Whats­app bald erst ab 16 Jah­ren?

Re­ak­ti­on auf neue EU-Re­geln

Meppener Tagespost - - VORDERSEITE - Von Wal­traud Mess­mann

Am 25. Mai tritt die EUDa­ten­schutz­ver­ord­nung in Kraft. Neue Vor­ga­ben für das Min­dest­al­ter der Nut­zer von Face­book & Co. stel­len die Un­ter­neh­men vor Her­aus­for­de­run­gen. Sie su­chen hän­de­rin­gend nach Lö­sun­gen.

OS­NA­BRÜCK. Whats­app hat welt­weit über 1,5 Mil­li­ar­den Nut­zer. Vie­le auch jün­ge­re Schü­ler nut­zen den Di­enst, um sich mit Klas­sen­ka­me­ra­den und Freun­den aus­zu­tau­schen. Das könn­te sich aber bald än­dern: Der Mes­sen­ger will an­geb­lich das Min­dest­al­ter für Nut­zer von 13 Jah­ren auf 16 Jah­re her­auf­set­zen. Grund ist ver­mut­lich die EU-Da­ten­schutz­ver­ord­nung (DSGVO), die am 25. Mai in Kraft tritt.

Die Neu­re­ge­lung der EU sieht vor, dass die Ver­ar­bei­tung von per­so­nen­be­zo­ge­nen Da­ten ei­nes Kin­des erst dann recht­mä­ßig ist, wenn es das 16. Le­bens­jahr vollen­det hat. Nach An­ga­ben von Re­bek­ka Weiß, Re­fe­ren­tin für Da­ten­schutz beim Bit­kom, be­trifft das „je­g­li­che so­zia­len Netz­wer­ke, App-An­bie­ter und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­diens­te“. Ein­zel­ne EU-Mit­glied­staa­ten dürf­ten da­von zwar ab­wei­chen, da­bei al­ler­dings das Min­dest­al­ter von 13 Jah­ren nicht un­ter­schrei­ten. Da Deutsch­land kei­ne ab­wei­chen­de Re­ge­lung ge­trof­fen ha­be, gel­te bei uns ab dem 25. Mai das Min­dest­al­ter von 16 Jah­ren, be­ton­te Weiß.

Das Feh­len ei­ner ein­heit­li­chen Al­ters­gren­ze für je­des EU-Mit­glied fin­det die Bit­kom-Spre­che­rin pro­ble­ma­tisch: „Wer grenz­über­schrei­tend tä­tig ist, hat das Pro­blem, dass er sein Ein­wil­li­gungs­ma­nage­ment im Zwei­fel na­tio­nal an­pas­sen muss“, sag­te sie.

Un­ter­des­sen warf der Experte für IT-Recht Chris­ti­an Sol­me­cke Whats­app vor, das Min­dest­al­ter nur her­auf­set­zen zu wol­len, „da­mit die Re­ge­lun­gen der DSGVO zum Schutz von Min­der­jäh­ri­gen nicht be­ach­tet wer­den müs­sen“. Nach neu­er Rechts­la­ge wür­den die Kin­der ab dem 25.Mai die Ein­wil­li­gung der El­tern be­nö­ti­gen, um so­zia­le Netz­wer­ke nut­zen zu kön­nen. Die An­bie­ter müss­ten ih­re Tech­nik so um­stel­len, dass ei­ne an­ge­mes­se­ne Ve­ri­fi­ka­ti­on des Al­ters be­zie­hungs­wei­se der el­ter­li­chen Ein­wil­li­gung mög­lich sei und die­se auch ge­gen­über Be­hör­den nach­ge­wie­sen wer­den kön­ne. „Wenn nun Whats­app sei­ne Di­enst­leis­tung nur an Ju­gend­li­che ab 16 Jah­ren an­bie­tet, ist zu­min­dest die Zu­stim­mung der El­tern hin­fäl­lig“, kri­ti­siert der Experte. Der Mes­sen­ger set­ze of­fen­bar dar­auf, „dass Kin­der und Ju­gend­li­che sich in Zu­kunft mit fal­schem Al­ter an­mel­den“.

Sol­me­cke warnt aber vor ei­nem Trug­schluss: Auch wenn die Ein­wil­li­gung der El­tern bei Whats­app künf­tig nicht mehr er­for­der­lich sei, müs­se wei­ter­hin ei­ne Al­ters­über­prü­fung er­fol­gen. „Die ein­fa­che An­ga­be ‚Ich bin 16‘ wird auch zu­künf­tig nicht aus­rei­chen.“

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