Das steckt hin­ter den Kla­gen ge­gen Volks­wa­gen

So kön­nen Ak­tio­nä­re ih­re An­sprü­che gel­tend ma­chen

Mittelschwaebische Nachrichten - - Wirtschaft -

Ber­lin/Augs­burg Volks­wa­gen muss sich welt­weit we­gen des Die­selSkan­dals vor Ge­richt ver­ant­wor­ten. In vie­len Län­dern gibt es Kla­gen und Er­mitt­lun­gen. Die wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten für An­le­ger:

Wie ist der der­zei­ti­ge Stand?

Die Kla­gen lie­gen beim Land­ge­richt Braun­schweig. Das Ge­richt mach­te den Weg für die ge­bün­del­te Klä­rung zen­tra­ler Streit­fra­gen über das Ka­pi­tal­an­le­ger-Mus­ter­ver­fah­rens­ge­setz frei. Ein sol­ches Ver­fah­ren ist be­kannt von an­de­ren Pro­zes­sen et­wa ge­gen die Deut­sche Te­le­kom oder die Im­mo­bi­li­en­bank Hy­po Re­al Esta­te (HRE). Dass es 2016 noch ei­ne münd­li­che Ver­hand­lung in ei­nem Mus­ter­ver­fah­ren gibt, ist un­wahr­schein­lich.

Ist ein Mus­ter­ver­fah­ren ei­ne Art Sam­mel­kla­ge?

Ja. Es ist die Mög­lich­keit, ein Ver­fah­ren stell­ver­tre­tend für an­de­re zu füh­ren. Es geht dar­um, zen­tra­le Fra­gen sämt­li­cher Fäl­le in ei­nem Mus­ter­ver­fah­ren vor­ab ver­bind­lich ent­schei­den zu las­sen. Nach der Zi­vil­pro­zess­ord­nung sei­en Mas­sen­kla­gen wie et­wa bei der Te­le­kom nicht mehr zu be­wäl­ti­gen, lau­te­te die Be­grün­dung für das Ge­setz.

Wie lau­fen die­se Kla­gen ab?

Aus vie­len ähn­li­chen Kla­gen wird ein ein­zi­ger Fall als Ex­em­pel her­aus­ge­grif­fen. Nach der Grund­satz­ent­schei­dung muss den­noch in jedem Fall ge­prüft wer­den, ob die Ent­schei­dung passt, um ein in­di­vi­du­el­les Ur­teil zu tref­fen. Soll­te ei­ne Par­tei nicht ein­ver­stan­den sein, wird der Ein­zel­fall mit al­len Be­son­der­hei­ten durch­ver­han­delt.

Was ist das Ar­gu­ment der An­le­ger?

Sie sa­gen, VW hät­te deut­lich frü­her über Pro­ble­me mit ma­ni­pu­lier­ten Ab­gas­wer­ten in­for­mie­ren müs­sen, weil Kurs­ab­schlä­ge droh­ten. Die Ver­lus­te, die da­durch ent­stan­den sind, wol­len sie er­setzt ha­ben.

Und war­um klagt jetzt Bay­ern?

Bay­ern will Volks­wa­gen auf Schadenersatz ver­kla­gen. Es ge­he da­bei um die Ak­ti­en­kurs-Ver­lus­te, denn Bay­ern hielt in Form ei­nes mil­li­ar­den­schwe­ren Pen­si­ons­fonds für die Lan­des­be­diens­te­ten im Sep­tem­ber 2015 rund 58 000 Vor­zugs­ak­ti­en.

Bis wann läuft die Frist?

Bis zum 19. Sep­tem­ber müs­sen Scha­den­er­satz­for­de­run­gen gel­tend ge­macht wer­den. Für Da­nie­la Berg­dolt, Fach­an­wäl­tin für Ka­pi­tal­markt­recht, dürf­te das Mus­ter­ver­fah­ren des Land­ge­richts Braun­schweig, das für die An­le­ger die kos­ten­güns­ti­ge­re Va­ri­an­te ist, zu spät kom­men. Das Ver­fah­ren wur­de zwar in die We­ge ge­lei­tet, der Er­öff­nungs­be­schluss wird aber wohl nicht recht­zei­tig vor­lie­gen.

Was kann der Klein­ak­tio­när tun?

Berg­dolt rät, selbst ak­tiv zu wer­den, sich von ei­nem An­walt be­ra­ten zu las­sen und sei­ne An­sprü­che an­zu­mel­den. Das kann nur im Rah­men ei­nes Scha­den­er­satz­pro­zes­sen beim Land­ge­richt er­fol­gen. Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen über­neh­men teil­wei­se die Kos­ten. (dpa/AZ)

Fo­to: Rum­pen­horst, dpa

VW hat ein di­ckes Pro­blem. Das kann teu­er wer­den.

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