Floh­märk­te am Sonn­tag vor dem Aus?

Ur­teil des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Lü­ne­burg

Meppener Tagespost - - NACHBARSCHAFT - Von Ju­lia Mausch

Den Trö­del­märk­ten am Sonn­tag droht das Aus, nach­dem das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Lü­ne­burg ge­werb­lich or­ga­ni­sier­te Märk­te an Sonn- und Fei­er­ta­gen für un­zu­läs­sig er­klärt hat.

Zehn bis zwölf Floh­märk­te fin­den in den Lin­ge­ner Ems­land­hal­len so­wie in der Hal­le IV je­des Jahr statt. Da­mit könn­te je­doch bald Schluss sein, wenn es nach den Rich­tern des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts (OVG) Lü­ne­burg geht. Laut Be­schluss des OVG, der schon im April 2017 ge­fällt wur­de, müs­sen Floh- und Trö­del­märk­te von den Kom­mu­nen ge­nau­so be­han­delt wer­den wie der Ein­zel­han­del. Das be­deu­tet: Grund­sätz­lich darf an Sonn- und Fei­er­ta­gen kein Han­del ge­neh­migt wer­den.

Pri­va­te Floh­märk­te et­wa in Schu­len und Ge­mein­de­häu­sern oder auf Spiel­plät­zen sind da­von nicht be­rührt, je­doch ge­werb­li­che. Und ge­nau die gibt es in der Hal­le IV und den Ems­land­hal­len. Zum Ver­häng­nis wird eben die­sen Sonn­tags­floh­märk­ten das nie­der­säch­si­sche Fei­er­tags­ge­setz, wo­nach Son­nund Fei­er­ta­ge „Ta­ge all­ge­mei­ner Ar­beits­ru­he“sind. „Bei der Ver­an­stal­tung von Flo­hund Trö­del­märk­ten han­delt es sich so­wohl im Hin­blick auf den Ver­an­stal­ter, der oft­mals ein Stand­geld ein­nimmt, als auch im Hin­blick auf die Per­so­nen, die dort – oft­mals in ge­werb­li­cher Form – Ge­gen­stän­de zum Ver­kauf an­bie­ten, um werk­täg­li­che Ar­beit, die dem We­sen der Sonn- und Fei­er­ta­ge wi­der­spricht“, heißt es in ei­nem ak­tu­el­len Hin­weis des In­nen­mi­nis­te­ri­ums.

Die Re­gi­on Han­no­ver und die Stadt Braun­schweig ha­ben be­reits an­ge­kün­digt, ab 2018 kei­ne ge­werb­li­chen Sonn- und Fei­er­tags­floh­märk­te mehr zu­zu­las­sen. In Lin­gen ist es bis­lang ru­hig, hier bleibt vor­erst al­les wie ge­habt, sagt Flo­ri­an Krebs, Ge­schäfts­füh­rer der Ems­land­hal­len, auf Nach­fra­ge: „Wir wer­den ju­ris­tisch über­prü­fen las­sen, wel­che Aus­wir­kun­gen das Ur­teil für uns hat.“Die Zu­kunft der ge­werb­li­chen Floh­märk­te in Lin­gen sei of­fen. Aus­nah­men vom Markt­ver­bot an Fei­er­ta­gen sind mög­lich, da­von hat auch Flo­ri­an Krebs ge­hört. Ein wei­te­rer Punkt, den der ju­ris­ti­sche Bei­stand über­prü­fen muss.

On­line-Pe­ti­ti­on

Nicht nur für Ste­phan Gra­we vom Ver­an­stal­tungs­bü­ro Gra­we und Os­ter­brink, der je­des Jahr bis zu 80 Ver­an­stal­tun­gen – dar­un­ter Flo­hund Trö­del­märk­te – im Os­na­brü­cker Land und dem Ems­land or­ga­ni­siert, wä­re ein Ver­bot pro­ble­ma­tisch, auch für die­je­ni­gen, die auf sei­nen Floh­märk­ten die Stän­de be­trei­ben. Nur et­wa ein Vier­tel der Stand­be­trei­ber sei­en ge­werb­li­che An­bie­ter, drei Vier­tel sei­en pri­vat. Dar­un­ter ei­ni­ge, die „fi­nan­zi­ell nicht gut si­tu­iert“sind, oder ih­re Ren­te auf­bes­sern wol­len, sagt er im Ge­spräch mit die­ser Re­dak­ti­on. Wür­de der Sonn­tag als Ver­kaufs­tag weg­fal­len, wür­den die Ver­käu­fer gro­ße fi­nan­zi­el­le Ein­bu­ßen ha­ben. Laut Gra­we kommt das The­ma bei den Ver­an­stal­tun­gen im­mer wie­der hoch. Ver­käu­fer sind ge­gen das Aus der ge­werb­li­chen Sonn­tags­floh­märk­te. Und nicht nur sie: Ei­ne On­line-Pe­ti­ti­on der „In­ter­es­sen­ge­mein­schaft für den Er­halt von Sonn­tags­floh­märk­ten in Nie­der­sach­sen“hat be­reits mehr als 20 000 Un­ter­stüt­zer ge­fun­den, da­von 12 750 aus Nie­der­sach­sen (Stand 10. Ok­to­ber). Die sonn­täg­li­chen Floh­märk­te sei­en als „schüt­zens­wer­tes Kul­tur­gut“in ih­rer jet­zi­gen Form und Aus­rich­tungs­wei­se zu er­hal­ten, heißt es dort.

Bis zum 6. No­vem­ber läuft die On­line-Pe­ti­ti­on. Ins­ge­samt 18 000 Un­ter­schrif­ten aus Nie­der­sach­sen sind not­wen­dig, da­mit sich der Land­tag noch ein­mal mit dem Fei­er­tags­ge­setz be­fasst.

Fo­to: dpa

Ge­werb­li­chen Trö­del­märk­ten an Sonn­ta­gen und Fei­er­ta­gen droht das Aus.

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