Mein lie­ber Herr Ge­sangs­ver­ein

Meller Kreisblatt - - IN DER FAMILIE - Von Alex­an­der Ha­ma­cher

Ich hän­ge zu­sam­men mit mei­ner Frau im Zim­mer un­se­res Soh­nes ei­ne Lam­pion­ket­te auf und schla­ge mir mit vol­ler Wucht mit dem Ham­mer auf den Dau­men. „Schei­ße!“, hö­re ich mich ru­fen, di­rekt ge­folgt von ei­nem „Ähh Schei­ben­kleis­ter, mein ich“.

Ich ha­be be­schlos­sen, jetzt da­mit an­zu­fan­gen, be­stimm­te Wör­ter zu Hau­se aus mei­nem Sprach­schatz zu strei­chen, da­mit es mir spä­ter nicht so schwer­fällt. So die Theo­rie. In der Pra­xis ist das ganz schön sch...wie­rig und führt da­zu, dass mir erst jetzt so rich­tig be­wusst wird, wie häu­fig ich doch Kraft­aus­drü­cke in mei­nem all­täg­li­chen Sprach­ge­brauch be­nut­ze.

Si­cher­lich ver­steht mein Sohn noch nicht, was ich sa­ge, aber sein ers­tes Wort nach Ma­ma und Pa­pa soll­te nicht das S-Wort sein. Jetzt ist al­so Krea­ti­vi­tät bei mir und mei­ner Frau ge­fragt. Durch was er­set­zen wir die „bö­sen Wör­ter“? Da gibt es ja die Klas­si­ker: Sch..ei­ben­kleis­ter oder ach du Sch...an­de. Wenn ich mir jetzt vor­stel­le, ich sit­ze abends beim ge­pfleg­ten Kölsch mit den Jungs zu­sam­men, dann füh­ren je­doch Aus­drü­cke wie „mein lie­ber Herr Ge­sangs­ver­ein!“, „ach du hei­li­ger Bimbam!“oder auch „ach du grü­ne Neu­ne!“eher zu schal­len­dem Ge­läch­ter. Die größ­ten Her­aus­for­de­run­gen wer­den de­fi­ni­tiv die­se Mo­men­te sein, in de­nen gro­ße Emo­tio­nen im Spiel sind, wie beim Auf­hän­gen der Lam­pion­ket­te, als der Ham­mer ge­fühlt mei­nen Dau­men zer­trüm­mer­te. Als ich mit mei­nen Kol­le­gen über die­ses The­ma sprach, wur­den mei­ne Il­lu­sio­nen ei­nes kraft­aus­druck­frei­en Kin­des je­doch schnell zer­stört. „War­te mal ab, ei­nen Tag in der Ki­ta, und al­les war für den A... äh, die Katz“, be­kom­me ich zu hö­ren. Was das an­geht, bin ich aber alt­mo­disch und möch­te min­des­tens den Ver­such wa­gen, mei­nem Sohn be­greif­lich zu ma­chen, dass es Wör­ter gibt, die man nicht sagt. Ich bin mir schon be­wusst, dass mein Vor­ha­ben nicht in Gän­ze fruch­ten wird.

Hät­te das da­mals bei mir funk­tio­niert, hät­te ich das Pro­blem der Um­ge­wöh­nung ja jetzt erst gar nicht.

Alex­an­der Ha­ma­cher ist stol­zer Pa­pa ei­nes Soh­nes und Vi­deo­re­por­ter.

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