Das Ro­bo­ter­au­to rollt her­an

Zu­kunft Was die Ide­en rund um die Mo­bi­li­tät von mor­gen für deut­sche Her­stel­ler be­deu­ten

Memminger Zeitung - - Wirtschaft - Thomas Strünkelnberg, dpa

Frankfurt am Main Al­le Welt spricht von Ro­bo­ter­au­tos, VW-Chef Mat­thi­as Mül­ler rollt stolz in der selbst­fah­ren­den Stu­die Sed­ric auf die Büh­ne. Ge­wöh­nungs­be­dürf­tig, aber es macht schnell Spaß, ur­teilt der Kon­zern­chef. Auf dem „New-Mo­bi­li­ty“-Au­ßen­are­al brem­sen Test­wa­gen un­er­müd­lich vor Hin­der­nis­sen und wei­chen em­sig Fuß­gän­gern aus Pap­pe aus. Deut­lich wie nie zu­vor wird auf der Mes­se in Frankfurt, dass die Bran­che voll in den Kampf um die Zu­kunft ein­ge­stie­gen ist, in der au­to­no­mes Fah­ren heu­ti­ge Ge­schäfts­mo­del­le der Her­stel­ler er­schüt­tern kann.

Der Schlüs­sel für den Wan­del sind vor al­lem Mo­bi­li­täts­diens­te, die mit der Aus­brei­tung selbst­fah­ren­der Ro­bo­ta­xis durch­star­ten kön­nen. Das könn­te den heu­ti­gen Fahr­zeug­ver­kauf ab­wür­gen. „Wenn man je­der­zeit in ein au­to­nom fah­ren­des Fahr­zeug ein­stei­gen kann, dann braucht man kein Au­to mehr für die Stadt“, sagt Bran­chen­ex­per­te Axel Schmidt von der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung Ac­cen­ture.

„Wir ha­ben Si­mu­la­tio­nen ge­macht für die Ber­li­ner In­nen­stadt: Wenn wir auf selbst­fah­ren­de Au­tos um­stel­len, brau­chen wir nur ein Sieb­tel der heu­ti­gen Fahr­zeug­flot­te“, sagt VW-Ma­na­ger Jo­hann Jung­wirth. Das müs­se aber nicht un­be­dingt schlecht für die Her­stel­ler sein: „Durch die hö­he­re Nut­zung wer­den die Fahr­zeu­ge al­le zwei Jah­re ge­tauscht – die heu­ti­ge Le­bens­dau­er ei­nes Au­tos liegt bei 15 Jah­ren.“Doch mit dem Vor­marsch der Mo­bi­li­täts-Apps ste­hen die Au­to­bau­er vor der nächs­ten Fra­ge: Wie pflegt man in die­ser neu­en Welt sei­ne Mar­ke?

Ei­ni­ge Ex­per­ten war­nen, dass vor al­lem die Mar­ken der Mas­sen­her­stel­ler aus­tausch­bar wer­den. Fach­mann Ste­fan Brat­zel sagt, nicht mehr das Fahr­zeug, son­dern die Mo­bi­li­täts­dienst­leis­tung wer­de künf­tig ent­schei­dend sein. Hier kom­men die US-Konzerne Goog­le und App­le ins Spiel. Bei­de neh­men sich des The­mas Mo­bi­li­tät an und bie­ten ei­ne Al­ter­na­ti­ve zu den Ser­vice-Wel­ten, die deut­sche Her­stel­ler ge­ra­de mü­he­voll mit Start-upÜber­nah­men und ei­ge­ner Soft­ware zu­sam­men­zim­mern. „Wenn Di­ens­te wie Par­king-Apps über App­le, Goog­le oder an­de­re An­bie­ter lau­fen, weil man eh das Smart­pho­ne in der Hand hat, dann sind die­se Ser­vice­Er­lö­se für den Her­stel­ler ver­lo­ren“, sagt Ex­per­te Schmidt.

Auf die­se Her­aus­for­de­rung re­agie­ren die Her­stel­ler un­ter­schied­lich. Wäh­rend die meis­ten zäh­ne­knir­schend App­le und Goog­le in ih­re In­fo­tain­ment-Sys­te­me rein­las­sen, bleibt To­yo­ta hart: Die TechFir­men blei­ben drau­ßen. „Wir ha­ben als Bran­che zwei Op­tio­nen: Je­mand kommt und stellt die Soft­ware für die Kis­te, die wir pro­du­zie­ren. Oder wir be­hal­ten die Kon­trol­le über un­se­re Zu­kunft“, sagt To­yo­taMa­na­ger Di­dier Le­roy.

Bei der Tech­no­lo­gie für au­to­no­mes Fah­ren setzt die Bran­che lie­ber auf ei­ge­ne Ent­wick­lun­gen – statt die Freund­schafts­an­fra­ge der Goo­gleSchwes­ter­fir­ma Way­mo an­zu­neh­men, die Er­fah­run­gen mit Ro­bot­er­wa­gen seit 2009 hat. Daim­ler und BMW bau­en ei­ge­ne Mo­bi­li­täts­diens­te auf – auch auf Ba­sis ih­rer Miet­wa­gen­an­ge­bo­te wie Car2Go. „Das ist das Car2Go der Zu­kunft“, ver­kün­det Daim­ler-Chef Die­ter Zet­sche auf der IAA, als er ein „Ro­bo­ta­xi“prä­sen­tiert. In drei bis vier Jah­ren sol­len die Ro­bo­ta­xis auf der Stra­ße sein. Und um die In­sas­sen nicht an die Sprachas­sis­ten­ten der US-Konzerne – Si­ri, Ale­xa, Goog­le As­sis­tant – zu ver­lie­ren, will Au­di in sei­nen Au­tos die ei­ge­ne spre­chen­de Soft­ware PIA eta­blie­ren.

Im­mer noch nicht si­cher ist, wie schnell die Sys­te­me auf dem Mas­sen­markt sein wer­den. Ex-Way­moChef­ent­wick­ler Chris Urm­son ist über­zeugt, dass min­des­tens 30 Jah­re ver­ge­hen wer­den, bis der Ver­kehr kom­plett au­to­nom läuft.

Fo­to: To­bi­as Schwarz, afp

VW Chef Mat­thi­as Mül­ler und das Ro­bo ter­au­to Sed­ric.

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