As­sad als Teil ei­ner Frie­dens­lö­sung ak­zep­tie­ren

Meppener Tagespost - - POLITIK - Von Tho­mas Lud­wig t.lud­wig@noz.de

In der Au­ßen­po­li­tik müs­se man auch mit Rea­li­tä­ten um­ge­hen – die Ein­sicht der Bun­des­re­gie­rung kommt im Fall des Sy­ri­en-Kriegs reich­lich spät. Bis­lang galt sie­ben töd­lich lan­ge Jah­re: Hof­fen, dass sich das Pro­blem ir­gend­wie von al­lein er­le­digt.

Wenn Berlin nun zu­ge­steht, man müs­se Macht­ha­ber As­sad in ei­ne Frie­dens­lö­sung ein­be­zie­hen, ist das an­ge­bracht. Er ist nicht weg­zu­dis­ku­tie­ren, und Russ­land wird ei­ne Lö­sung oh­ne ihn nicht ak­zep­tie­ren. Letzt­lich hie­ße das aber auch: Auf ab­seh­ba­re Zeit be­hiel­te As­sad das Zep­ter in der Hand, denn er wird sich nicht selbst ent­mach­ten. Die­se letz­te Kon­se­quenz aber scheut Berlin. War­um?

Jahr­zehn­te fan­den we­der Deutsch­land noch EU oder USA et­was da­bei, mit De­s­po­ten zu di­nie­ren. Auch heu­te ist es die Re­gel, po­li­ti­sche De­als und Ge­schäf­te mit au­to­ri­tä­ren Re­gi­men zu ma­chen. Wenn es den Men­schen in Sy­ri­en al­so end­lich Frie­den und dem Land ei­ne Auf­bau­per­spek­ti­ve bringt, dann ist Macht­ha­ber As­sad als Teil ei­ner Lö­sung zur Be­en­di­gung des Viel­fron­ten­kriegs vi­el­leicht das klei­ne­re Übel. Da­mit über­näh­me man frei­lich die Ver­pflich­tung, ei­nen Ver­söh­nungs­pro­zess an­zu­schie­ben, was mit ei­nem Kriegs­ver­bre­cher an der Staats­spit­ze schwer wer­den dürf­te. Mit der Po­li­tik er­zwun­ge­ner Re­gime­wech­sel im Na­hen Os­ten hat der Wes­ten aber noch je­de La­ge ver­schlimm­bes­sert. So viel Rea­li­tät muss dann doch auch sein.

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