Le­ga­ler Skan­dal

Meller Kreisblatt - - REGION - Von Je­an-Charles Fays j.fays@noz.de

Der Markt­füh­rer un­ter den Woh­nungs­ver­mie­tern hat auch ei­ne be­son­de­re so­zia­le Ver­ant­wor­tung. Es kann nicht sein, dass die Ärms­ten die Ze­che zah­len, wenn Deutsch­lands größ­ter Wohn­kon­zern den Wert der ei­ge­nen Im­mo­bi­li­en stei­gert. Ei­ne Miet­erhö­hung um 47 Pro­zent ist un­ver­schämt. Der ge­sell­schaft­li­che Skan­dal ist, dass die­se le­gal ist.

Mög­lich macht es ei­ne Mo­der­ni­sie­rungs­um­la­ge, die es dem Ver­mie­ter er­laubt, dau­er­haft pro Jahr elf Pro­zent der Kos­ten auf die Mie­ter ab­zu­wäl­zen. Ob­wohl die Kos­ten nach et­wa neun Jah­ren be­zahlt sind, trägt der Mie­ter auch da­nach noch die er­höh­te Mie­te. Wenn die Bun­des­re­gie­rung die­se Um­la­ge nun auf acht Pro­zent pro Jahr sen­ken will, macht das die Sa­che nicht viel bes­ser. Es än­dert nur, dass es drei­ein­halb Jah­re län­ger dau­ert, bis der Mie­ter die Kos­ten ab­be­zahlt hat. Das Pro­blem, dass die Miet­erhö­hung dau­er­haft gilt, bleibt.

Es ist rich­tig, Ge­bäu­de en­er­ge­tisch zu sa­nie­ren. Es ent­steht aber der Ein­druck, dass Vo­no­via ein­kom­mens­schwa­che Mie­ter oder Hartz-IV-Emp­fän­ger her­aus­mo­der­ni­siert. Hin­zu kommt, dass die Er­spar­nis bei den Ne­ben­kos­ten nur ei­nen Bruch­teil der Miet­erhö­hung aus­macht. Die Frie­dens­stadt soll­te mit dem Kon­zern dar­über spre­chen, denn die meis­ten der 3500 Woh­nun­gen, die die Stadt mit der Woh­nungs­bau­ge­sell­schaft OWG in 2004 ver­kauft hat, ge­hö­ren nun Vo­no­via.

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