Er­mitt­ler dür­fen mor­gen nach Du­ma

Bun­des­re­gie­rung schließt Ge­sprä­che über Lö­sung des Sy­ri­en­kriegs mit As­sad nicht aus

Meppener Tagespost - - VORDERSEITE -

dpa DEN HAAG. Nach dem mut­maß­li­chen Gift­gas­an­schlag in Sy­ri­en darf das Er­mitt­ler-Team der Or­ga­ni­sa­ti­on für ein Ver­bot der Che­mie­waf­fen am Mitt­woch in den be­trof­fe­nen Ort Du­ma rei­sen. Der­weil lau­fen neue di­plo­ma­ti­sche Initia­ti­ven an.

Nach den Luft­an­grif­fen ge­gen mut­maß­li­che Che­mie­waf­fen-Ein­rich­tun­gen in Sy­ri­en hat die EU zur Rück­kehr an den Ver­hand­lungs­tisch auf­ge­ru­fen. Auf Iran-Sank­tio­nen ei­nig­te sie sich nicht.

dpa/AFP BERLIN/LUXEMBURG. Die Au­ßen­mi­nis­ter der 28 EU-Staa­ten er­klär­ten, es müs­se „die Dy­na­mik der ge­gen­wär­ti­gen Si­tua­ti­on ge­nutzt wer­den, um den Pro­zess zur po­li­ti­schen Lö­sung des Sy­ri­en-Kon­flikts wie­der­zu­be­le­ben“. Russ­land ge­stat­te­te in­ter­na­tio­na­len Ex­per­ten der­weil nach lan­gem Zö­gern den Zu­gang zum Schau­platz des mut­maß­li­chen Gift­gas­an­griffs in der sy­ri­schen Stadt Du­ma.

Die EU ge­he da­von aus, dass die von den USA, Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en ge­flo­ge­nen Luft­an­grif­fe „spe­zi­fi­sche Maß­nah­men wa­ren, die al­lein das Ziel hat­ten, den wei­te­ren Ein­satz von Che­mie­waf­fen oder che­mi­schen Sub­stan­zen durch das sy­ri­sche Re­gime zur Tö­tung sei­ner ei­ge­nen Be­völ­ke­rung zu ver­hin­dern“, er­klär­ten die 28 EU-Au­ßen­mi­nis­ter in Luxemburg. Da­mit blie­ben sie hin­ter der teils kla­ren Un­ter­stüt­zung durch ein­zel­ne Mit­glied­staa­ten oder die Na­to vom Wo­che­n­en­de zu­rück.

Frank­reichs Au­ßen­mi­nis­ter Je­an-Yves Le Dri­an sah dies den­noch als Er­folg. Die EU ha­be die an den Luft­an­grif­fen teil­neh­men­den Staa­ten „in dem Wil­len un­ter­stützt, je­g­li­che Nut­zung von Che­mie­waf­fen zu ver­hin­dern“, sag­te er. Da­mit sei Eu­ro­pa „in ei­nem Mo­ment gro­ßer Ernst­haf­tig­keit ge­eint“.

Al­ler­dings ha­ben sich die Au­ßen­mi­nis­ter nicht auf neue Sank­tio­nen ge­gen den Iran in Zu­sam­men­hang mit des­sen Sy­ri­en-Po­li­tik ei­ni­gen kön­nen. Deutsch­land, Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en schei­ter­ten mit dem Ver­such, die Zwei­fel von Län­dern wie Ita­li­en am Sinn ei­ner sol­chen Maß­nah­me aus­zu­räu­men. Die Ver­hand­lun­gen sol­len wei­ter­ge­hen.

„Wir sind nicht ein­ver­stan­den mit der Rol­le, die der Iran in Sy­ri­en spielt“, kom­men­tier­te Bun­des­au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD). Das gel­te für das bal­lis­ti­sche Ra­ke­ten­pro­gramm des Lan­des und auch für des­sen Be­tei­li­gung am Krieg in Sy­ri­en.

Die neu­en Sank­tio­nen sol­len den Plä­nen zu­fol­ge ge­gen Per­so­nen, Or­ga­ni­sa­tio­nen und Fir­men er­las­sen wer­den, die für die aus EU-Sicht kon­flikt­för­dern­de Po­li­tik des Iran ver­ant­wort­lich sind oder die­se um­set­zen. Un­ter ih­nen könn­te auch die vom Iran maß­geb­lich un­ter­stütz­te Schii­ten­mi­liz His­bol­lah sein, die im Sy­ri­en-Kon­flikt an der Sei­te von Macht­ha­ber Ba­schar al-As­sad steht.

Die Bun­des­re­gie­rung hat un­ter­des­sen be­kräf­tigt, dass sie kei­ne lang­fris­ti­ge Lö­sung des Sy­ri­en-Kon­flikts mit Prä­si­dent

As­sad sieht. Je­doch müs­se man in der Über­gangs­pha­se „mit den Rea­li­tä­ten um­ge­hen“, sag­te Re­gie­rungs­spre­cher Stef­fen Sei­bert. In den po­li­ti­schen Pro­zess zur Lö­sung des Sy­ri­en­Kon­flikts müss­ten al­le Kräf­te ein­ge­bun­den wer­den, die in der Re­gi­on Ein­fluss hät­ten. Ei­ne lang­fris­ti­ge Lö­sung des Kon­flikts sei aber nur oh­ne As­sad vor­stell­bar.

Das Er­mitt­ler-Team der Or­ga­ni­sa­ti­on für ein Ver­bot der Che­mie­waf­fen (OPCW) soll nach rus­si­schen An­ga­ben nun am Mitt­woch nach

Du­ma rei­sen kön­nen. Das kün­dig­te der rus­si­sche Bot­schaf­ter Alex­an­der Schul­gin in Den Haag an. Die neun Ex­per­ten sol­len den mut­maß­li­chen Gift­gas­an­schlag in dem sy­ri­schen Ort un­ter­su­chen. Sie wa­ren am Sams­tag in Da­mas­kus ein­ge­trof­fen, be­ka­men aber bis­lang kei­nen Zu­tritt zu der eins­ti­gen Re­bel­le­nen­kla­ve.

Dort sol­len am 7. April Che­mie­waf­fen ein­ge­setzt und mehr als 40 Men­schen ge­tö­tet wor­den sein. Groß­bri­tan­ni­en hat­te Russ­land und Sy­ri­en bei ei­ner Son­der­sit­zung des Exe­ku­tiv­ra­tes der OPCW vor­ge­wor­fen, die Er­mitt­lun­gen zu blo­ckie­ren. Das aber wies der rus­si­sche Di­plo­mat ent­schie­den zu­rück. Er be­grün­de­te die Ver­zö­ge­rung mit „Si­cher­heits­fra­gen“.

Un­ter­des­sen ver­däch­tig­te der US-Ver­tre­ter bei der OPCW Russ­land, in Du­ma Be­wei­se ma­ni­pu­liert zu ha­ben. Russ­lands Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row de­men­tier­te das. Zu­dem ha­be es ja gar kei­nen An­griff ge­ge­ben: „Was sich ab­ge­spielt hat, war ei­ne in­sze­nier­te Sa­che.“

Fo­to: AFP

La­chen­de Ge­sich­ter vor Trüm­mern: So prä­sen­tiert das sy­ri­sche Re­gime Jour­na­lis­ten das zu­rück­er­ober­te Du­ma.

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