Le­ben­de Fi­sche als Kö­der be­nutzt

Po­li­zei­ein­satz: Tier­quä­ler in Haren

Meppener Tagespost - - VORDERSEITE - Von Ju­lia Mausch

jma HAREN. In Haren ha­ben Un­be­kann­te am Mitt­woch An­gell­ei­nen aus­ge­legt – mit Fi­schen. Die klei­nen Fi­sche leb­ten noch und soll­ten als Kö­der für gro­ße Raub­fi­sche die­nen. Ein auf­merk­sa­mer Spa­zier­gän­ger ent­deck­te die Tie­re und rief die Po­li­zei.

In Haren ha­ben Un­be­kann­te am Mitt­woch An­gell­ei­nen aus­ge­legt – mit Fi­schen. Die klei­nen Fi­sche leb­ten noch und soll­ten als Kö­der für gro­ße Raub­fi­sche die­nen. Was sa­gen Fi­sche­rei­ver­bän­de zu die­ser An­gel­me­tho­de?

LIN­GEN/HAREN. Der Vor­fall er­eig­ne­te sich am Mitt­woch­mor­gen. Ein Spa­zier­gän­ger hat­te die Lei­nen an ei­nem Boot im Be­reich des Neu­en Ha­fens in Haren ent­deckt und dar­auf­hin die Was­ser­schutz­po­li­zei ver­stän­digt. Die Be­am­ten hol­ten di­rekt die Lei­nen ein und mach­ten ei­nen grau­si­gen Fund: Tier­quä­ler hat­ten drei Fi­schen An­gel­ha­ken kurz vor der Schwanz­flos­se durch den Kör­per ge­trie­ben und sie so zu Kö­der­fi­schen ge­macht. Ein Fisch war be­reits tot, zwei leb­ten noch.

„Das ist strengs­tens ver­bo­ten“, sagt Henning Stil­ke, Pres­se­spre­cher des Lan­des­fi­sche­rei­ver­band We­ser-Ems. 1,6 Mil­lio­nen amt­lich er­fass­te Ang­ler gibt es in Deutsch­land, 55 000 da­von kom­men aus We­ser-Ems. Ei­ner von ih­nen ist Henning Stil­ke selbst. Der pas­sio­nier­te Ang­ler weiß, wo­von er spricht, schließ­lich fängt er selbst Fi­sche. Nicht mit le­ben­di­gen Kö­dern. Seit An­fang der 1980er-Jah­re sind die­se ver­bo­ten, sagt Henning Stil­ke und be­ruft sich auf das Tier­schutz­ge­setz. Dort be­sagt der Pa­ra­graf 17, dass es ver­bo­ten ist, Tie­re oh­ne ver­nünf­ti­gen Grund zu tö­ten be­zie­hungs­wei­se ih­nen län­ger an­hal­ten­de er­heb­li­che Schmer­zen oder Lei­den zu­zu­fü­gen, so wie es in Haren vor­ge­fal­len ist.

Al­ter­na­ti­ve Kunst­kö­der

Doch was ist ein ver­nünf­ti­ger Grund? All­ge­mein gilt als ver­nünf­ti­ger Grund nur der Nah­rungs­er­werb oder die He­ge und Pfle­ge des Fisch­be­stan­des. Die­se Ge­set­zes­la­ge kennt auch Henning Stil­ke. Er selbst nut­ze seit Jah­ren so­ge­nann­te Kunst­kö­der. Es sind Imi­ta­te von Kö­der­fi­schen – und mit de­nen er­zielt der Pres­se­spre­cher gu­te Er­fol­ge. Be­für­wor­ter von Le­bend­kö­der be­to­nen, dass grö­ße­re Fi­sche nur mit Kö­dern an­ge­lockt wer­den kön­nen, die sich auch be­we­gen. Henning Stil­ke kann das nicht ver­ste­hen. Auch Kunst­kö­der könn­ten im Was­ser durch schau­keln­de Be­we­gun­gen kran­ke Fisch­chen dar­stel­len, die für Raub­fi­sche ei­ne at­trak­ti­ve Beu­te sei­en.

Aus­schließ­lich to­te Kö­der nutzt da­ge­gen Nor­bert Rog­ge aus Ems­bü­ren, der im Fi­sche­rei­ver­ein 1888 Lin­gen tä­tig ist, und hat da­mit bis­her gu­te Er­fah­rung ge­sam­melt. Nor­bert Rog­ge ist nicht nur Vor­sit­zen­der des mitt­ler­wei­le knapp 1600 Mit­glie­der star­ken Ver­eins. Er ist auch als Aus­bil­der dort tä­tig. „In der Aus­bil­dung brin­gen wir un­se­ren Mit­glie­dern die fach­ge­rech­te Tö­tung der Fi­sche bei.“Je­der, der sich nicht dar­an hält, wird laut dem Aus­bil­der ver­warnt. Auch die­je­ni­gen, die Fi­sche, die noch am Le­ben sind, als Kö­der ver­wen­den. Hei­no Wegener, 1. Bei­sit­zer im Lin­ge­ner Fi­sche­rei­ver­ein, sagt: „Vor­fäl­le die­ser Art wer­den zur An­zei­ge ge­bracht.“

Doch wie so oft, gibt Vor­sit­zen­der Nor­bert Rog­ge zu, „gibt es in je­dem Ver­ein schwar­ze Scha­fe“. Dem stimmt Henning Stil­ke zu. Zu über­wa­chen, dass sich al­le an die Vor­schrif­ten hal­ten, das sei schwie­rig. Das The­ma „le­ben­de oder to­te Kö­der“sei ein kon­tro­ver­ses The­ma, füh­re im­mer wie­der zu Dis­kus­sio­nen. Ge­ra­de bei äl­te­ren Fi­schern, die noch die Zeit ken­nen, als es das Ge­setz noch nicht gab.

„An­geln mit le­ben­dem Kö­der­fisch ist ein Re­likt aus der St­ein­zeit“, schreibt die Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on Peta, wenn mal wie­der ein Fall – wie jetzt in Haren – an die Öf­fent­lich­keit ge­langt. In den Au­gen der Tier­schüt­zer wür­den vie­le Ang­ler den­ken, dass Fi­sche ei­ne Art ge­fühl­lo­ses schwim­men­des Ge­mü­se sind. Aber Fi­sche sei­en hoch ent­wi­ckel­te und sehr sen­si­ble Wir­bel­tie­re, die Angst, Stress und Schmer­zen emp­fin­den kön­nen wie Men­schen auch, heißt es auf der In­ter­net­sei­te von Peta. Zu die­ser Ein­schät­zung kä­men auch For­scher der Uni­ver­si­tä­ten von Edinburgh und Glas­gow, die die Schmerz­re­zep­to­ren von Fi­schen un­ter­sucht hät­ten.

Den Tä­tern könn­te ei­ne Stra­fe mit bis zu 1000 Eu­ro Geld­bu­ße dro­hen oder gar Frei­heits­stra­fen von bis zu drei Jah­ren. Zeu­gen im Ha­re­ner Fall wer­den ge­be­ten, sich un­ter der Ruf­num­mer (05931)9490 bei der Po­li­zei Mep­pen zu mel­den.

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Symbolfoto: ima­go/image­bro­ker

Un­be­kann­te ha­ben in Haren An­gell­ei­nen aus­ge­legt – mit Kö­der­fi­schen. Die Fi­sche leb­ten noch.

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