit des Clubs. LONDON. Per Mer­te­sacker muss­te die Nach­richt von Ar­sè­ne Wen­gers bal­di­gem Ab­schied erst mal sa­cken las­sen. „Wir wur­den im Prin­zip gera­de erst in­for­miert“, sag­te der Ka­pi­tän am Frei­tag, nach­dem sein Trai­ner an­ge­kün­digt hat­te, im Sommer nach fast 22 Jah­ren beim FC Ar­senal auf­zu­hö­ren. „Das ist sehr emo­tio­nal. Wir ha­ben zwar Zeit, um das zu ver­ar­bei­ten, aber jetzt gera­de ist es ein­fach nur ein Ge­fühl der Trau­er“, sag­te Mer­te­sacker, der ab Sommer das Nach­wuchs­zen­trum des Ver­eins lei­ten wird.

Trai­ner­kol­le­ge Jupp Heynckes vom FC Bay­ern wür­dig­te Wen­ger als „ei­nen der Toptrai­ner im eu­ro­päi­schen Fuß­ball“. Li­ver­pool-Coach Jür­gen Klopp nann­te ihn „ei­ne her­aus­ra­gen­de Per­sön­lich­keit“. Das ist es auch, wor­auf die Ar­senal-Bos­se und vie­le Fans jetzt hof­fen. Wen­ger, der nicht nur Ar­senal, son­dern auch den eng­li­schen Fuß­ball der 1990er-Jah­re re­vo­lu­tio­niert

hat, galt zu­letzt als Mann des Still­stands. In die­ser Sai­son ha­ben die Gun­ners als Sechs­ter gan­ze 33 Punk­te Rück­stand auf den Meis­ter Man­ches­ter Ci­ty.

Ob sein Ab­schied ein Jahr vor dem En­de sei­nes lau­fen­den Ver­trags sei­ne ei­ge­ne Ent­schei­dung war oder die Ver­eins­füh­rung doch die Ge­duld ver­lo­ren hat, blieb am Frei­tag of­fen. „Nach ge­nau­en Über­le­gun­gen und Dis­kus­sio­nen mit dem Ver­ein ha­be ich das Ge­fühl, dass es die rich­ti­ge Zeit ist, um am En­de der Sai­son zu­rück­zu­tre­ten“, wur­de Wen­ger auf der Ar­senal-Web­site zi­tiert. Das lässt

Spiel­raum für In­ter­pre­ta­tio­nen, zeugt aber auch von gu­tem Stil oh­ne das Wa­schen schmut­zi­ger Wä­sche.

„Ar­sè­ne wer?“, hat­te ei­ne Lon­do­ner Zei­tung ge­schrie­ben, als Wen­ger im Sep­tem­ber 1996 prä­sen­tiert wur­de. An­dert­halb Jah­re spä­ter, nach der ers­ten kom­plet­ten Sai­son als Ar­senal-Coach, hat­te Wen­ger schon das Dou­ble aus Pre­mier Le­ague und FA Cup ge­holt. Auch der Um­zug vom High­bu­ry ins lu­kra­ti­ve Emi­ra­tes Sta­di­on ist mit Wen­ger ver­bun­den.

„Ei­ner der Grün­de, war­um wir uns bei Ar­senal en­ga­giert ha­ben, war das, was Ar­sè­ne

auf und ne­ben dem Platz in den Club ge­bracht hat“, teil­te Mehr­heits­eig­ner Stan Kro­en­ke mit. Der Wen­ger-Fan sprach von ei­nem „der schwie­rigs­ten Ta­ge, die wir in all un­se­ren sport­li­chen Jah­ren hat­ten“. Ein neu­er Trai­ner soll „so­bald wie mög­lich“prä­sen­tiert wer­den, sag­te er.

Die Lis­te der Kan­di­da­ten, über die spe­ku­liert wird, ist lang. Der „Ki­cker“hat­te im März ver­mel­det, Tho­mas Tu­chel ste­he schon als Nach­fol­ger fest. Nun rückt der frü­he­re Dort­mund-Coach wie­der in den Fo­kus. Bri­ti­sche Me­di­en nann­ten Bun­des­trai­ner Joa­chim Löw und Ex-Bay­ern-Coach Car­lo An­ce­lot­ti als Al­ter­na­ti­ven. Wen­ger hat­te Ex-Ar­senal-Pro­fi Patrick Viei­ra ins Ge­spräch ge­bracht.

Ma­xi­mal acht Spie­le wird Wen­ger noch für Ar­senal auf der Bank sit­zen – fünf in der Li­ga, drei, wenn es gut läuft, in der Eu­ro­pa Le­ague: Am Don­ners­tag emp­fan­gen die Gun­ners im Halb­fi­na­le At­lé­ti­co Madrid. Soll­te Ar­senal den Ti­tel ho­len, könn­te Wen­ger dem Club zum Ab­schied ein Ge­schenk ma­chen. Ne­ben der Tro­phäe wä­re Ar­senal auch für die Cham­pi­ons Le­ague qua­li­fi­ziert – nach 22 Jah­ren wä­re das ein fi­na­ler Coup für die Trai­ner­le­gen­de.

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