Kei­ne Ab­schot­tung vor Afri­ka

In Gha­na wirbt Bun­des­kanz­le­rin Mer­kel für ei­ne en­ge­re Ver­zah­nung der Kon­ti­nen­te

Meppener Tagespost - - POLITIK - AFP, dpa

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel er­klärt ei­ne en­ge Be­zie­hung zu Afri­ka zur Schick­sals­fra­ge für Eu­ro­pa. Das ge­lin­ge aber nicht durch Ab­schot­tung, son­dern be­deu­te mehr wirt­schaft­li­ches En­ga­ge­ment.

ACCRA Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) hat bei ih­rem Be­such in Gha­na ei­ne en­ge Part­ner­schaft mit Afri­ka zu ei­ner Schick­sals­fra­ge für Eu­ro­pa er­klärt. „Wir müs­sen das schaf­fen, dass wir zu ei­ner neu­en Nach­bar­schaft kom­men“, sag­te Mer­kel ges­tern in Gha­nas Haupt­stadt Accra bei ei­ner ge­mein­sa­men Pres­se­kon­fe­renz mit Prä­si­dent Na­na Aku­fo-Ad­do. Das Ziel müs­se sein, mit eu­ro­päi­scher Hil­fe die ei­gen­stän­di­ge Ent­wick­lung des Nach­bar­kon­ti­nents zu un­ter­stüt­zen.

Wenn die Eu­ro­pä­er nicht dar­an glaub­ten, dies zu schaf­fen, sei auch der Zu­sam­men­halt der Eu­ro­päi­schen Uni­on in Ge­fahr, sag­te Mer­kel. „Ich glau­be ganz fest, dass es ei­ne pro­spe­rie­ren­de Eu­ro­päi­sche Uni­on nur ge­ben kann, wenn wir mit den Fra­gen der Mi­gra­ti­on, mit den Fra­gen der Part­ner­schaft mit Afri­ka klar­kom­men.“Da­für müss­ten Flucht­ur­sa­chen eben­so be­kämpft wer­den wie die durch Schlep­per ge­för­der­te il­le­ga­le Ein­wan­de­rung.

„Das wird nicht durch Ab­schot­tung ge­lin­gen“, füg­te Mer­kel hin­zu. Viel­mehr müs­se man ei­ne Be­zie­hung zwi­schen Eu­ro­pa und Afri­ka schaf­fen, von der bei­de Sei­ten pro­fi­tier­ten. „Das ist die Auf­ga­be“, sag­te die Kanz­le­rin, die seit Mitt­woch bis zum heu­ti­gen Frei­tag im Se­ne­gal, Gha­na und Ni­ge­ria un­ter­wegs ist. Sie sei der Mei­nung, „dass wir das schaf­fen kön­nen“, hob Mer­kel her­vor, auch wenn sich die Pro­ble­me nicht über Nacht lö­sen lie­ßen.

Es müs­se auch ei­nen Schutz der eu­ro­päi­schen Au­ßen­gren­zen ge­ben, stell­te Mer­kel klar. „Aber Au­ßen­gren­zen­schutz in ei­nem Sin­ne, der den an­de­ren auch im Blick hat.“Sie glau­be dar­an, „auch wenn es ei­ne gro­ße Auf­ga­be ist“, füg­te die Kanz­le­rin hin­zu.

Der Mer­kel in Accra be­glei­ten­de Ent­wick­lungs­mi­nis­ter Gerd Mül­ler (CSU) rief die deut­sche Wirt­schaft auf, sich stär­ker dort zu en­ga­gie­ren. Bis­lang sei­en in Gha­na nur et­wa acht­zig der rund 1000 in Afri­ka tä­ti­gen deut­schen Un­ter­neh­men ak­tiv, be­män­gel­te der Mi­nis­ter. Das Han­dels­vo­lu­men zwi­schen Gha­na und Deutsch­land be­tra­ge nur ein Zehn­tel des Han­dels mit Län­dern wie Kroa­ti­en oder Ka­sachs­tan. In Accra wird Mül­lers Ap­pell ger­ne ge­hört.

Prä­si­dent Na­na Aku­fo-Ad­do will sein Land wirt­schaft­lich mo­der­ni­sie­ren und hat das Ziel aus­ge­ru­fen, Gha­na un­ab­hän­gig von aus­län­di­scher Ent­wick­lungs­hil­fe zu ma­chen. Zwar kämpft Gha­na mit staat­li­cher Ver­schul­dung und ei­ner ho­hen In­fla­ti­ons­ra­te, die Wirt­schaft des et­wa 29 Mil­lio­nen Ein­woh­ner zäh­len­den Lan­des wuchs je­doch al­lein im ver­gan­ge­nen Jahr um mehr als acht Pro­zent, auch für die kom­men­den Jah­re ist die Pro­gno­se gut. Zu­dem le­ben in Gha­na mehr als 50 Volks­grup­pen so­wie Chris­ten und Mus­li­me fried­lich zu­sam­men, das west­afri­ka­ni­sche Land gilt als Sta­bi­li­täts­an­ker in der Re­gi­on. Aku­foAd­do er­bost es da­her, wenn Tau­sen­de Gha­na­er das Land ver­las­sen, um ihr Glück in Eu­ro­pa zu su­chen.

Fo­to: dpa/Micha­el Kap­peler

Zwei, die gut mit­ein­an­der kön­nen: An­ge­la Mer­kel und Gha­nas Prä­si­dent Na­na Aku­fo-Ad­do.

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