Kei­ne Vor­schrif­ten!

Meppener Tagespost - - POLITIK - Von Ste­fa­nie Wit­te s.wit­te@noz.de

Ver­bes­sert es wirk­lich das all­täg­li­che Le­ben, wenn ei­ne Spar­kas­senkun­din in Brie­fen künf­tig nicht mehr „Kun­de“ge­nannt wird? Wohl kaum.

Wo­hin die ver­meint­li­che po­li­ti­sche Kor­rekt­heit füh­ren kann, lässt sich in Pro­to­kol­len und Se­mi­nar­ar­bei­ten ver­fol­gen, in de­nen es in je­dem zwei­ten Satz um „Schü­le­rin­nen und Schü­ler“und „Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter“geht. Les­bar­keit und In- halt sind da of­fen­bar nach­ran­gig. Be­für­wor­ter ar­gu­men­tie­ren, dass Spra­che so­zia­le Wirk­lich­keit prägt. Das stimmt. Aber wür­de tat­säch­lich je­mand da­von aus­ge­hen, dass Schü­ler oder Bank­kun­den heut­zu­ta­ge in ers­ter Li­nie Män­ner sind? Ähn­lich ist es beim Kunst­wort „Stu­die­ren­de“. Der Be­griff „Stu­den­ten“lässt jetzt schon die meis­ten an jun­ge Män­ner und Frau­en den­ken.

Und wo soll­te die vor­ge­schrie­be­ne Sprach­kor­rekt­heit auf­hö­ren? Beim Kre­dit­in­sti­tut? Beim li­te­ra­ri­schen Klas­si­ker? Bei der All­tags­spra­che? Ab­ge­se­hen von straf­recht­lich re­le­van­ten Äu­ße­run­gen soll­te au­ßer­halb von Be­hör­den nie­man­dem vor­ge­schrie­ben wer­den, was er (hier ist die Frau mit ge­meint!) sa­gen darf.

Spra­che än­dert sich auch oh­ne An­ord­nung von oben. Die we­nigs­ten ver­wen­den heu­te noch Be­grif­fe wie „Ne­ger“oder „Asy­lant“. Gleich­zei­tig spre­chen Chefs in den meis­ten Un­ter­neh­men bei of­fi­zi­el­len Re­den mitt­ler­wei­le die „lie­ben „Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen an. Ganz oh­ne Vor­schrift.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.