Trotz Sank­tio­nen: Neu­er Ra­ke­ten­test

Nord­ko­rea feu­ert Flug­kör­per über Ja­pan hin­weg – UN be­ru­fen Dring­lich­keits­sit­zung ein

Meppener Tagespost - - POLITIK -

dpa SEO­UL/TO­KIO. Nach der Ver­schär­fung der UNSank­tio­nen we­gen sei­nes jüngs­ten Atom­tests hat Nord­ko­rea er­neut ei­ne Ra­ke­te über Ja­pan hin­weg­ge­feu­ert. Die Ra­ke­te flog nach An­ga­ben des süd­ko­rea­ni­schen Mi­li­tärs 3700 Ki­lo­me­ter weit – die bis­her größ­te Flug­dis­tanz beim Test ei­ner mi­li­tä­ri­schen Ra­ke­te des Lan­des. Der Flug­kör­per stürz­te nach dem Flug über die nörd­li­che ja­pa­ni­sche In­sel Hok­kai­do in den Pa­zi­fik. Nach ers­ten An­ga­ben des US-Pa­zi­fik­kom­man­dos han­del­te es sich um ei­ne Mit­tel­stre­cken­ra­ke­te.

Mit dem Test macht Nord­ko­reas Macht­ha­ber Kim Jong Un nach Mei­nung von Be­ob­ach­tern deut­lich, dass sein Land im Kon­flikt um sein Atom- und Ra­ke­ten­pro­gramm nicht nach­ge­ben will. Der UN-Si­cher­heits­rat woll­te nach An­ga­ben der Ver­ein­ten Na­tio­nen in New York noch am Frei­tag in ei­ner Dring­lich­keits­sit­zung über den neu­en Waf­fen­test be­ra­ten. UN-Re­so­lu­tio­nen ver­bie­ten Nord­ko­rea so­wohl Atom­waf­fen­ver­su­che als auch Tests von bal­lis­ti­schen Ra­ke­ten. Da­bei han­delt es sich in der Re­gel um Bo­den-Bo­den-Ra­ke­ten.

Die USA, Ja­pan und Süd­ko­rea re­agier­ten em­pört und war­fen der Füh­rung in Pjöng­jang ei­ne Be­dro­hung der Nach­bar­län­der vor. Süd­ko­reas Streit­kräf­te re­agier­ten

mit ei­ner ei­ge­nen Ra­ke­ten­übung, bei der bal­lis­ti­sche Ra­ke­ten ins Ja­pa­ni­sche Meer ge­schos­sen wur­den.

Auch Chi­na und Russ­land ver­ur­teil­ten Nord­ko­rea für den neu­en Ra­ke­ten­test. Pe­king rief al­le Par­tei­en zur Zu­rück­hal­tung auf.

„Das ist das zwei­te Mal bin­nen we­ni­ger Wo­chen, dass mit Ja­pan ein Ver­trags­part­ner der USA di­rekt be­droht wur­de“, hieß es in ei­ner Mit­tei­lung von US-Au­ßen­mi­nis­ter Rex Til­ler­son. „Die­se fort­ge­setz­ten Pro­vo­ka­tio­nen füh­ren da­zu, dass Nord­ko­reas di­plo­ma­ti­sche und wirt­schaft­li­che Iso­la­ti­on nur noch ver­tieft wird.“Ja­pans Re­gie­rungs­chef Shin­zo Abe ver­ur­teil­te den Ra­ke­ten­start als „un­ge­heu­er­li­che“Hand­lung.

Erst am Mon­tag hat­te der UN-Si­cher­heits­rat den bis­her größ­ten Atom­test Nord­ko­reas vom 3. Sep­tem­ber mit neu­en Sank­tio­nen be­straft, oh­ne dass die­se je­doch ein von den USA ge­for­der­tes Ölem­bar­go um­fas­sen. Die neue UN-Re­so­lu­ti­on sieht ei­ne De­cke­lung von Öl­lie­fe­run­gen und ein Ver­bot von Tex­ti­l­ex­por­ten vor. Pjöng­jang er­klär­te, den Sank­ti­ons­be­schluss ka­te­go­risch ab­zu­leh­nen und von sei­nen Waf­fen­pro­gram­men nicht ab­rü­cken zu wol­len.

Til­ler­son for­der­te Chi­na und Russ­land auf, Maß­nah­men zu er­grei­fen. „Chi­na lie­fert Nord­ko­rea den größ­ten Teil sei­nes Öls“, schrieb Til­ler­son. „Russ­land ist der größ­te Ar­beit­ge­ber für nord­ko­rea­ni­sche Zwangs­ar­bei­ter.“

Fo­to: dpa

Rex Til­ler­son

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