Im Durch­schnitt 629 Ta­ge oh­ne Job

Bun­des­agen­tur: Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit ver­här­tet sich – Lin­ke: Bla­ma­bles Er­geb­nis

Meppener Tagespost - - POLITIK -

Es gibt zwar we­ni­ger Lang­zeit­ar­beits­lo­se in Deutsch­land. Trotz­dem spricht die zu­stän­di­ge Be­hör­de von ei­ner „Ver­här­tung“. Für die Lin­ke die lo­gi­sche Fol­ge ei­ner ver­fehl­ten Po­li­tik.

dpa BERLIN. Hartz-IV-Emp­fän­ger oh­ne Job sind in den ver­gan­ge­nen Jah­ren im Schnitt im­mer län­ger ar­beits­los ge­blie­ben. So stieg die durch­schnitt­li­che Dau­er der Ar­beits­lo­sig­keit bei Be­zie­hern der Grund­si­che­rung kon­ti­nu­ier­lich an – von 555 Ta­gen im Jahr 2011 auf 650 Ta­ge im Jahr 2017. Im Jahr 2016 wa­ren es noch 629 Ta­ge. Auf die­se Zah­len der Bun­des­agen­tur für Ar­beit (BA) mach­te die Lin­ke im Bun­des­tag auf­merk­sam.

„Dass die Dau­er der Er­werbs­lo­sig­keit im Hartz-IVSys­tem steigt, ist ein bla­ma­bles Er­geb­nis für die ver­schie­de­nen Bun­des­re­gie­run­gen und lei­der lo­gi­sche Kon­se­quenz

des ar­beits­markt­po­li­ti­schen Still­stands“, sag­te die ar­beits­markt­po­li­ti­sche Spre­che­rin der Links­frak­ti­on, Sa­bi­ne Zimmermann. Seit 2010 sei­en die Leis­tun­gen zur Ein­glie­de­rung in Ar­beit dras­tisch ge­kürzt wor­den.

Län­ger als drei Jah­re ar­beits­los wa­ren im Jahr 2011

rund 298 000 Hartz-IV-Be­zie­her. Bis 2017 stieg die­se Zahl auf rund 317 000. „Man könn­te von ei­ner Ver­här­tung der Lang­zeit­ar­beits­lo­sig­keit spre­chen“, sag­te ein BA-Spre­cher.

Die Zahl der Lang­zeit­ar­beits­lo­sen, die we­ni­ger als zwei Jah­ren oh­ne Job wa­ren,

sank im sel­ben Zei­t­raum al­ler­dings um fast 100 000. Sie gel­ten als et­was markt­nä­her, ha­ben al­so grö­ße­re Chan­cen auf dem boo­men­dem Job­markt. Die Zahl al­ler Lang­zeit­ar­beits­lo­sen sank seit­her um 114 000 auf 809 000 Men­schen im Jah­res­durch­schnitt 2017. Als Lang­zeit­ar­beits­lo­se gel­ten of­fi­zi­ell al­le, die län­ger als ein Jahr oh­ne Job sind.

Es gibt rund sechs Mil­lio­nen Hartz-IV-Be­zie­her, vie­le ha­ben noch ei­nen Mi­ni­job. Der­zeit liegt der Re­gel­satz für ei­nen Al­lein­ste­hen­den bei 416 Eu­ro im Mo­nat. Für ei­ne so­ge­nann­te Be­darfs­ge­mein­schaft ma­chen die Leis­tun­gen der Grund­si­che­rung im Schnitt 954 Eu­ro aus.

Die stell­ver­tre­ten­de SPDFrak­ti­ons­che­fin Kat­ja Mast ver­weist dar­auf, dass die Ko­ali­ti­on ei­nen so­zia­len Ar­beits­markt schaf­fen wol­le, der ge­zielt Lang­zeit­ar­beits­lo­sen ei­ne Per­spek­ti­ve ge­ben wer­de. 150 000 Men­schen sol­len da­bei mit Lohn­kos­ten­zu­schüs­sen ei­nen Job in Un­ter­neh­men, ge­mein­nüt­zi­gen Ein­rich­tun­gen oder Kom­mu­nen be­kom­men.

In der SPD wird zu­dem ein „so­li­da­ri­sches Grund­ein­kom­men“dis­ku­tiert: Die Mit­tel für Lang­zeit­ar­beits­lo­se sol­len dem­nach ver­stärkt ver­wen­det wer­den, um für sie ei­ne frei­wil­li­ge und un­be­fris­te­te Tä­tig­keit bei den Kom­mu­nen zu be­zah­len. Dem er­teil­te Kanz­ler­amts­mi­nis­ter Hel­ge Braun (CDU) al­ler­dings zwi­schen­zeit­lich ei­ne Ab­sa­ge.

„För­dern und for­dern“: mehr zum Hartz-Streit auf noz.de/po­li­tik

Ka­ri­ka­tur: Gerhard Mes­ter

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