Kreis­tag be­sucht Land­tag und KZ

Kreis­tag zu Be­such in Han­no­ver und Ber­gen-Bel­sen

Meppener Tagespost - - VORDERSEITE - Von Tho­mas Pertz

HAN­NO­VER Or­te der De­mo­kra­tie und mah­nen­der Er­in­ne­rung mar­kier­ten ei­ne Fahrt des ems­län­di­schen Kreis­ta­ges und der Spit­ze der Ver­wal­tung. Auf dem Pro­gramm stan­den u.a. der neue Land­tag in Han­no­ver und das KZ in Ber­gen-Bel­sen.

Han­no­ver war das Ziel von Mit­glie­dern des Kreis­ta­ges und der Kreis­ver­wal­tung, de­ren Aus­gangs­und End­punkt dem Rück­blick in die Ge­schich­te galt. Sie ist über 2000 Jah­re alt beim Be­such des Mu­se­ums zur Va­rus­schlacht in Bram­sche und nur we­nig mehr als 70 Jah­re her im KZ in Ber­gen-Bel­sen.

HAN­NO­VER Auf den Spu­ren von Va­rus und Ar­mi­ni­us und der ver­nich­ten­den Nie­der­la­ge der rö­mi­schen Le­gio­nen ge­gen die Ger­ma­nen wan­del­te die Grup­pe aus dem Emsland bei ei­nem Zwi­schen­stopp auf der Hin­fahrt. Mit viel En­thu­si­as­mus be­rich­te­ten der Ge­schäfts­füh­rer des Mu­se­ums in Kal­k­rie­se, Jo­seph Rott­mann, und sein Team über jüngs­te Gra­bungs­er­geb­nis­se und von der Kon­zep­ti­on der Aus­stel­lung, die durch ih­re An­schau­lich­keit al­le Al­ters­grup­pen an­spricht.

Das gera­de vor knapp ei­nem Jahr fer­tig­ge­stell­te al­te und gleich­zei­tig neue Land­tags­ge­bäu­de stell­te Bernd Bu­se­mann bei der An­kunft in Han­no­ver vor. Der CDU-Po­li­ti­ker kennt sich nicht nur auf­grund sei­ner lang­jäh­ri­gen Ab­ge­ord­ne­ten­tä­tig­keit dort seit 1994 gut aus. Bu­se­mann be­glei­te­te die Um­bau­ar­bei­ten zwi­schen 2014 und 2017 auch in­ten­siv in sei­ner Ei­gen­schaft als da­ma­li­ger Land­tags­prä­si­dent. „Das ist ei­ne an­de­re Welt jetzt“, be­schrieb der Dör­pe­ner die hel­len Räu­me mit viel Licht und Glas. De­mo­kra­tie müs­se trans­pa­rent sein. Der um­ge­bau­te Land­tag pas­se des­halb zum de­mo­kra­ti­schen Gr­und­ver­ständ­nis des Lan­des. Im Ge­gen­satz da­zu ha­be der düs­te­re Plenar­saal oh­ne Fens­ter zu­vor ge­stan­den.

Die bei­den CDU-Kreis­tags­und Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten Bernd-Cars­ten Hie­bing und Chris­ti­an Füh­ner er­gänz­ten Bu­se­manns Aus­füh­run­gen. Füh­ner sitzt als New­co­mer im Land­tag eben­so wie sei­ne zum ers­ten Mal als Ab­ge­ord­ne­te ge­wähl­ten Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen der CDU in der letz­ten Rei­he der Frak­ti­on. Was den Lin­ge­ner nicht son­der­lich stört: „Wenn wir mal da­zwi­schen­ru­fen, kann die Land­tags­prä­si­den­tin nicht im­mer gleich se­hen, wer es war“, lach­te er.

Al­les im Blick ha­ben da­ge­gen die 14 000 Be­schäf­tig­ten des VW-Nutz­fahr­zeu­ge­wer­kes in Han­no­ver. Was ei­ne hoch tech­ni­sier­te Ar­beits­welt, per­fekt auf­ein­an­der ab­ge­stimm­te Lo­gis­tik und Ro­bo­ter­ein­satz in der „In­dus­trie 4.0“in der Pra­xis be­deu­tet, konn­te die Grup­pe aus dem Emsland ein­drucks­voll bei der Un­ter­neh­mens­be­sich­ti­gung und der Pro­duk­ti­on des T6 von VW er­fah­ren – bzw. er­lau­fen: Auf ei­ner Flä­che von über ei­ner Mil­li­on Qua­drat­me­tern er­streckt sich das Werk. „Jetzt hab ich die Pres­se end­lich mal bei der Ar­beit ge­se­hen“, schmun­zel­te Mar­tin Ge­ren­kamp im VW-Werk in Rich­tung Me­di­en­ver­tre­ter. Letz­te­ren mein­te der Ers­te Kreis­rat mit dem Spruch al­ler­dings nicht, son­dern viel­mehr das Press­werk bei der Be­sich­ti­gung der Pro­duk­ti­ons­li­ni­en.

Ei­ne „Hoch­zeit“der be­son­de­ren Art be­ka­men die Ems­län­der dort auch zu se­hen. Als sol­che wird bei der Au­to­pro­duk­ti­on der Mo­ment be­zeich­net, wo das Fahr­ge­stell mit al­len we­sent­li­chen An­triebs­ele­men­ten wie Ge­trie­be und Mo­tor mit der Ka­ros­se­rie ver­bun­den wird.

Ber­gen-Bel­sen bil­de­te den Ab­schluss der Fahrt, das Grau­en über die Ver­nich­tungs­ma­schi­ne­rie des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, dem über 50 000 Men­schen zum Op­fer fie­len. Dar­un­ter vie­le Kin­der und Ju­gend­li­che – An­ne Frank ist die Be­kann­tes­te un­ter ih­nen. In der Ge­denk­stät­te tra­fen die Gäs­te aus dem Emsland Lei­ter Jens-Chris­ti­an Wa­gner, Ge­schäfts­füh­rer der Stif­tung nie­der­säch­si­sche

Den Op­fern zum Ge­dächt­nis, den Le­ben­den zur Mah­nung“

Schrift­zug auf dem Kranz

Ge­denk­stät­ten. Wa­gner hat in die­ser Funk­ti­on auch ei­nen Sitz im Stif­tungs­rat der Ge­denk­stät­te Es­ter­we­gen in­ne. „Am En­de war hier das blan­ke In­fer­no“, schloss er die Füh­rung durch das lang ge­streck­te Ge­bäu­de des Do­ku­men­ta­ti­ons­zen­trums, des­sen En­de in das KZ-La­ger hin­ein­ragt.

Still wur­de es beim Gang über das Ge­län­de, vor­bei an den Mas­sen­grä­bern hin zum Mahn­mal zur Er­in­ne­rung an die To­ten. „Den Op­fern zum Ge­dächt­nis, den Le­ben­den zur Mah­nung“, war auf der Schlei­fe des Kran­zes zu le­sen.

„Pro­be sit­zen“im Land­tag: Be­ein­druckt vom Er­geb­nis des Um­baus des Plenar­saals wa­ren die Mit­glie­der des Kreis­ta­ges und der Kreis­ver­wal­tung.

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