Ide­en für die Mo­bi­li­tät der Zu­kunft

For­scher: Ver­net­zung und ge­sell­schaft­li­cher Wan­del – Fach­kon­gress des Land­krei­ses Ems­land

Meppener Tagespost - - VORDERSEITE - Von Sven Lam­pe

slx LIN­GEN. Schluss mit dem pri­va­ten Pkw, hin zu di­gi­tal ver­netz­ten und elek­trisch be­trie­be­nen Mo­bi­li­täts­an­ge­bo­ten. Die­se Idee des Ver­kehrs von mor­gen hat der Mo­bi­li­täts­for­scher Weert Canz­ler am Mon­tag beim Fach­kon­gress Elek­tro­mo­bi­li­tät in Lin­gen vor­ge­stellt. Canz­ler, So­zi­al­wis­sen­schaft­ler und Mo­bi­li­täts­for­scher am Wis­sen­schafts­zen­trum Berlin für So­zi­al­for­schung, sieht un­ter dem Aspekt der ge­for­der­ten Re­du­zie­rung von kli­ma­schäd­li­chen Treib­haus­ga­sen das En­de des Ver­bren­nungs­mo­tors in­ner­halb der kom­men­den zwei Jahr­zehn­te als un­um­gäng­lich an, par­al­lel zu ei­ner Neu­aus­rich­tung der Mo­bi­li­tät ins­ge­samt. Der Schlüs­sel da­zu liegt Canz­ler zu­fol­ge in elek­tri­schen An­trie­ben ei­ner­seits und ei­nem ge­sell­schaft­li­chen Um­den­ken.

Schluss mit dem pri­va­ten Pkw, hin zu di­gi­tal ver­netz­ten und elek­trisch be­trie­be­nen Mo­bi­li­täts­an­ge­bo­ten. Die­se Idee des Ver­kehrs von mor­gen hat der Mo­bi­li­täts­for­scher Weert Canz­ler am Mon­tag beim Fach­kon­gress Elek­tro­mo­bi­li­tät in Lin­gen vor­ge­stellt.

LIN­GEN. Weert Canz­ler, So­zi­al­wis­sen­schaft­ler und Mo­bi­li­täts­for­scher am Wis­sen­schafs­zen­trum Berlin für So­zi­al­for­schung, sieht un­ter dem Aspekt der ge­for­der­ten Re­du­zie­rung von kli­ma­schäd­li­chen Treib­haus­ga­sen das En­de des Ver­bren­nungs­mo­tors in­ner­halb der kom­men­den zwei Jahr­zehn­te als un­um­gäng­lich an. Par­al­lel zu ei­ner Neu­aus­rich­tung der Mo­bi­li­tät ins­ge­samt.

Der Schlüs­sel da­zu liegt Canz­ler zu­fol­ge in elek­tri­schen An­trie­ben und ei­nem ge­sell­schaft­li­chen Um­den­ken. An die Stel­le des In­di­vi­du­al­ver­kehrs mit dem Pkw muss sei­ner Auf­fas­sung zu­fol­ge ei­ne Ver­net­zung ver­schie­de­ner Ver­kehrs­sys­te­me tre­ten. Da­zu zäh­len Canz­ler zu­fol­ge im Nah- und Re­gio­nal­ver­kehr un­ter an­de­rem Car­sha­ring-Mo­del­le, die weit über ak­tu­el­le hin­aus­ge­hen. Ei­ne we­sent­li­che Rol­le bei der Ver­net­zung spie­len bei Canz­ler Smart­pho­nes und ent­spre­chen­de Apps, mit de­nen Kun­den sich be­darfs­ge­recht ih­re Mo­bi­li­täts­lö­sun­gen zu­sam­men­stel­len.

Das hät­ten auch Au­to­mo­bil­her­stel­ler er­kannt, die mitt­ler­wei­le der­ar­ti­ge Mo­bi­li­täts­dienst­leis­tun­gen und ent­spre­chen­de Ge­schäfts­mo­del­le ent­wi­ckeln, so Canz­ler. Um den Wan­del her­bei­zu­füh­ren, müss­ten so­wohl tech­ni­sche als auch po­li­ti­sche und wirt­schaft­li­che Grund­la­gen ge­schaf­fen wer­den. Da­zu zäh­len laut Canz­ler un­ter an­de­rem die Schaf­fung der not­wen­di­gen In­fra­struk­tur, die Ab­schaf­fung von Pri­vi­le­gi­en des In­di­vi­du­al­ver­kehrs wie bei­spiels­wei­se Steu­er­vor­tei­le für Di­enst­wa­gen und Ge­schäfts­an­rei­ze für Un­ter­neh­men.

Da­bei wer­de es al­ler­dings Schwie­rig­kei­ten ge­ben, ist sich Canz­ler si­cher. Al­lein den Ver­such ei­ner Ent­pri­vi­le­gi­sie­rung des pri­va­ten Ver­kehrs be­zeich­ne­te der Wis­sen­schaft­ler als „po­li­ti­sches Selbst­mord­pro­gramm“. Um die Ent­wick­lung vor­an­zu­trei­ben, for­dert Canz­ler Ex­pe­ri­men­tal­räu­me, in de­nen räum­lich und zeit­lich be­grenzt tech­ni­sche und so­zia­le In­no­va­tio­nen aus­pro­biert wer­den kön­nen.

Laut Land­rat Rein­hard Win­ter ist Mo­bi­li­tät auch im Ems­land ein zen­tra­les The­ma. In der Re­gi­on wird der größ­te Teil der täg­li­chen We­ge mit dem Wa­gen zu­rück­ge­legt. Win­ter zu­fol­ge ver­fügt fast je­der der rund 135000 ems­län­di­schen Haus­hal­te über min­des­tens ein Au­to.

Ho­hes Po­ten­zi­al

„Die re­la­tiv ho­he Pk­wDich­te von 573 pro 1000 Ein­woh­ner zeigt, dass hier ein gro­ßes Po­ten­zi­al für Elek­tro­mo­bi­li­tät liegt, das es zu he­ben gilt“, sag­te Land­rat Rein­hard Win­ter beim vom Land­kreis Ems­land in­iti­ier­ten Fach­kon­gress E-Mo­bi­li­tät. Wie hoch das Po­ten­zi­al ist, zeig­te Kreis­de­zer­nent Micha­el Stef­fens auf: Un­ter den rund 190 000 im Ems­land zu­ge­las­se­nen Fahr­zeu­gen fah­ren ak­tu­ell nur 135 rein elek­trisch.

Der Land­kreis Ems­land er­kennt laut Win­ter sei­ne Vor­bild­rol­le beim The­ma Elek­tro­mo­bi­li­tät: „Wir wol­len früh Ent­wick­lun­gen nut­zen und selbst Initia­ti­ven an­sto­ßen.“So sei der Land­kreis da­bei, sei­nen 75 Di­enst­wa­gen star­ken Fahr­zeug­park mit­tel­fris­tig mit E-Au­tos zu be­stü­cken. Da­bei sto­ße man je­doch an Gren­zen, kri­ti­sier­te Win­ter. So sei VW als größ­ter Au­to­mo­bil­her­stel­ler nicht in der La­ge, in­ner­halb ei­nes hal­ben Jah­res zehn E-Golf zu lie­fern.

Fo­to: Sven Lam­pe

Pro­be­sit­zen auf Elek­tro-Rol­lern: Land­rat Rein­hard Win­ter (links) und Kreis­de­zer­nent Micha­el Stef­fens.

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