Je­de vier­te Frau im Job be­läs­tigt

ANA­LY­SE Um­fra­ge des Be­am­ten­bunds / For­sa-Chef: Hö­he­re Sen­si­bi­li­sie­rung

Meppener Tagespost - - POLITIK - Dpa, AFP

BERLIN Mehr als je­de vier­te Frau in Deutsch­land wird an ih­rem Ar­beits­platz laut ei­ner neu­en Um­fra­ge Op­fer se­xu­el­ler Be­läs­ti­gung. Kon­kret ha­ben nach ei­ge­nen An­ga­ben dem­nach 26 Pro­zent in ih­rem Ar­beits­um­feld schon selbst ein­mal For­men von se­xu­el­ler Be­läs­ti­gung oder von se­xis­ti­schem Ver­hal­ten er­lebt. Das zeigt ei­ne ges­tern in Berlin vor­ge­stell­te Er­he­bung des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts For­sa im Auf­trag des Be­am­ten­bunds dbb. Nimmt man da­zu, wenn Frau­en bei Kol­le­gin­nen und Kun­din­nen sol­che Be­läs­ti­gung wahr­ge­nom­men ha­ben, sind es so­gar 35 Pro­zent, die ent­spre­chen­des Ver­hal­ten schon er­lebt ha­ben. Män­ner ha­ben laut der Um­fra­ge zu 6 Pro­zent schon ein­mal selbst se­xu­el­le Be­läs­ti­gung oder se­xis­ti­sches Ver­hal­ten er­fah­ren.

Die Wer­te un­ter­schei­den sich zwi­schen öf­fent­li­chem Dienst und Pri­vat­wirt­schaft nur schwach. Am stärks­ten von se­xu­el­ler Be­läs­ti­gung be­trof­fen sind nach ei­ge­nen An­ga­ben mit 22 Pro­zent 14- bis 29-jäh­ri­ge Frau­en und Män­ner, ge­folgt von Men­schen ab 60 (16 Pro­zent).

44 Pro­zent der Be­trof­fe­nen ga­ben an, in ir­gend­ei­ner Wei­se da­ge­gen vor­ge­gan­gen oder Hil­fe ge­holt zu ha­ben. Die meis­ten ha­ben sich da­bei an die Per­son di­rekt ge­wen­det (79 Pro­zent), 43 Pro­zent an ih­ren Vor­ge­setz­ten. Fast je­de Vier­te, die sich kei­ne Hil­fe ge­holt hat, gab als Grund an, es nicht als so schlimm emp­fun­den zu ha­ben, fast je­de Fünf­te aber, dies aus Angst oder Un­si­cher­heit ge­las­sen zu ha­ben. 10 Pro­zent sag­ten, sie hät­ten be­ruf­li­che Nach­tei­le ge­fürch­tet, 6 Pro­zent er­klär­ten, der Vor­ge­setz­te ha­be sie be­läs­tigt. 23 Pro­zent der Frau­en und 16 Pro­zent der Män­ner sag­ten, se­xu­el­le Be­läs­ti­gung oder se­xis­ti­sches Ver­hal­ten im Job hät­ten in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren zu­ge­nom­men.

Fast je­der fünf­te ab­hän­gig Be­schäf­tig­te sag­te, im Be­ruf schon ein­mal dis­kri­mi­niert wor­den zu sein. Bei den Frau­en spiel­te Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts hier die größ­te Rol­le (52 Pro­zent), bei den Män­nern we­gen des Al­ters (47 Pro­zent).

For­sa-Chef Man­fred Güll­ner führ­te den ho­hen An­teil de­rer, die sich als Be­trof­fe­ne von se­xu­el­ler Be­läs­ti­gung zu er­ken­nen ge­ben, auch dar­auf zu­rück, dass die Sen­si­bi­li­tät durch die #Me­Too-De­bat­te über Se­xis­mus und Miss­brauch ge­stie­gen sei. Der Vor­sit­zen­de des dbb Be­am­ten­bund und Ta­rif­uni­on, Ul­rich Sil­ber­bach, for­der­te die Zu­las­sung von Ver­bands­kla­gen. „Da­mit könn­ten wir den Dis­kri­mi­nie­rungs­op­fern bes­ser den Rü­cken stär­ken.“

Die Um­fra­ge ist ein Son­der­ka­pi­tel ei­ner tur­nus­mä­ßi­gen For­sa-Be­fra­gung für den dbb über Ein­stel­lun­gen ge­gen­über Staat, Be­ru­fen und öf­fent­li­chem Dienst. Dem­nach be­für­wor­ten 79 Pro­zent ei­nen star­ken Staat, der Bür­ger vor aus­ufern­den Ent­wick­lun­gen schüt­zen kann. Zehn Jah­re zu­vor wa­ren es nur 70 Pro­zent. Das Ran­king der an­ge­se­hens­ten Be­ru­fe füh­ren wei­ter die Feu­er­wehr­leu­te an. Spit­zen­wer­te mit über 80 Pro­zent er­rei­chen auch Ärz­te, Pfle­ger, Er­zie­her und Po­li­zis­ten. Am Schluss ste­hen mit Wer­ten un­ter 20 Pro­zent Mit­ar­bei­ter von Te­le­fon­ge­sell­schaf­ten und Wer­be­agen­tu­ren so­wie Ver­si­che­rungs­ver­tre­ter.

Un­ter den 33 ab­ge­frag­ten Be­rufs­grup­pen lie­gen Be­am­te auf Platz 25. Den­noch ana­ly­sier­te Sil­ber­bach: „Dass der Gat­tungs­be­griff ‚Be­am­ter‘ un­ter den bei­den Top­ge­win­nern der letz­ten Jah­re ist, deu­tet auf ei­nen kla­ren Image­wan­del für den öf­fent­li­chen Dienst hin.“

Die #Me­Too-De­bat­te und die Fol­gen: Mehr da­zu le­sen Sie auf noz.de/ver­misch­tes

Fo­to: dpa

Be­am­ten­bund-Chef Sil­ber­bach. Ul­rich

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