Ur­sa­che für Dach­ein­sturz ge­fun­den

Vor 50 Jah­ren feh­ler­haft pro­du­zier­te Leim­bin­der in Lin­ge­ner Jo­han­nes­schu­le ver­baut

Meppener Tagespost - - KREIS EMSLAND - Von Wil­fried Rog­gen­dorf

Der Ein­sturz der Turn­hal­len­de­cke an der Lin­ge­ner Jo­han­nes­schu­le hat meh­re­re Ur­sa­chen. Dies geht aus ei­nem Gut­ach­ten her­vor, das Stadt­bau­rat Lothar Schrei­ne­ma­cher jetzt im Pla­nungs- und Bau­aus­schuss (PBA) der Stadt vor­ge­stellt hat.

LIN­GEN. Als am 19. Ja­nu­ar ge­gen 6 Uhr mor­gens das Hal­len­dach ein­stürz­te, kam nie­mand zu Scha­den. Die Hal­le war von der Stadt drei Ta­ge vor­her ge­sperrt wor­den, weil Haus­meis­ter Man­fred Kuhl kaum sicht­ba­re Durch­bie­gun­gen von Trä­gern be­merkt und dies der Ver­wal­tung ge­mel­det hat­te. Dem schnel­len Han­deln im Ja­nu­ar folg­te ein lan­ges War­ten auf das Gut­ach­ten, in dem die Ur­sa­che des Ein­stur­zes ge­klärt wer­den soll­te.

Dem­nach ha­ben meh­re­re Fak­to­ren zu dem Ein­sturz ge­führt: Der ent­schei­den­de Feh­ler wur­de 1966 bei der Pro­duk­ti­on der Brett­schicht­holz­trä­ger, auch Leim­bin­der ge­nannt, in ei­nem Bad Oeyn­hau­se­ner Un­ter­neh­men, das nicht mehr exis­tiert, ge­macht. Es wur­de Holz ver­wen­det, das ei­nen Man­gel auf­wies: Ring­schä­le. Die­se ent­steht, wenn sich beim Wachs­tum ei­nes Bau­mes di­cke­re und dün­ne Jah­res­rin­ge ab­wech­seln. Dann kann es da­zu kom­men, dass sich die Ver­bin­dung zwi­schen den Jah­res­rin­gen teil­wei­se löst und die Sta­bi­li­tät des Na­tur­bau­stof­fes dar­un­ter lei­det.

Zu­dem hat der von der Stadt Lin­gen be­auf­trag­te Gut­ach­ter Fehl­ver­lei­mun­gen fest­ge­stellt. Die­se kön­nen da­durch ent­ste­hen, dass die ver­leim­ten Höl­zer nicht sau­ber glatt ge­ho­belt sind oder der Leim nicht gleich­mä­ßig stark auf­ge­tra­gen wird und sich Leim­na­sen bil­den.

„Die­se Pro­duk­ti­ons­feh­ler wa­ren aber nie sicht­bar“, er­klär­te Schrei­ne­ma­cher. Pas­siert sei dann 50 Jah­re lang nichts, da bei den sta­ti­schen Be­rech­nun­gen mit ei­nem un­ge­fähr Zwei­fa­chen der tat­säch­li­chen Be­las­tung der Trä­ger ge­rech­net wer­de. „Die zu­läs­si­ge Bie­ge­span­nung ist nicht iden­tisch mit der Bruch­span­nung“, er­läu­ter­te der Stadt­bau­rat im Ge­spräch mit un­se­rer Re­dak­ti­on. Auch sei­en die Trä­ger 50 Jah­re lang wech­seln­den kli­ma­ti­schen Be­din­gun­gen aus­ge­setzt ge­we­sen. Durch Un­ter­schie­de der In­nen- und Au­ßen­tem­pe­ra­tur in der Hal­le, die bis 2010 ein Well­blech­dach ge­habt ha­be, ha­be sich Kon­dens­was­ser ge­bil­det, das die Trä­ger zu­sätz­lich ge­schwächt ha­be.

Kei­ne Män­gel fest­ge­stellt

Bei der Sa­nie­rung des Turn­hal­len­da­ches 2010 sei ei­ne Sicht­kon­trol­le der Trä­ger er­folgt, bei der kei­ne Män­gel fest­ge­stellt wor­den sei­en. Auch sei­en vor sie­ben Jah­ren Feh­ler bei der neu­en sta­ti­schen Be­rech­nung ge­macht wor­den. So sei von ei­nem Ab­stand der Trä­ger von vier statt der tat­säch­li­chen 4,4 Me­ter aus­ge­gan­gen wor­den, und beim Trä­ger­quer­schnitt sei mit zwölf statt des wirk­li­chen Qu­er­schnitts von elf Zen­ti­me­tern ge­rech­net wor­den.

Dies sei laut Gut­ach­ten aber nicht ur­säch­lich für den Ein­sturz des Da­ches ge­we­sen, er­klär­te der Stadt­bau­rat. „Letzt­end­lich ha­ben die Auf­las­tun­gen bei der Sa­nie­rung die Si­cher­heits­re­ser­ven auf­ge­zehrt“, sag­te Schrei­ne­ma­cher im PBA. Bei der Sa­nie­rung 2010 wur­de ei­ne Fo­to­vol­ta­ik­an­la­ge auf dem Dach mon­tiert und ei­ne Zwi­schen­de­cke mit Däm­mung ein­ge­zo­gen. „Wä­re der Zu­stand der Trä­ger 2010 be­kannt ge­we­sen, hät­te man die­se si­cher­lich nicht wie­der­ver­wen­det, son­dern aus­ge­tauscht“, sag­te Schrei­ne­ma­cher, der sein Amt als Stadt­bau­rat 2013 an­ge­tre­ten hat.

Der­zeit wür­den Ge­sprä­che, un­ter an­de­rem mit ei­nem Fach­an­walt für Bau­recht, ge­führt, um fest­zu­stel­len, ob über den Pro­duk­ti­ons­feh­ler der Trä­ger hin­aus noch je­mand teil­wei­se ju­ris­tisch ver­ant­wort­lich für den Ein­sturz des Da­ches sei.

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