Schäu­b­le tobt und ju­bi­liert zugleich

Mittelschwaebische Nachrichten - - Erste Seite - VON STE­FAN STAHL sts@augs­bur­ger-all­ge­mei­ne.de

Schäu­b­le ist bei­des: Draghi-Pro­fi­teur und -Op­fer. Als Bun­des­fi­nanz­mi­nis­ter, der sich strik­ter Haus­halts­dis­zi­plin un­ter­wor­fen hat, ge­hört er zu den Nutz­nie­ßern der bi­zar­ren Null­zins-Ära. Er spart Mil­li­ar­den da­durch ein, in­dem der Bund sei­nen Gläu­bi­gern ins­ge­samt deut­lich we­ni­ger Zin­sen zah­len muss. So hat es Schäu­b­le auch Draghi zu ver­dan­ken, dass er sich für das Jahr 2015 als ers­ter Fi­nanz­mi­nis­ter seit 1969 rüh­men konn­te, den Haus­halt des Bun­des oh­ne neue Schul­den aus­ge­gli­chen zu ha­ben. Da­mit gilt der No­ten­ban­kPrä­si­dent als Ga­rant für die vom Fi­nanz­mi­nis­ter ver­tei­dig­te schwar­ze Null, an der er trotz Mil­li­ar­den­aus­ga­ben für Flücht­lin­ge fest­hält.

Schäu­b­le ist aber auch ein füh­ren­der Kopf der CDU, der rechts­po­pu­lis­ti­sche Po­li­ti­ker arg zu­set­zen. So hat er in un­ge­wohn­ter Här­te Draghi in­di­rekt vor­ge­wor­fen, mit für den Auf­stieg der eu­ro­kri­ti­schen AfD ver­ant­wort­lich zu sein – ei­ne rich­ti­ge und mu­ti­ge An­mer­kung des er­fah­re­nen Stra­te­gen. Schäu­b­le weiß, dass Bür­ger, die kei­ne Zin­sen mehr auf ihr Er­spar­tes be­kom­men und de­nen so­gar Straf­zin­sen dro­hen, an­fäl­lig für Pa­ro­len von Ver­ein­fa­chern wer­den. Für die Sta­bi­li­tät un­se­rer De­mo­kra­tie sind or­dent­li­che Zin­sen enorm wich­tig.

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